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8. Februar 2010, 20:06 Uhr

Herausforderer Audi-Maximus

Audi ist wer. Der Titan unter den Edelmarken, erfolgreich, wo andere straucheln. Der neue A8 soll die Verhältnisse in der Oberklasse neu definieren und die Konkurrenz auf die Plätze verweisen. Von Gernot Kramper

Audi A8

Groß, selbstbewusst und mächtig rollt der A8 vor© Audi

Jetzt wird der Audi aller Audis auf die Straßen geschickt: der neue A8 ist da. Er soll die Verhältnisse in der Oberklasse neu definieren. Und so gewaltig vorfahren, dass sich die Büchsen von BMW und Mercedes winselnd in ihren Garagen verstecken. Das Ziel ist hoch gesteckt, auch für die selbstbewussten Ingolstädter. Früher konnte man stolz sein, als ungebetener Dritter am Tisch der Oberklasse zu sitzen. Damals war es frech und kernig überhaupt in der Edelrunde dabei zu sein. In Zukunft wird allein die Platzierung zählen. Und im Moment ist der A8 auf dem dritten Platz von drei Teilnehmern. Er fährt also Siebener und S-Klasse hinterher. Das soll und muss dieser Audi ändern.

Bescheidenheit ist keine Zier

Dieses Ziel will der neue A8 nicht mit Bescheidenheit erreichen. Sein Anspruch wurde ihm in die Aluminiumhaut geschnitten. Der Vorgänger war – bis auf den Audi-Rachen – zurückhaltend und fließend geformt. Der neue spricht eine andere Sprache. 5.14 Meter Länge ist eine Ansage. Sie richtet sich nicht an die deutschen "weniger ist mehr"-Propheten. Nach vorne blinken die A8-Scheinwerfer wie ein irrer Hund, so aggressiv brechen sich die LED-Linien und Kreise. Diese Kreation ist zumindest tunersicher, viel wilder geht es nicht. Dazu kommt eine neue Freude an harten Kanten. Wuchtig treffen sie am Heck aufeinander, massiv stellen sie die Radläufe aus. In dem vorgestellten Modell verliert sich ihre Kraft noch in der unglaublichen Länge – aber in diesem A8 schlummert schon der S8. Das Sportmodell wird das Linienspiel erst entfesseln.

Audi A8

Zurückhaltung sieht anders aus

Spaß für Fingerschreiber

Bei Endpreisen um 100.000 Euro herum, will der Mann auch etwas zum Spielen haben. Im A8 kann man hemmungslos zuschlagen. Eine exzellente Stereoanlage von 1400 Watt – also mit der Kraft eines tüchtigen Heizlüfters – verwandelt den Innenraum in einen wandelnden Konzertsaal. Sitze verwöhnen mit tausend Verstellbarkeiten und Massagefunktionen. Nirgendwo auf der Welt kann man besser sitzen als in diesen großen Limousinen. Kein Sessel- oder Sofahersteller treibt derartigen Aufwand für standesgemäßes Gestühl. Ein großes Plus auch in diesem Audi ist die enthobene Mühelosigkeit der Fortbewegung – auch dank des extra Paktes mit besonders Geräusche dämmenden Scheiben – kein Platz ist besser für ein Nickerchen geeignet als der Beifahrersitz im großen Audi. Und hinten sitzt es sich vorstandgerecht – auch ohne die besondere Langversion. So ein A8 hat eben echte Doomsday-Qualität, wenn draußen die ganze Welt in Stücke bricht, darf man drinnen nicht mal ein Ruckeln bemerken.

In der Wunschliste der Extras ist manches einzig, anderes wie ein Head-Up-Display vermisst man. Manche Innovation ist durchaus verbesserungswürdig. Mit einer Nachtsichtkamera will Audi unbeleuchteten Fußgängern und schlechter Sicht entkommen. Aber hier – wie bei der Konkurrenz – muss der Blick dann abwechselnd Frontscheibe und Bildschirm abtasten. Noch einmal einen großen Schritt nach vorn hat die Bedienung des MMI-Systems getan. Nun kann man mit einem Finger während der Fahrt Buchstaben auf ein Touchpad malen und so Navigation und Telefon steuern. Das funktioniert ausgezeichnet und lenkt wesentlich weniger ab, als die Selektion der Buchstaben und Ziffern über das Drehrad.

