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14. August 2007, 17:28 Uhr

Preisabzocke mit Hintergedanken

Die Preiserhöhung für Normalbenzin hat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Hinter der "eiskalten Abzocke des Normalverbrauchers" steckt aber mehr: Über kurz oder lang wird es kein Normalbenzin mehr im Angebot geben.

Ertragssteigerung: Vor allem Fahrer älterer Autos sind betroffen© Nigel Treblin/DDP

An den Zapfsäulen rumort es: Seit die Ölkonzerne die Preise für Normalbenzin erhöht haben, reißt die Kritik an der Preispolitik der Öl-Multis nicht ab. Der ADAC sprach von einer "krassen Preiserhöhung". Seit zwei Wochen beträgt der Abstand zwischen Super und Normal nur noch einen Cent. Vor allem Fahrer älterer Autos sind betroffen, aber auch besonders sparsame Besitzer jüngerer Baujahre. Als Begründung führten die Öl-Multis die erhöhte Nachfrage und die gestiegenen Preise am Weltmarkt an.

"Dieses unverschämte Abkassierprogramm bedeutet eine neue, eiskalte Abzocke zu Lasten des Normalverbrauchers", sagte der Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg. ADAC-Präsident Peter Meyer kritisierte: "Den Mineralölfirmen geht es bei dieser Maßnahme natürlich nur um eines: Ertragssteigerung."

"Kunden zum Super locken"

Die Kritiker vermuten hinter der Preissteigerung mehr: "Vielleicht wollen die Konzerne mehr Kunden zum Super locken", sagte ADAC-Sprecher Peter Hemschik. Die Verkehrsexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, sieht es genauso: "Die Konzerne nutzen aber auch die Gunst der Stunde", sagte sie. "Sie wären nicht traurig, wenn es Normalbenzin nicht mehr gäbe."

Branchenkenner vermuten seit Jahren, dass die Ölkonzerne Normalbenzin lieber heute als morgen abschaffen wollen: Der Wechsel auf Super würde zusätzliche Millioneneinnahmen bringen. Gleichzeitig würden die Kosten fallen, weil man weniger Zapfpistolen bräuchte und weniger getrennte Tanks. Alle großen Konzerne weisen diese Spekulation allerdings zurück. "So lange die Kunden Normal nachfragen, bieten wir es auch an", sagte Claudia Braun von Aral.

Gewinne mit Normalbenzin fallen geringer aus

Das klingt wenig glaubwürdig. Nach Angaben des Hauptgeschäftsführer der Freien Tankstellen, Axel Graf Bülow, müssten die Tankstellen Normalbenzin gegenüber dem Superbenzin oft genug subventionieren. Die Gewinne bei Normalbenzin fielen meist geringer aus als bei Super. Auf Dauer gibt es aus Sicht der Konzerne und der Freien Tankstellen also keinen Grund, Normalbenzin weiter anzubieten.

In Deutschland geht der Anteil an Normalbenzin unter den Kraftstoffen stetig zurück. Im Jahr 2006 betrug er noch rund 27 Prozent. Super kam auf 70 Prozent, das 98-oktanige Superplus auf 3 Prozent. Im europäischen Ausland ist Normalbenzin schon weitgehend verschwunden. Die Zahl der Neuwagen, für die Normalbenzin empfohlen wird, sinkt kontinuierlich. Und die Politik macht Druck: Ein EU-Entwurf aus diesem Jahr sieht vor, den Anteil von Bio-Kraftstoffen zu erhöhen, um den Klimaschutz zu fördern. Das würde den Kraftstoff ohnehin weiter verteuern, weil die Herstellung aufwendiger und teurer ist. Schon längst arbeiten die Mineralölkonzerne an neuen Bio-Kraftstoffen, mit denen sich mehr Geld verdienen lässt.

Hintergrund Der Unterschied zwischen Normalbenzin und Super liegt in der Oktanzahl. Normal hat 91 Oktan, Super 95. Die Oktanzahl beschreibt die so genannte Klopffestigkeit des Sprits. Ein Benzinmotor kann Klopfgeräusche machen, wenn das Luft-Benzin-Gemisch in den Zylindern nicht gleichmäßig verbrennt, sondern in Einzelexplosionen. Dieser Effekt kann den Motor ruinieren. Je höher die Oktanzahl, desto gleichmäßiger verbrennt das Benzin-Luft-Gemisch.

