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22. Juni 2008, 07:52 Uhr

Sinnlich im Strom-Fluss

Angesichts hoher Benzinpreise sind Elektrofahrzeuge in aller Munde. Besonders Opel setzt auf die Elektrotechnik von morgen. Frank Weber, zuständig für das Elektroauto-Projekt Volt bei General Motors, über Zeitpläne, schwere Batterien, globale Märkte und die sinnliche Lust, elektrisch zu fahren.

Frank Weber neben dem Chevrolet Volt© Hersteller/press-inform

Herr Weber, wie sieht der Zeitplan für den Volt nun aus? Wann dürfen wir zum ersten Mal elektrisch fahren?

Unser Zeitplan ist relativ simpel. Seit Ende Mai sind die Komponenten, die bereits Produktionsstandard haben, in einen alten Chevrolet Malibu eingebaut und werden auf dem Prüffeld bewegt. Der reguläre Produktionsstart des Volt ist unter dem Chevrolet-Label auf Ende 2010 ausgerichtet. Wir haben jetzt die ersten fahrenden Prototypen mit dem Batteriepaket, den Elektromotoren und der Motorkonfiguration. Und auch das Thema Design ist bereits eingefroren. In der zweiten Hälfte 2008 werden wir Autos bekommen, die dann schon die endgültige Unterbodenstruktur und die Antriebskomponenten haben. 2009 folgen die ersten richtigen Prototypen. Die sehen dann auch schon weitgehend so aus, wie der Volt zum Start aussehen wird. Zwei Sommer, zwei Winter, dann geht das ganze in die Produktion.

Wann kommt das Auto nach Europa?

Wenn sie eine neue Technologie einführen, ist der Aufwand größer als sonst. Batterien, Händler, Werkstätten, Logistik - alles muss sich erst einmal darauf einstellen. Aber der Start in Europa wird zeitnah hinter dem US-Launch erfolgen. Auch Opel wird die Technik anbieten. Bis 2012, wie vielfach kolportiert, muss man sicher nicht warten.

Was darf man unter "zeitnah" verstehen?

"Zeitnah" heißt für uns: im ersten Jahr nach dem Produktionsstart.

Wie weit sind die Batterien?

Weber: Die Packs, die in den Volt eingebaut werden, sind die größten massengefertigten Lithium-Ionen-Batterien ihrer Art. Die Zellen haben in etwa die Größe eines halben DIN A4-Blatts und sind so weit fertig. Wir arbeiten in dem Bereich mit LG in Korea und A123Systems in den USA zusammen. Beide haben eigene Konzepte entwickelt und zum jetzigen Zeitpunkt können wir uns ohnehin nur noch für diejenige Chemie entscheiden, die sich in den Tests als die bessere zeigt. Die Aufgabe ist: Wie können Sie aus 250 und mehr Batteriezellen ein Paket schnüren, das robust ist und mindestens 200.000 Kilometer hält?

Die Wärmeentwicklung haben Sie im Griff? Oder fliegen uns die Batterien irgendwann um die Ohren, wie zum Beispiel bei Notebooks schon passiert?

Jede unserer Batterien ist flüssiggekühlt und wird per Software gesteuert. Sie kennen also zu jedem Zeitpunkt die Temperatur und den Ladezustand der Batterie. Zudem nutzen wir eine Zellenchemie, die grundsätzlich anders ist als die in einem Notebook-Akku. Dort wird Sauerstoff als chemische Komponente genutzt, was zu Problemen führen kann und wohl nicht die richtige Technologie ist, um sie auch in einem Auto zu nutzen. Wir benutzen zwei andere chemische Grundkonzepte, die wir im Moment gegeneinander abwägen. Die bessere Lösung bekommt den Zuschlag.

Wie dick sind die Batteriepakete geworden?

Die 16 Kilowattstunden, die wir brauchen, haben wir in einem Batteriepack untergebracht, das 180 kg wiegt und mit an die 30 Schrauben im Unterboden befestigt ist. Das Ganze ist damit ein Bestandteil der Karosseriestruktur.

Die Batterien als Teil der Karosserie?

Weber: Genau. Als wir das Geräuschverhalten des Autos simuliert haben, waren wir überrascht. Eigentlich ist ja alles ideal: Sie bekommen Gewicht in die Mitte, der Schwerpunkt rutscht genau da hin, wo sie ihn gerne haben möchten. Darüber haben wir uns schon gefreut - aber dann bei der Untersuchung der Biegesteifigkeit leider schnell festgestellt, dass die große Masse auch genau da liegt, wo die Eigenfrequenz am anfälligsten ist. Das Teil fing auf einmal an, in einem ganz tiefen Bereich zu schwingen. Das hat dazu geführt, dass das Batteriepaket nun aus struktureller und thermischer Sicht ein integraler Bestandteil des Autos ist.