Dem Dampfer einheizen

Dieses alles beherrscht die große Audi-Limousine – dazu die Perfektion in Verarbeitung und Materialwahl. Die große Reise mit der Limousine ist die souveränste aber nicht die aufregendste Art von A nach B zu kommen. Mehr ein Traum der gepflegten Langeweile. Aus unverständlichen Gründen präsentieren alle Hersteller ihre Luxuslimousinen dennoch als junvenile Fahrspaßmaschinen. So als hätte man beim A8 einen RS4 in der Komfortversion vor sich stehen. Und richtig, wer will, kann dem Flugzeugträger mit vier Rädern mächtig Dampf machen. Die serienmäßige Luftfederung des A8 lässt sich ziemlich robust einstellen. Entweder mit dem bärenstarken 4.2-Liter-Dieselaggergat oder etwas sportlicher mit dem 4.2-Liter-Benziner gibt es dann auch genügend Leistung um ein Gewicht von etwa 2 Tonnen leichtfüßig über den Asphalt zu scheuchen. Allrad sei Dank bekommt man die bereitgestellte Kraft mit beiden Motoren auf den Boden und falls es einmal nicht klappt, wird der A8 elegant, aber doch sehr rigoros und entschieden wieder eingeregelt. Vom Gefühl macht der Benziner dann doch die größere Freude. Trotz der Geräuschdämmung dringt bei Vollgas ein kerniger Sound in den Innenraum und es ist ein Spaß wie der große Audi auf dem Drehzahlband nach vorne eilt.

Perfekte Kurvenlage

Gut ausbalanciert geht der A8 durch scharfe Kurven, leistet sich nur minimale Unsicherheiten auch bei ungeschickten Abbremsmanövern. Was man auch anstellt, der Wagen lässt sich nicht dazu verleiten, so zu schlackern, dass der Herzschlag stockt. Wie von einem Audi mit Quattro zu erwarten, verteilt sich der Massendruck über die ganze Karosserie – in Folge lässt sich der A8 sehr gleichmäßig durch die Kurven bringen. Man spürt zwar die Masse des Geschoßes, doch trotz der Gewaltkur eilt der A8 elegant voran und bricht nicht wie ein Berserker durch die Serpentinen. Aber bei aller Kraft und allem Fleiß der Ingenieure: zur Emotionsmaschine wird der große Vorstandswagen nicht. Zu groß, zu gedämmt und auch zu perfekt eilt der A8 dahin. Am Ende eines wilden Kurvenritts auf der Testfahrt kommt ein Golf GTI entgegen. "Wow, mit dem jetzt dieses Strecke fahren", entfährt es da dem jungen Beifahrer. Tja, in der Oberklasse werden eben keine Rennsemmeln gebacken. Immerhin bleiben die Verbräuche durchaus im Rahmen Natürlich sind Achtzylinder keine verkappten Klimaretterchen, aber auch bei flotter Fahrweise sollte man mit dem Achtzylinder-Benziner auf lange Sicht im Alltag mit weniger als 12 Litern auskommen - auch mit laufender 1400 Watt Anlage. Zunächst gibt es den A8 nur mit Allradantrieb, ein Frontantriebler mit 204 PS und soll folgen – hier kündigt Audi einen genormten Durchschnittsverbrauch von sechs Litern auf 100 Kilometer an.