Die höhere Oktanzahl wird laut Industrie vor allem durch besondere Zusatzstoffe erreicht, so genannte Additive. Additive für Super sind teurer als für Normal, was den höheren Preis für Super erklären soll. Bis in die 80er Jahre wurde dem Benzin Blei als Anti-Klopfmittel beigemischt, dann aber wegen Gesundheitsgefahren verboten. Moderne Autos sind in der Regel auf Superbenzin ausgelegt, weil mit diesem Treibstoff bessere Motorleistungen möglich sind. Einfache und älterer Autos laufen dagegen oft noch mit Normalbenzin.

Auf Normalbenzin ausgelegte Autos können problemlos Super verkraften. Bei Wagen, die auf Super ausgelegt sind, sollte der Fahrer vor dem Tanken von Normalbenzin in der Betriebsanleitung prüfen, ob der Motor das problemlos bewältigt.

AP/tis
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Ursula8 (17.08.2007, 10:13 Uhr)
Lieber Bahn fahren
Gegen die Abzocke der Ölindustrie hilft auch: Lieber mal Bahn fahren. Als geneigte Autofahrerin habe ich mir die letzten Jahre angewöhnt öfters mal Bahn zu fahren. Erstens gibt es inzwischen viele günstige Angebote, zweitens spart man Zeit und Streß und man lernt auch noch viele nette Menschen kennen.
aucklander (15.08.2007, 22:29 Uhr)
Andere Länder...
In Italien gibt es so lange ich denken kann nur Super... fertig. Die machen sich das Leben nicht so kompliziert. Warum auch?
Rainhelt (15.08.2007, 19:48 Uhr)
@Samson40
Ich gebe ihnen recht, wenn sie noch ein Fahrzeug ohne elektronisches Motorsteuergerät und "Spriterkennung" fahren. Mehr Leistung gibt es in keinem Fall. Bei einem Dreiwegekat-Fahrzeug ist das Lambda tatsächlich auf 1 festgelegt. Dass heißt, diese Fahrzeuge fahren mit spezifizierten Kraftstoffen am sparsamsten.
Aber sie sind da bestimmt der Experte, und ich hab keine Ahnung...
Tankstelle_heute (15.08.2007, 13:56 Uhr)
Totgesagte Leben länger
„Totgesagte Leben länger“, sagt der Volkmund. Wenn man den derzeitigen Schlagzeilen der Presse folgen darf, hören einige „selbsternannte Experten“ mal wieder die „Sterbeglocke“ für die Kraftstoffart „Normalbenzin“ läuten – wie so oft schon in der Vergangenheit. Bis heute lebt „Regularbezin“ stattdessen immer noch – und zwar mit 27 % Betankungs-Anteil bei Ottokraftstoffen im Grunde noch recht komfortabel. Aus der Zentrale der BP/Aral als Marktführer auf dem deutschen Tankstellenmarkt konnte man im Frühsommer ein unmissverständliches Bekenntnis zum Festhalten am Normalbenzin vernehmen. Ohne den Marktführer wäre eine Herausnahme dieser preiswertesten Kraftstoffsorte für die übrigen Marktteilnehmer nicht erfolgreich durchzusetzen. Glaubt man den jüngsten Äußerungen der „großen Tankstellengesellschaften“ sind auch dort keine Absichten hinterlegt, kurz- oder mittelfristig den Verkauf von Normalbenzin einzustellen.Als Fahrer eines mit Normalbenzin getriebenen Fahrzeugs würde ich mir derzeit nicht allzu große Sorgen machen, dass die Kraftstoffsorte „Normal“ zugunsten des teureren Superkraftstoffes entfällt und rufe aus: “Ja es lebt noch, das Normalbenzin!“ -Tankstelle heute (http://tanke.blogg,de)
Samson40 (15.08.2007, 12:51 Uhr)
@RomanTicker, @Rainhelt
Sorry, aber so eine qequirlte Schei..e habe ich schon lange nicht mehr gehört.
Ihr seid ja die Techniker vor dem Herrn... LOL...
Ein Motor, der auf Normalbenzin mit 91 Oktan ausgelegt ist, läuft mit Super KEINEN DEUT besser oder spritsparender!
Weil dieser Motor nämlich nicht auf die 95 Oktan ausgelegt ist und somit die höhere Klopffestigkeit nicht ausnutzen kann.
Das Gleiche gilt im Übrigen für V-Power (und wie sie noch alle heißen) 100 Oktan Plörre.
Es ist schon lange bewiesen das mehr Oktan weder Leistung steigert noch den Verbrauch senkt!
