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15. August 2008, 11:00 Uhr
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Mobil auch ohne Atomkraft

Wir brauchen Atomkraftwerke, wenn die Pkw elektrisch angetrieben werden. Das sagen die Lobbyisten, aber es stimmt nicht. In Wirklichkeit verbraucht der Verkehr weit weniger Energie, als man zuerst glaubt. Von Christoph M. Schwarzer

Elektroantrieb muß keine Spaßbremse sein: der Fisker Karma© Charlie Cortez/EPA

Wir sollten über Atomkraft neu nachdenken", sagt VW-Chef Martin Winterkorn. Weil der Strom für Elektroautos zwar aus der Steckdose kommt, aber im Kraftwerk produziert werden muss. Und schon kommen die Lobbyisten und rufen nach dem Atomkraftwerk als Energiequelle für die leisen Stromer. Eine Provokation für alle Ökologie- und Ökonomiebewegten, die im vollelektrischen Fahren zuerst eine vor Ort emissionsfreie und effiziente Form des Fahrens sehen. Und ein Unsinn, wenn man den aktuellen Rechenmodellen zum Mehrverbrauch durch Elektroautos glauben darf.

IFEU: Nur 0,3 Prozent Mehrverbrauch

Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (IFEU) hat errechnet, dass eine Million im typischen Berufspendelverkehr eingesetzte Kleinwagen mit 10.000 Kilometer Jahreslaufleistung den Bruttostromverbrauch in Deutschland nur um 0,3 Prozent ansteigen lassen würden. Ein vernachlässigbar geringer Wert. Hier wende Kritiker ein, dass statt einer immerhin 46 Millionen Autos beim Kraftfahrtbundesamt gemeldet sind. Richtig, aber 10 Millionen Fahrzeuge entsprächen dann einem Anstieg von 3 Prozent. Für diesen Gesamtbestand hat Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie ein Zukunftsszenario erarbeitet.

Langsamer Übergang wahrscheinlich

Engel geht nicht davon aus, dass es einen radikalen, schnittartigen Übergang zum reinen elektrischen Fahren gibt. Dagegen spricht schon die lange Lebensdauer der Fahrzeuge. Ein Benziner, der heute zugelassen wird, zieht noch in 15 Jahren seine Bahn. Außer, der Benzinpreis würde seinen Betrieb unmöglich machen. Aber selbst nach erfolgtem Flottenwechsel, glaubt Tomi Engel nicht ans reine Elektromobil. Vielmehr sieht sein Modell den alleinigen Elektromotor für ein knappes Viertel oder gut zehn Millionen Fahrzeuge als Antrieb, nämlich bei Zweit-, Klein- und Pendlerautos. Für das Gros aller Wagen (64 Prozent) glaubt er an Plug-In-Hybride, also eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor, wie sie jetzt schon vom Toyota Prius bekannt ist. Allerdings mit der Zusatzmöglichkeit, die Batterie im öffentlichen Stromnetz aufzuladen. Und für die Oberklasse, die weiterhin vor allem geschäftlich genutzt werden wird, prognostiziert Engel eine Bestandgröße von 13 Prozent, deren Spritdurst weiter vor allem durch Diesel und Benzin gestillt und deutlich unter dem heutigen liegen wird.

"Keine signifikante Auswirkung"

Als Ergebnis seiner Studie sieht Tomi Engel "keine signifikante Auswirkung auf den Stromverbrauch". Präzise: bei 40 Millionen teil- oder vollelektrisch fahrenden Pkw rechnet er mit nur zehn Prozent Mehrstrombedarf bei gleichzeitiger Halbierung des Erdölverbrauchs im Pkw-Sektor. Diese zehn Prozent entsprechen 60 Terrawattstunden (TWh) oder 60 Milliarden Kilowattstunden. Zum Vergleich: Die Stadt Hamburg mit 1,7 Millionen Einwohnern, ihren Haushalten, der Industrie und dem Hafen verbraucht laut Vattenfall 13 TWh im Jahr. Und das geplante Steinkohlekraftwerk Moorburg soll 11,5 TWh produzieren, was in etwa auf dem Niveau des Kernkraftwerks Krümmel liegt – 10 TWh, wenn es denn funktioniert. Sechs Großkraftwerke wären demnach nötig, um den Pkw-Verkehr bundesweit zu elektrifizieren. Das Szenario von Tomi Engel rechnet dabei nicht mit irgendeiner Zukunftstechnik, die erst noch erfunden werden muss. Die Technik gibt es bereits, wenn auch nicht in Großserie und im Verkaufsraum. Interessant auch: Es ist kein Verzichtsszenario. Grundlegende Veränderungen im Verkehrsverhalten – nur noch mit der Bahn, keine Fernpendler etc. – werden nicht unterstellt.