Audi A8

Perfekt, das Heck hat Spannung© Audi

Einer von Dreien

So ist der neue Audi A8 ein großes Fahrzeug, ein perfektes Fahrzeug, das sehr selbstbewusst vom Anspruch der Marke kündet. In wichtigen Exportmärken wird das markante Äußere helfen, Markanteile zu gewinnen. "Der A8 hat eine Überlegenheit, die sich nicht beweisen muss", sagt Audi-Vorstandschef Rupert Stadler. Aber auch wenn der A8 neu ist und betören kann, er vermag es nicht, auf einen Schlag die Konkurrenz zu deklassieren. Der Siebener ist nach wie vor die Fahrmaschine in der Oberklasse und auch die S-Klasse, die schon einige Jahre auf den Buckel hat, sieht nicht auf einmal ganz alt aus.

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
dreissigvau (09.02.2010, 17:42 Uhr)
Bin ja ein Audifan...
aber die Girlanden im Scheinwerfer gehen
gar nicht!
tomcat68 (09.02.2010, 11:42 Uhr)
langweiliges Design...
... mutlos!!! Dagegen ist der neue BMW 7er und die S-Klasse ein Augenschmaus. Was ist am A8 so innovativ? Ein vergrößerter A4. Mit dem Singlframegrill hat sich Audi ein Ei ins Nest gelegt, von dem sie nur durch Designermut weg kommen. Zum A8 kann ich nur sagen:
Im Westen (Ingolstadt) nix Neues!!!
Administrator (09.02.2010, 11:38 Uhr)
@ks1301
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Sie können gern Kritik üben - auch am Verfasser des Artikels - aber sachlich!
Mercedesfan (09.02.2010, 11:29 Uhr)
Warten...
...wir mal die Verkaufszahlen ab. Die S-Klasse bleibt vor BMW vorne und abgeschlagen landet irgendwo der Weihnachtsbaum für Besserverdienende
manta (08.02.2010, 23:27 Uhr)
tztztz
"Der Titan unter den Edelmarken"
Soll ich lachen ?!
Ich glaub ihr habt den mit der S-Klasse verwechselt.
Pwnzer (08.02.2010, 23:26 Uhr)
1400 Watt...
Da ich selbst mit ca 2,4kw an Hifi Setup im Auto unterwegs bin (echte, keine Ebay Watt) würde ich diese Anlage wirklich gern mal probehören... ob da mit Maximalmaßen um sich geworfen wird oder pure RMS Leistung.

Ansonsten eben genau, was man von Audi erwartet. EIn mächtiges, bildschönes Auto mit viel feiner Technik. Da wachsen Kinderträume. *outet sich als Audi Fan*

MfG
turbohempel (08.02.2010, 22:59 Uhr)
1400 Watt ??
Na, wenn die wirklich als Bass auf die Lautsprecher gehen, dann geht ja gleich die Drehzahl runter !
chatahootchee (08.02.2010, 22:33 Uhr)
NAJA, MAL LANGSAM
Die Bilder in der anderen Bilderserie haben mich nicht von meinem Sessel gerissen. Die Hinteransicht ist sogar langweilig.
Leberkaesbaron (08.02.2010, 22:33 Uhr)
ich weiss nicht ...
dieses überdimensionierte LED Gedöhns wirkt einfach prollig - wäre für mich ein Grund, das Fahrzeug nicht zu kaufen. Und weil Audi keinen Heckantrieb im Programm hat, muss man eben einen Allrad bauen - ein Fronttriebler würde bei den Drehmomenten nur noch mit den vorderen Hufen scharren. Auf den ersten Blick ansonsten gefällig, wird Audi auch diesmal nicht den Sprung auf Augenhöhe mit Benz und BMW schaffen.
bundeskanzler1 (08.02.2010, 21:07 Uhr)
Mittelklasse
Es ist wie die Geschichte mit dem Hasen und dem Igel: Wenn Audi mal wieder alles von BMW abgekupfert hat, stellt BMW zeitgleich die nächste Generation vor. Der A8 zeigt den Willen in die Premium Klasse aufzusteigen, leider fehlt Ihm das Potential, der A8 kommt zwar nahe an den 7er ran, um Ihn zu überholen, müsste Audi mal wirklich eine neue Innovation bringen...
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