Ganz schön viel Batterie. Wie weit kommt man mit einer Ladung?

Theoretisch können Sie die Batterie in nur 20 Minuten leeren - dann kommen sie mit Vollgas auf der Autobahn rund 60 Kilometer weit. Aber genau so schnell, wie sie die Batterie entladen können, lässt sie sich mit einem entsprechend starken Ladegerät auch wieder aufladen. Im Normalfall reichen eine Steckdose und drei Stunden Ladezeit. Abends einstecken - morgens losfahren.

60 Kilometer Reichweite ist nicht gerade üppig.

Wir reden ja weder über ein Hybrid- noch über ein reines Elektrofahrzeug. Wir reden über eine Kategorie dazwischen. Ich kann das nicht mal ins Deutsche übersetzen - bei uns läuft es unter "Extended Range Electric Vehicle". Das Grundprinzip: Ich begrenze von vorne herein meine elektrische Reichweite, hier also auf 64, 65 Kilometer. Für diese 60 Kilometer haben sie ja schon fast 200 Kilo Masse an Bord - rechnen Sie selbst aus, wie hoch die Zuladung wäre, um die Reichweite eines normalen Autos von vielleicht 400 Kilometer zu erreichen. Eine Tonne an Batterien - das ist unbezahlbar. Es gibt zumindest in den nächsten zehn Jahren keinen Energiespeicher, der für 500 Kilometer Reichweite langt. Wenn die Batterie entladen ist, gibt es ohnehin die Möglichkeit, mit einem eingebauten und ganz normalen Verbrennungsmotor als Generator elektrische Energie zu erzeugen.

Zur Person

Zur Person Schon als Kind reizte den gebürtigen Wiesbadener das Neue. Er komponierte kleine Jazzstücke, weil ihn die klassische Klavierstunde langweilte. "Ich folge nicht gern ausgetretenen Pfaden.", so der 41jährige Chefentwickler. Nach der Uni kam er 1991 zu Opel ins Rüsselsheimer Entwicklungszentrum. Im März 2007 wechselte "Mister Volt" dann zu General Motors, sein Team im GM-Entwicklungszentrum Warren (Michigan) zählt heute etwa 200 Ingenieure und 50 Designer.