Vorsicht vor zuviel Optimismus

Das Magazin Spiegel ging kürzlich noch einen Schritt weiter: Nur 16 Prozent des aktuellen Strommixes wären erforderlich, wenn alle Autos elektrisch führen. So viel produzieren ungefähr sämtliche erneuerbare Energien in Deutschland zusammen. Eine Rechnung, die mit großer Vorsicht zu genießen ist. Nicht nur, weil ähnlich optimistische Szenarien noch vor kurzem analog beim Biosprit durchgespielt wurden - wie viel Prozent der Ackerfläche würden gebraucht, um alle Autos mit Pflanzenkraftstoff zu befeuern, lautete die gern gestellte Frage.

Stromzähler im Auto

Der Preisnachteil der ersten Generation der Elektroautos könnte durch staatliche Förderungen ausgeglichen werden. stern.de hat darum beim Bundesumweltministerium (BMU) und beim Bundesfinanzministerium (BMF) nachgefragt, wie eine Kfz-Steuer bei den E-Mobilen aussehen könnte. Offiziell gibt es dazu noch keine Pläne. Inoffiziell hat aber das oben genannte IFEU, dass auch beratend für das BMU tätig ist, einen Vorschlag: Plug-In-Fahrzeuge sollten einen internen Stromzähler haben. Eine Steuer sollte dann komplett entfallen, wenn der Strom nachweisbar aus zusätzlich geschaffenen, erneuerbaren Quellen kommt.

Die Knappheit fossiler Ressourcen könnten für das Elektroauto ein Katalysator der Evolution sein. Eine Gesellschaft, in der schnelle Elektroautos mit gutem Design als schick und trendy gelten, würde die Entwicklung ebenso beschleunigen. Den Tod des Verbrennungsmotors bedeutet das trotzdem noch lange nicht. Im Schwerlastverkehr wird ein 40-Tonner, der heute knapp 30 Liter Diesel schluckt, lange unschlagbar sein.

Von Christoph M. Schwarzer
KOMMENTARE (10 von 15)
 
lemant (17.08.2008, 12:59 Uhr)
@isenbär: Sie haben offenbar
weder ein Auto (mit Akku), noch einen Laptop noch ein Handy.
Das ist schön für Sie, aber dann können Sie leider hier nicht mitreden, denn dann können Sie nicht wissen, dass im Auto, Laptop oder Handy der Akku nur eine recht kurze Zeit speichert.
dann ist es auch sinnlos, Ihnen zu erklären, dass ein Akku nicht ein "leerer Eimer" ist, sondern ein sehr energieaufwändig hergestelltes Hightec-Produkt, dass nur begrenzte Zeit funktioniert.
Aber zumindest theoretisch könnten Sie sich informieren - unter google gibt es jede Menge Infos zur Zahl der Ladezyklen bei Akkus,
und die sind doch sehr anders, als Ihre naiven Träume.
Skarrin (17.08.2008, 00:26 Uhr)
@lemant
Behaupten kann man viel (vor allem wenn man sich bei zeit.de "lef" nennt), nur beweisen muß man es dann auch können.
Akkus sind spottbillig, wenn sie in großen Stückzahlen produziert werden, etwa die auch im Tesla Roadster verwendeten 18650er LiCo-Zellen, von denen die großen asiatischen Hersteller ca. 250 Millionen Stück PRO MONAT für Notebooks herstellen. Preis für 3000 Stück inkl. Fracht direkt aus Taiwan: 0,80€/Stück.
Teuer sind nur die bisher nur in kleinen Stückzahlen produzierten ZEBRA-Akkus und LiFePo4-/LiMn-Zellen hoher Kapazität, aber da fallen die Preise auch so langsam: "economies of scale", nichts weiter.
Die absurde Ideologie von den Akkus als angeblichen Energieverschwendern läßt sich leicht durchschauen, wenn man sich klarmacht dass Akkus nichts weiter Behälter für Energie sind, so wie ein Wassereimer für Wasser, ein Becher für Joghurt oder eine Flasche für Wein. Keiner dieser Behälter wird jemals aktiv irgendwelche Energie sparen oder erwirtschaften - weswegen man sie als fürchterliche Energieverschwender sofort verbieten sollte ;-)
lemant (16.08.2008, 17:08 Uhr)
@eisenbär
Tut mir leid, aber ich "glaube" nicht und "Hoffen" habe ich auch in den letzten Jahrzehnten verlernt.
Ich möchte gern Beweise -- z.B. dafür, dass der Akku des neuen "Tesla" mehr als 1000 mal geladen werden kann, ohne signifikant am Ende zu sein.
Beim Tesla können Sie leicht ausrechnen:
Der Akku kostet 13300 Euro, hat 53 KWh Kapazität, und bei 1000 mal laden kostet jede KWh ungefähr 25 ct/KWh nur für den Akku. (Strom kostet extra).
Wie gesagt: WENN die Fa. Tesla nachweist, dass der jetzt verkaufte Akku mehr als 1000 Ladungen übersteht (bis 80%), würde ich es gern wissen.
WO nachzulesen???
Eisenbaer (16.08.2008, 14:31 Uhr)
@lemant
Eben nicht. Genau davon handelt doch der Artikel. Lithium-Ionen-Akkus bekommen demnächst eine weitaus höhere Energiedichte. Die Theorie ist entwickelt, die ersten Forschungsakkus liefern zurzeit beste Ergebnisse. Aber es muss noch ein Verfahren entwickelt werden, diese Akkus in Großserie zu einem "vernüftigen" Preis herstellen zu können. Und können dann die Akkus gebaut werden, muss noch die Software dazu entwickelt werden, die diese neuen Akkus sinngemäß in die Autoelektrik einbindet. Einfach formuliert.
lemant (16.08.2008, 13:22 Uhr)
Am Wichtigsten ist der Energiebedarf
für die Produktion der Akkumulatoren.
Möge mir bitte doch ein Mal Einer erklären, warum die Akkus so teuer sind - ich behaupte, fdass die so teuer sind, weil da sehr viel Energie in der Produktion aufgewandt wurde.
Geht man von den Kosten aus (angenommen, ein Akku könnte tatsächlich 1000 mal aufgeladen werrden, ehe er ausgetauscht werden muss), dann kostet es ungefähr 7 mal so viel Geld, eine KWh aufzuladen, wie der Strom selbst (ca. 30 ct/KWh).
Ich behaupte mal, dass es auch ungefähr 7 mal mehr Energie ist, die für die Akkuproduktion aufgewändet werden musste. Also ist jeder Elektroantrieb mit Akkus eine ungeheure Energieverschwendung!
Wie geaagt: Ich glaube gern, dass es anders ist, aber das sollte mir mal Jemand beweisen.
Bei dem ungeheuren Aufwand für diese ganze Geschichte sollte doch Irgendwer mal genauer prüfen, bevor das Geld (=die Energie) verschwendet wird!
ganzbaf (15.08.2008, 17:42 Uhr)
O Jessas...

