Big in America

15. Januar 2013, 02:43 Uhr

Der amerikanische Automarkt lebt wieder - und die deutschen Hersteller haben daran einen beträchtlichen Anteil. Je exklusiver - je deutscher.

beträchtlichen Anteil. Je exklusiver - je deutscher.Der Morgen erhebt sich über Downtown Detroit und die Sonne lacht. Noch am Vortag hatte es in Strömen geregnet. Die Stimmung in der amerikanischen Autoindustrie präsentiert nach schweren Jahren zum Dekadenwechsel besser denn je. Kein Wunder, dass das Wetter zum Auftakt der North American International Autoshow 2013 (NAIAS) mitspielt und selbst die seit Jahrzehnten schwer angeschlagene Motorcity Detroit heute in einem guten Licht dastehen lässt. Zuletzt stiegen die Verkäufe im Jahr 2012 auf 14,5 Millionen Fahrzeuge. 1,27 Millionen Fahrzeuge (920.000 PKW) davon stammen von deutschen Herstellern. Gerade den Premiummarken geht es im Land der unbegrenzten Automöglichkeiten aktuell besser denn je. VDA-Präsident Matthias Wissmann: "Angesichts der Modelloffensive, die unsere Mitgliedsunternehmen in Detroit zeigen, spricht alles dafür, dass wir auch im achten Jahr in Folge in Nordamerika zulegen werden."

BMW, Mercedes und Audi strahlen ebenso wie Porsche und auch Volkswagen kann auf eine gelungene Umsetzung seiner USA-Strategie der letzten Jahre zurückblicken. Kein Wunder, dass die Vorstände aus dem winterlichen Deutschland gerne ins ähnlich temperierte Detroit kommen, um hier den Einstieg in ein neues Autojahr 2013 zu feiern. Das geht nicht nur mit erfolgreichen Absatzzahlen, sondern auch mit neuen Produkten. Hier lässt sich in Detroit keiner lumpen. Am meisten hält sich noch Porsche mit seinem Cayenne Turbo S zurück. Der bietet einen leichten Leistungsnachschlag zum alles andere als schwächlichen Standard-Turbo im Cayenne; doch das war es dann auch. Gleichen nebenan schreckt Volkswagen insbesondere die asiatische und amerikanische die Konkurrenz. Der VW CrossBlue dürfte der real gewordene Traum vieler Amerikaner sein. Denn der fast fünf Meter lange Crossover ist die Studie eines preiswerten Siebensitzers für die nord- und südamerikanischen Märkte. Der aktuelle Tiguan ist vielen Kunden zu klein und seine Produktion zu teuer. Da kommt - nach Vorbild der US-Versionen von Jetta und Passat - ein Crossover mit viel bezahlbarem Platz für die so genannten Soccer-Mums gerade Recht. Nach Deutschland wird der US-Tiguan XXL es nicht schaffen, aber den VW-Absatz um bis zu 120.000 Fahrzeuge für den gesamten NAFTA-Markt steigern.

Audi und BMW begegnen sich in Detroit auf Augenhöhe mit leichten Vorteilen für die Münchner. PS-protzige Stars sind Audi RS7 und BMW M6 Gran Coupé. Jeweils mit doppelter Turbopower und 560 PS gehen sie gerade in den USA auf Kundenfang. Beide sind elegant, schnell, exklusiv und teuer. Vorteil Audi: Während der Audi RS7 artgerecht als Allradler angeboten wird, kann sich BMW nicht durchringen, üppige Motorleistungen seiner M-Versionen per xDrive zu transferieren. Mal sehen, wie lange BMW sich das noch erlauben kann. Gerade der US-Markt liebt Allradler - je stärker umso besser. Das hat sich auch bei Mercedes herumgesprochen und das AMG-Modell der überarbeiteten E-Klasse ist daher ab sofort nebst einer Leistungsspritze auf 585 PS als Allradler zu bekommen. Andere AMG-Modelle mit 4x4-Power ziehen nach. Mit der überarbeiteten E-Klasse will Mercedes selbstbewusst ins Jahr 2013 starten. Die neue E-Klasse wurde optisch deutlich modifiziert, um BMW 5er und A6 hinterher zu eilen, die den Markt zuletzt im Griff hatten.

Die deutschen Hersteller können sich im PKW-Bereich in den USA über eine Steigerung der Verkaufszahlen um 22 Prozent freuen. Nach einer Studie der Beratungsfirma PwC erreichen die deutschen Hersteller im amerikanischen Premium-Segment mittlerweile einen Marktanteil von über 55 Prozent. "Das Premium-Segment ist in den entscheidenden Märkten der Welt immer mehr eine Domäne der deutschen Automobilhersteller. Deutschlands Autobauer punkten sowohl in Europa und Asien als auch in den USA mit ihren Premium-Produkten. Es zahlt sich aus, dass die deutsche Automobilindustrie konsequent auf Innovationen setzt, um ihre Kunden zu begeistern und neue Kundengruppen zu erschließen", erläutert Felix Kuhnert, Leiter des Autobereichs bei PwC in Deutschland und Europa. VDA-Präsident Matthias Wissmann ergänzt: "Mehr als jeder achte Pkw, der 2012 in den USA neu verkauft wurde, trägt ein deutsches Markenzeichen. Im Light-Truck-Segment haben die deutschen Hersteller im vergangenen Jahr ihren Absatz um über 19 Prozent auf 345.000 Einheiten kräftig gesteigert. Ihr Wachstum war damit mehr als doppelt so hoch wie das des gesamten Light-Truck-Marktes, der um gut 8 Prozent auf 7,2 Mio. Einheiten zulegte."

Doch sowohl BMW als auch Mercedes haben in Detroit noch mehr im Köcher. Die lokale Schönheitskonkurrenz geht an die seriennahe Konzeptstudie des BMW 4ers, der mit neuer Nomenklatur als Nachfolger von BMW 3er Coupé und 3er Cabrio mehr Geld in die prall gefüllten bayrischen Geldsäckel bringen dürfte. Mercedes zeigt am Rande der NAIAS den neuen CLA, der als kleiner Coupébruder des erfolgreichen CLS jedoch besonders einem Auto Kopfschmerzen bereiten dürfte: dem hauseigenen Brudermodell Mercedes C-Klasse, die weniger Styling, aber ähnliche Dimensionen bietet. Deutlicher wird die Unterscheidung zwischen beiden Modelle wohl erst 2014, wenn die nächste Generation der C-Klasse auf den Markt kommt. Der CLA ist dagegen der nächste Schritt in der Frontantriebsstrategie. Nach A- und B-Klasse sowie eben dem neuen Mercedes CLA werden weitere Modelle, unter anderem ein Crossover und ein Shooting Brake auf Basis des CLA, folgen.

Die Nachfrage nach PKW-Dieselmodellen in den USA steigt weiterhin; doch wirklich zufrieden ist mit den Verkäufen niemand, denn viele sind durch hohe Rabatte teuer erkauft. Matthias Wissmann: "Gegenüber dem Jahr 2009 haben die deutschen Hersteller ihren Diesel-Pkw-Absatz in den Vereinigten Staaten mit 77.300 Fahrzeugen mehr als verdoppelt." Doch angesichts von 14,5 Millionen Fahrzeugen ist der Anteil winzig; der Ertrag sowieso.

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