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
hannes_schinder (23.06.2008, 10:14 Uhr)
Solarenergie? Wind oder Wasserkraft?
Wo soll der Strom herkommen?
Robbespierre (23.06.2008, 09:48 Uhr)
Superkondensatoren statt Batterien
Der Weg ist richtig, aber die Lösung wird wohl nicht in teuren, chemischen Batterien, sondern in Superkondensatoren liegen. Diese sind quasi verschleißfrei und ultraschnell aufzuladen (Blitzaufladung). Derzeit wird die Leistungsfähigkeit hochgeschraubt, möglich sind 60Wh/kg, das Unternehmen EEstor will Ende des Jahres Superkondensatoren mit über 340Wh/kg in Elektroautos der Firma ZENN verbauen. Damit kann die Reichweite für ein Elektroauto auf 250-500km erhöht werden. Bei allem Zweifel an der prognostizierten Marktreife für 2008 ist das für mich eher der Weg der Zukunft.
Hier der Link auf Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/
Doppelschicht-Kondensator
tricky_dude (23.06.2008, 07:56 Uhr)
Übergangslösung
Bis die Brennstoffzellen billig genug und entsprechende Tankstellennetze aufgebaut sind, finde ich das Prinzip des Volt genau richtig. Wenn keine Steckdose da ist, dann bleibt man nicht liegen, außer der Tank ist leer. :-)
gmathol (23.06.2008, 06:46 Uhr)
@nicki1970
Ich stimme Ihnen voll zu! Allerdings wuerde ich solange warten bis diese Fahrzeuge tatsaechlich auf dem "Markt" auftauchen.
Warum will Mercedes z. B. nicht wie die Japaner Brennstoffzellenfahrzeuge ausliefern? Stattdessen gibt es neue Studien von diesem Laden ueber den "Dieotto".
GM hatte 2003 ein Brennstoffzellenfahrzeug lieferfertig! Was ist hier passiert?
Trotz der finanziellen Schmerzen: hoffentlich bleiben die hohen Benzinpreise denn nur dann werden die neuen Technologien auch auf dem Markt auftauchen.
gmathol (23.06.2008, 06:34 Uhr)
Es wird nicht genuegend Elektro-Fahrzeuge geben!
Glaubt irgendjemand das die Oelkonzerne und die anhaengende Phlanax von Spekulanten uns von der Leine lassen?
Der Volt ist uebrigens keine Neuerfindung! Das gleiche Prinzip - exakt - wurde von Irmscher bereits so um 1993 im Corsa Selectra vorgestellt.
Der Verbrauch dieses Corsas lag bei 1.5 Liter/Stunde. Batterie Systeme sind teuer und schwer und auch nur kostspielig zu produzieren.
So kostet z. B. eine Erweiterungsbatterie fuer einen bekannten Hybrid ca. 6000 Euro! Lithium Batterien koennen etwa eine Haltbarkeit von 7-8 Jahren erreichen, d. h. aber auch das man nicht pausenlos Vollgas faehrt und damit die Batterien "aufgeheizt" werden.
corehead (22.06.2008, 19:36 Uhr)
Shai Agassi plant auch die E-Auto-Revolution
Wenn ich sein Konzept mit dem hier vorgestellten Volt kombiniere, sehe ich wirklich eine Chance für E-Autos. Denn solange das Problem mit dem aufladen nicht richtig gelöst ist, ist so ein Fahrzeug nur für Hausbesitzer interessant. Man stelle sich mal die Gehwege vor Mietshäusern vor, wo lauter Kabel aus den Fenstern hängen und zu den Autos führen. Hier kommt der Ansatz von Shai Agassi in Spiel, wobei ich weniger auf das Geschäftsmodell des Flatrate-Autos anspiele, sondern generell auf die Möglichkeit die Akkus an einer Tankstelle gegen frisch aufgeladene auszutauschen. Würde jetzt beispielsweise der Strom für dieses aufladen aus solar erzeugtem Wasserstoff generiert, wären Tankstellennetze weiterhin betreibbar und wichtig, und jeder könnte ein E-Fahrzeug fahren, weil man sich über das aufladen keine Gedanken mehr machen müsste. Mal abwarten was sich da noch tut, ich finde es sehr, sehr spannend.
tricky_dude (22.06.2008, 18:45 Uhr)
@Blacky007
Das machen bereits fast alle elektrischen Fahrzeuge, indem sie die Bremsenergie zurück ins Netz speisen. Also bei der U-Bahn/Straßenbahn zurück in die Leitung, beim Elektroauto zurück in die Batterie.
Während der Fahrt macht das keinen Sinn, da die erzeugte Energie durch den höheren Widerstand aufgezehrt wird. Aber man könnte seine Schwiegermutter auf der Ladefläche am Fahrraddymnamo strampeln lassen.....
Blacky007 (22.06.2008, 18:03 Uhr)
Dumme Frage
Bin nur ein BWL-Markeitng-Fuzzi und habe von Technik nicht ganz so viel Ahnung, aber vielleicht gibt es hier ja wen, der mich aufklären kann.
Könnte man Elektorautos nicht so bauen, dass sich die Batterien durch die Raddrehung wieder aufladen, ähnlich wie ein Fahrrad-Dynamo? Würde ja auch die Stromkosten enorm verringern.
Zwiebel68 (22.06.2008, 15:15 Uhr)
Verlagerung ?
Dass der nur 40g CO2 /km erzeugen soll, überrascht mich etwas, denn irgendwo muss die Energie ja herkommen, dazu noch über den Umweg des Akkus. Vielleicht weil Strom immernoch zum großen Teil mit Kernkraft (also CO2 frei, dafür mit anderen Risiken) erzeugt wird?
Durch Umweltzonen dürfte der auch brettern, die Schadstoffe werden ja anderswo erzeugt. Trotzdem, so ganz falsch ist der Ansatz nicht, aber ich denke, ein Elektroauto muss von vornherein als solches konzipiert sein, z.B. mit 4 Radnabenmotoren.
terrax (22.06.2008, 12:35 Uhr)
@screne
Dann bin ich auch lieber Kommunist als Sklave der Konzerne... Wie sollen wir als Volk uns denn noch gegen die mächtigen Konzerne wehren? Die wollen immer ihre 13-15% vom Anlagekaptial haben nur besitzen die Konzerne mitlerweile so viele Milliarden Euro, daß sie den Strompreis immer höher schrauben müssen, das sie auf ihre 13-15% Gewinn kommen für die Aktionäre. Das kanns irgendwo nicht mehr sein und das hat auch nichts mehr mit der ursprünglich Idee der erfundenen Marktwirtschaft zu tun. Ich bin ja für die Marktwirtschaft aber so geht`s auch nicht weiter!
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