Rainhelt (15.08.2007, 12:13 Uhr)
Technik
Also wie traurig ist es eigentlich, dass kaum einer den Unterschied der Spritsorten zu kennen scheint.
Der Unterschied zwischen Super und Normalbenzin liegt in den additiven zur Steigerung der Klopffestigkeit (Das hat man früher mit Bleiverbindungen gemacht). Es hat nichts mit Leistung oder ähnlichem zu tun. Der Vorteil des Superkraftstoffes liegt in der höhren Klopffestigkeit. Das bedeutet, dass man damit den Motor "magerer" betreiben (Mehr Luft) kann, als mit Nomal-benzin. Daraus erfolgt unweigerlich eine Verbrauchsreduzierung!!! Diese gleicht den Preisunterschied aus (jetzt erst recht). Es ist ein absoluter Trugschluss, dass das Fahren mit Super teurer wäre als mit Nomal-Benzin.
Anders ist das bei Superplus oder 100-Oktan Treibstoffen. Durch die hohe Anzahl an Additiven senkt sich der Heizwert des Treibstoffes. Das führt zu Leistungseinbussen. Allerdings ist der Verbrauch noch niedriger, da noch magerer verbrannt werden kann.
Es ist also völlig wurscht ob Nomal-Benzin abgeschafft wird (nur die Logistikkosten der Konzerne sinken). Mit den neuen Preisen fährt man mit Super eh günstiger.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang allerdings moderne Motorkonzepte (DI-Otto) oder auch die Abgasnachbehandlung, die unter Umständen eine bestimmte Spritsorte verlangt (Allerdings nie Normal-benzin)...
Gruß
Rainhelt
atride (15.08.2007, 11:18 Uhr)
@RomanTicker
na, du bist doch sicher ein u-boot der sprit-dealer, hmmm...?! aber gut - du hast mich auf der ganzen linie überzeugt, ihr seid doch keine gierzerfessenen halsabschneider, sondern faire geschäftspartner. und die erde ist eine scheibe.
tagora-sagittara (15.08.2007, 10:27 Uhr)
Da gebe ich RomanTicker Recht,...
der Motor profitiert davon, wenn der ISO Oktan höher, sprich Superbezin entspricht. Meine Schüssel ist aber mit Normal zufrieden,...und das sind mal eben 5€ Ersparniss bei 100L Fusel. Rechnet man das ganze auf 15000km im Jahr hoch, kommt da ein ganz hübsches Sümmchen zusammen,...will sagen davon bestreite ich Jahr für Jahr die Verschleißteile,...und bislang ging die Rechnung auf. Wenn jetzt die offizielle "Kartellbehörde Fuselhändler" das Normal dem Super anpasst, rechnet sich das für Normalos nicht mehr, weil der Hobel mit Super ca. 10% weniger verbraucht...also das Ansinnen der Fuselhändler liegt klar auf der Hand...Gewinnoptimierung...und unsere Lobbykraten werden den Teufel tun und eingreifen, betrachtet man den Steuereuro den die bald abgreifen werden für 1L Sprit...
Verarsche auf der ganzen Linie!!
RomanTicker (15.08.2007, 09:59 Uhr)
Panikmache
Die meisten Motorenhersteller empfehlen Super, selbst wenn der Motor auch für Normalbenzin geeignet ist. Und das aus gutem Grund. Jeder Benzinmotor, der für Normalbenzin geeignet ist, läuft mit Super besser. Das liegt ganz einfach daran, dass die Oktanzahl von Super mit 95 höher ist als die von Normalbenzin, die nur bei 91 liegt. Das bedeutet in der Praxis, dass die Verbrennung effizienter und besser verläuft. Der Motor hat etwas mehr Leistung und sogar einen geringfügig geringeren Verbrauch. Diese Dinge gelten aber nur, wenn das Fahrzeug auch wirklich mit Superkraftstoff betankt ist und nicht mit einem Gemisch aus Normal und Super. Wer also bisher Normal getankt hat, muss schon eine Zeit lang ausschließlich Super tanken, damit der Rest an Normalbenzin vernachlässigt werden kann.
atride (15.08.2007, 09:35 Uhr)
@guzziman
nationale politiker sind halt nur noch aufgebohrte witzfiguren. bemerkenswert ist aber mal wieder, wie schamlos die sprit-dealer hier wieder als kartell auftreten.
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