wie phantasielos.
In London gibt es bereits massenhaft Elektro-Zapdfsäulen an ganz normalen Parkplätzen.
.
Sehen aus wie Parkuhren mit 2 Meter Spiralkabel darn, gezahlt wird per Karte.
bernie-abg (15.08.2008, 12:00 Uhr)
Gerade Laternenparken...
...ist doch optimal. Steckdose an die Laterne und nächtens aufladen.
Eisenbaer (15.08.2008, 11:51 Uhr)
@whismerh2
Die Versorgung mit Strom ist Teil der Logistik, deren Fehlen ich bereits bemängelte.

Desweiteren werden solche Szenarien angedacht, wie Autos mit reinem Verbrennungsmotorantrieb ganz aus den Innenstädten zu verbannen. Will wer in einem sagen wir mal 15 Kilometerradius "um den Dom herum" fahren, dann nur mit reinem E-Antrieb. Für die Parkplatzbevorhaltung könnte das wahre Wunder bewirken. Außerdem würde die gute alte Garagenvermietung am Stadtrand, wie in den 50´er Jahren noch üblich, fröhliche Urständ feiern.
whismerh2 (15.08.2008, 11:43 Uhr)
@eisenbär
Ich finde die Idee E-Auto richtig gut
aber ob 230 V oder 380 V, ich denke das erste ist erst einmal, wo ist die scheiß Steckdose ???
Also in Städten wie Ffm, mit der Parkplatzsituation, miete ich mir schon einmal einen Raum für die Unmengen von Kabeltrommmeln und Verlängerungen die ich benötigen werde umn meine Karre
mit meiner Steckdose in der Bunde verbinden zu können. Da können je nach Parkplatzsuchenglück, schon ein paar meter zusammen kommen. ;-))
Eisenbaer (15.08.2008, 11:42 Uhr)
@kfpdm
Selber ein Scherzbold, hm? Bereits 1907 führte die KPEV Akkutriebwagen "Bauart Wittfeld" in großem Umfang ein, die tatsächlich über Nacht und ganz ohne Atomstrom wieder aufgeladen wurden. Und genau darum geht es: nicht um Atomstrom oder Stromerzeugung aus der Solarenergie. Die vorhandenen konventionellen Kraftwerke reichen zur Versorgung vollkommen aus. Zumal bei dem angedachten Modell: Aufgeladen werden soll nachts, fernab der Verbrauchsspitzen der Kraftwerke. Also dann wenn die Grundlast der Kraftwerke heute drastisch zurückgefahren werden muss, was gar nicht so einfach ist, nebenbei mal erwähnt. Hier werden offene Türen bei den Kraftwerksbetreibern eingerannt... ;-))
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