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6. Dezember 2007, 17:03 Uhr

Nackt und mächtig

Alte Werber, die auf der Harley den Gucci-Rebellen mimen, gibt es wie Sand am Meer. Die XR 1200 soll wieder echte Kerle locken. Die Maschine im Naked Look besitzt Power und die Wurzeln kommen aus dem Dirt-Track. Von Peter Ilg

Die XR 1200 erinnert nicht nur optisch, sondern auch von ihrer Sportlichkeit an die XR 750© Harley-Davidson Motor Company

Stärker, schneller, billiger, diesem Trend folgten bislang die Hersteller der Maschinen. Mit Ausnahme der Kultmarke Harley Davidson. Bei einer Harley ging nicht um Leistung und Höchstgeschwindigkeit. Harley-Fahrer lieben eher die ruhigere Art der Fortbewegung und die Motorradkultur pur: schnörkellos und nackt. Kein Harley Fahrer würde auf die Idee kommen, die Schönheit seiner Maschine hinter einer Verkleidung zu verbergen. Weil der Markt nahezu gesättigt ist, vor allem im Herkunftsland der Harleys, bietet das Unternehmen im Frühjahr 2008 zum ersten Mal in der über 100-jährigen Firmengeschichte ein sportliches Motorrad an.

Auf der Intermot 2006 in Köln feierte die XR 1200 Weltpremiere, am 5. April 2008 wird sie bei den deutschen und österreichischen Vertragshändlern offiziell vorgestellt. Darauf wollen einige wohl nicht warten. "Obwohl es bislang nur Fotos von der Maschine gibt, haben sich bereits über 7000 Interessenten bei uns gemeldet, die von dem neuen Produkt begeistert sind", freut sich Bernhard Gneithing, Marketing Direktor der deutschen Niederlassung mit Sitz in Mörfelden bei Frankfurt am Main. Manche haben das Bike auch gleich bestellt, obwohl sie noch nie darauf gesessen haben, geschweige denn gefahren sind. So etwas lässt sich wohl nur mit dem Mythos Harley-Davidson erklären und der drückt sich insbesondere in einer Zahl aus: von allen jemals gebauten Maschinen sind heute noch 70 Prozent zugelassen. Harley Davidson ist Kult und hat Tradition. Man glaubt es kaum, auch auf der Rennstrecke.

Marketing Direktor der Harley-Davidson GmbH Bernhard Gneithing© Harley-Davidson Motor Company

Abstammung von der Dirt-Track-Queen

Die XR 1200 erinnert nicht nur optisch, sondern auch von ihrer Sportlichkeit an die XR 750. Dieses Modell wird auch als die Königin des Dirt Track bezeichnet. Anders als in der alten stehen in der neuen Welt von jeher sogenannte Dirt-Track-Rennen hoch in der Gunst der Zuschauer. In einem Oval flitzen die Drift-Akrobaten mit wahnsinniger Geschwindigkeit und in waghalsiger Schräglage über eine Piste aus Lehm oder Sand. Diese Rennen beherrscht die XR 750 von Harley Davidson ab den 1970er Jahren. Selbst wer heute siegen will, kommt um die schon zu Lebzeiten zur Legende gewordenen Maschine nicht herum. Angetrieben wird sie von einer Weiterentwicklung des Sportster Motors, verfügte aber im Renntrimm über 90 PS und bringt den Racer auf 210 Kilometer pro Stunde. Auch die XR 1200 hat exakt 90 PS und dürfte in etwa dieselbe Spitzengeschwindigkeit erreichen. Zudem ähnelt sie ihr optisch. Sie kostet 10.990 Euro und ist damit ein ausgesprochen günstiges Motorrad aus dem Hause Harley Davidson. Stark, schnell, billig. Diese Attribute halten nun auch in Milwaukee Einzug, wo die Wiege der Firma stand.

Stark wie nie zuvor

In den USA ist Harley-Davidson unangefochtener Marktführer bei den hubraumstarken Motorrädern. In Europa gilt dieser Status im Marktsegment der Chopper und Cruiser. "Weil die Motor Company ein weiteres gesundes Wachstum anstrebt, ist es sinnvoll, auch in erfolgsversprechende Segmente einzusteigen, in denen die Marke bislang nicht vertreten war", begründet Gneithing die sportlichste aller Harley-Modelle. Ein besonders vielversprechendes Segment ist seiner Meinung nach das der Naked Bikes. So machte sich ein europäisches Marketing-Team Gedanken über die Marktchancen des Unternehmens in neuen Segmenten sowie das Anforderungsprofil für künftige Fahrzeuge. Die Wünsche der Europäer nach Fahrdynamik auf kurvenreichen Landstraßen lieferte den Ingenieuren in den USA Input für ihre Entwicklungsarbeit. Heraus kam die XR 1200, die in Europa, Afrika und dem Nahen Osten angeboten wird. Auf dem amerikanischen Markt scheint sie kein Absatzpotential zu haben. Wie auch? Schließlich gibt es in den USA kaum kurvenreiche Landstraßen, auf denen sie ihre Stärken ausspielen kann. Dafür haben die Amerikaner aber ihre Dirt-Tracks und schauen der Königin zu, wie sie weiterhin Rennen um Rennen gewinnt. Hauptsache Harley Davidson eben!

Von Peter Ilg
 
 
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