Der Ritt auf der Cobra

18. August 2006, 09:44 Uhr

In Europa bietet Ford derzeit kaum mehr als müde Hausmannskost. In Amerika aber sieht das ganz anders aus: Das Prunkstück dort ist der Ford Mustang Shelby - eine 500 PS starke Legende von Morgen.

Beim Mustang Shelby denkt jeder an Steve McQueen und den 350 PS starken Boliden, in dem er 1968 über die Leinwand fegte. Seit ein paar Wochen ist nun der Nachfolger auf dem Markt - in den USA. In Deutschland ist der Shelby nur bei Importspezialisten wie US Cars24 zu bekommen.

Dieter Thiel und sein Team mit Sitz in Wuppertal haben den ersten GT500 nach Deutschland geholt. "Der Ford Mustang läuft bei uns seit über zwei Jahren exzellent", sagt Thiel nicht ohne Stolz: "Wir sind in Deutschland die ersten, die nun auch den Mustang Shelby anbieten." Mustang und Shelby - das heißt jede Menge Erinnerungen. Und Kraft im Überfluss.

Die blaue Ford-Pflaume braucht man auf der schnittig schwarzen Karosserie gar nicht erst zu suchen. Auf dem dunklen Gitterkühlergrill thront statt dessen eine züngelnde Kobra, gleiches auf den vorderen Kotflügeln. Eine Augenweide sind die breiten Walzen und die wuchtige Motorhaube. Keine Frage - das ist kein gewöhnlicher Mustang.

Rennsportlegende Caroll Shelby hat dem amerikanischen Kraftprotz seinen Namen gegeben. Die SVT-Leute von Ford hauchten ihm jene Gene ein, die Autofans schwindlig werden lassen: Der 5,4 Liter große Achtzylinder des Mustang Shelby wird über einen Kompressor bereits bei niederen Drehzahlen zwangsbeatmet. So zerren 368 kW/500 PS und bis zu 650 Nm wild an der Hinterachse - und lassen den Fahrer spüren, was passiert, kreuzt man einen wilden Mustang und eine Kobra.

Die Schlupfregelung ausgeschaltet - und der mehr als 1,8 Tonnen schwere Mustang donnert los. Der Pilot sollte Herr seiner Sinne sein - und sich nicht nur in der Fahrschule mit ausbrechenden Hecks und einem festen Griff am Steuer befasst haben. Shelbys Mustang will zugeritten werden. Die kernige Sechsgang-Handschaltung verlangt nach einer geübten Hand und präziser Führung. Hilfestellung gibt ein orangefarbener Pfeil, der die einzelnen Schaltpunkte signalisiert.

Blasemann am Werk

Bereits bei geringen Drehzahlen von unter 2.500 Touren setzt der Kompressor ein und katapultiert den Hecktriebler voran. Die 285er Reifen am Heck und einer 3,31:1-Übersetzung sorgen dafür, dass man sich im Spurt vor keinem Porsche oder Maserati verstecken muss. 0 auf 100 km/h in deutlich unter fünf Sekunden - das ist immer drin. Die Tachoskala endet bei 260 km/h - und muss ein Irrtum sein. Denn 500 PS und 650 Nm versprechen noch ganz anderes. Je nach Getriebe sollten denn auch trotz der kantigen Aerodynamik locker mehr als 280 km/h zu schaffen sein.

Allein der Dauerregen verhindert die Probe aufs Exempel. Doch wer die ersten Gasstöße gesetzt hat, hat keinen Zweifel am Potenzial des Vollblut-Amis. Schon Sound und Design versetzen die Umgebung in helle Aufregung. Unser Modell ist tiefschwarz und hat den obligatorischen weißen Doppelstreifen. So muss ein Shelby aussehen - dann ist der Applaus von allen Seiten gewiss.

Ewige Technik

Mächtige 18-Zöller stehen satt in den Radhäuser und wirken doch so verloren, dass die Tunergilde sicher noch zwei Zoll drauflegen wird. An Seite und Heck glänzen Logos und Schriftzüge mit dem Hinweis auf Caroll Shelby und seinen GT500. Das Aussehen ist ein Genuss für die Augen - immer wieder geht man um den Shelby herum und genießt den coolen Retro-Look, der sich mit den modernen Stylingelementen paart. Das Heck ist höher als mancher Sportwagen und die mächtigen knallroten Leuchten zeigen, wenn die Hochleistungsbremsanlage von Brembo zupackt.

Ford und Mustang - das heißt bewährte, wenn nicht gar betagte Technik. Der Langhuber sieht beim Öffnen der Motorhaube einfach schon klasse aus. Mächtig liegt er über der Vorderachse. Die Gewichtsverteilung von 57:43 Prozent selbst spürt man nur bei schnellen Lastwechseln. Dann wird das Heck leicht - und leicht bockig.

Rumpelachse

Das liegt insbesondere an der Starrachsen-Konstruktion, die in Europa längst eher im Museum als auf der Straße zu finden ist. Aber die Amerikaner schrecken nun mal vor nichts zurück. So muss sie - leicht modifiziert - satte 500 Pferde auf die Straße bringen. Bei Regen freut man sich zumindest über die serienmäßige Anti-Schlupf-Regelung. ESP ist ebenso wenig zu haben wie Xenonlicht und Kopfairbags.

Der Innenraum überrascht mit einer gelungenen Verarbeitung. Klar, an einem Audi oder einem BMW lässt sich der Mustang kaum messen. Doch man vermisst - abgesehen vielleicht vom Navigationssystem - nichts wirklich Wichtiges. Die elektrischen Ledersitze passen gut. Allein das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad verhindert die perfekte Sitzposition.

Überraschender Verbrauch

Die Instrumente mit ihren sechs Runduhren erinnern an die gute alte Zeit, als Kraftstoff noch zu Dumpingpreisen floss. Apropos - der Mustang soll sich im Drittelmix zwischen 14 und 17 Litern auf 100 Kilometer genehmigen. Angesichts von 500 PS wäre das durchaus annehmbar.

Das straffe Fahrwerk zeigt gerade europäische Tugenden. Die Lenkung ist extrem direkt, die Bremse bissig und die Federung für einen Sportwagen nicht unkomfortabel.

Wer sich für einen Mustang interessiert, der wird den Shelby lieben. Er ist eine Kanonkugel auf Rädern, die von geübter Hand im Zaum gehalten werden will und von endlos langen Landstraßen gar nicht genug bekommt. Sein Spaßpotenzial ist in dieser Klasse wohl unerreicht.

Nur über Listenpreis

Das mit dem "unerreicht" gilt allerdings auch für den Preis. Zumindest in Deutschland. In den USA wird der Mustang Shelby GT500 ab sensationellen 42.975 Euro angeboten - zumindest offiziell. "Der Wagen wird in den USA derzeit rund 20.000 Dollar über Liste gehandelt", relativiert Dieter Thiel den virtuellen Schnäppchenpreis. "In entsprechender Ausstattung mit Transport, Zoll und entsprechender Umrüstung bieten wir den Wagen ab 72.000 Euro an."

In Preis und Leistung kann da allenfalls noch eine Corvette mithalten. Auch die bietet Historie - aber eben nicht den Namen Caroll Shelby. Für die ganz Mutigen gibt es vom Shelby sogar eine Cabrioversion. Doch für echte McQueen-Fans wird ein Mustang Shelby immer ein Coupé bleiben.

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