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Energiewende Warum der Strompreis stetig steigt


Stromgipfel im Kanzleramt: Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschafter diskutieren, wie sie den Kosten der Energiewende Herr werden können. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Von Daniel Bakir

Die Energiewende kostet Geld, das war eigentlich allen klar. Nun aber befürchten viele, dass diese Kosten aus dem Ruder laufen und die Stromkunden zu stark belastet werden könnten. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) diskutiert daher am heutigen Dienstag im Kanzleramt mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Kanzleramtsminister Ronald Pofalla sowie Vertretern von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften über mögliche Reformen im Energiesektor. Zur Debatte steht auch das bisherige Fördersystem für Erneuerbare Energien, die sogenannte EEG-Umlage. Wer mitdiskutieren will, sollte die folgenden Fakten kennen.

Wer ist schuld an den steigenden Strompreisen?

Stromversorger, Erneuerbare-Energien-Branche und Politiker schieben sich den Schwarzen Peter munter hin und her. In der Vergangenheit begründeten die Stromversorger Preiserhöhungen meist mit gestiegenen Rohstoffkosten für Öl und Gas. Nun schieben sie der Energiewende die Schuld zu, vor allem der Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien, kurz EEG-Umlage. Außerdem sind in ihren Augen die Abgaben an den Staat zu hoch, unter anderem in Form der Stromsteuer. Kritiker werfen den großen Konzernen Eon, Vattenfall, RWE und EnBW hingegen vor, sie würden nach wie vor ihre Marktmacht nutzen, um überhöhte Preise zu verlangen. Die Grünen-Bundestagsfraktion legte vergangene Woche eine Studie vor, nach der die Stromkonzerne allein in diesem Jahr bis zu drei Milliarden Euro zu viel von den Verbrauchern verlangten. Die Branche der Erneuerbaren führt zudem an, sie kassiere nicht nur Subventionen, sondern senke mit dem zusätzlichen Angebot auch den Börsenpreis für Strom, was den Stromversorgern wiederum zu Gute käme. Jede Seite untermauert ihre Argumente regelmäßig mit Studien und Rechnungen, die die eigene Sicht stützen. Klar ist: Ohne Atomausstieg und Förderung der Erneuerbaren wäre die aktuelle Stromrechnung sicherlich niedriger. Allerdings verursachen Atomenergie und fossile Energien wie Stein- und Braunkohle langfristige Umwelt- und Entsorgungskosten, die nur schwer zu berechnen sind. Das Forum Ökologische Marktwirtschaft errechnete in einer Studie, dass alle Steuerbegünstigungen, staatliche Finanzhilfen und andere Vorteile zu eine Kohle- und Atomstrom-Umlage ergeben würden, die dreimal so hoch wie die EEG-Umlage wäre.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Bis der Strom beim Kunden aus der Steckdose kommt, ist es ein weiter Weg, auf dem eine Reihe von Kosten zusammenkommen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur machen die Kosten für die Strombeschaffung und den Vertrieb durch die Stromversorger etwa ein Drittel des Preises aus, den private Haushalte am Ende zahlen. Ein Fünftel geht als Netznutzungsentgelt an die Betreiber der Stromnetze. Jeder vierte Euro geht in Form von Mehrwertsteuer und Stromsteuer an den Staat. Außerdem werden weitere staatliche Abgaben fällig: 13,7 Prozent des Strompreises entfielen 2011 auf die umstrittene EEG-Umlage, mit der Erneuerbare Energien subventioniert werden. Dazu kommen noch Konzessionsabgaben, die Städte und Gemeinden für die Bereitstellung ihrer Leitungen einstreichen (6,5 Prozent), und die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (0,2 Prozent). Schließlich erheben noch die Regulierungsbehörden Entgelte für die Messung und Abrechnung (2,7 Prozent).

Welche Rolle spielt die Industrie?

Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) entfällt nur ein Viertel des Stromverbrauchs auf die privaten Haushalte. Knapp die Hälfte des gesamten Stroms verbraucht die Industrie, das restliche Viertel entfällt auf Gewerbe und andere Dienstleister. Für Unmut sorgt, dass ausgerechnet die Unternehmen, die am meisten verbrauchen, am wenigsten bezahlen. So sind nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) etwa 500 Firmen von der Ökosteuer-Umlage komplett befreit. Politisch begründet wird dies mit Wettbewerbsnachteilen, die diese energieintensiven Unternehmen im internationalen Vergleich erleiden würden.

Wie funktioniert die EEG-Umlage?

Den Erzeugern von Erneuerbaren Energien ist per Gesetz ein Preis zugesichert, der über dem Marktpreis für Strom an der Strombörse liegt. Die Stromverbraucher finanzieren diese Subvention über die Abgabe im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Derzeit liegt die EEG-Umlage für Privathaushalte bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Mit der Anpassung im Oktober könnte sie auf fünf Cent oder mehr steigen. Denn obwohl die Fördersätze zuletzt immer wieder gekürzt wurden, müssen die einst garantierten Vergütungen auf Sicht von 20 Jahren weiter bezahlt werden. Daher ist jetzt schon sicher, dass Zahlungen von weit über 150 Milliarden Euro zu leisten sind. Am stärksten schlägt dabei die Förderung der Solarenergie zu Buche, die über viele Jahre die mit Abstand stärkste Subventionierung erhielt.

Was kann der Verbraucher tun?

Auch wenn der Markt von den großen Vieren – E.on, RWE, Vattenfall und EnBW – dominiert wird, so haben Verbraucher mittlerweile doch die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Anbietern. Wer die Preise für sein Einzugsgebiet vergleicht und zu einem günstigeren Anbieter wechselt, kann meistens ordentlich Geld sparen. Das tun viele Verbraucher aber nicht. stern.de-Energieatlas: Wo Strom und Gas am günstigsten sind

Von Daniel Bakir (mit Agenturen)

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