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4. August 2010, 15:39 Uhr

Bloß nicht auffallen

Die Deutschen lieben ihre Wagen, solange sie grau und schwarz lackiert worden sind. Auf bunte Farben steht der deutsche Autokäufer gar nicht. Immerhin konnte sich "Weiß" auf Platz drei der Zulassungsstatistik schieben.

Autofarben, Zulassung, Mettalic, Silber, Grau, Weiß

Auf Froschgrün-Metallic fährt nur eine kleine Klientel ab© Ford

Von modischen Experimenten halten die Deutschen nichts. Bei den Neuzulassungen des ersten Halbjahrs 2010 dominieren die alten Langweiler. Platz eins belegen die Silber- und Grautöne, Platz zwei Schwarz. Eine Wachablösung gab es auf Platz drei: Blau musste Weiß weichen.

Die Gründe für die allgemeine Langeweile sind vielfältig. Hinter den Grau- und Silbertönen verbergen sich eine Menge Schattierungen. Grau ist also nicht grau und muss auch nicht trist sein. Das Neuwagengeschäft wird von Firmen- und Leasingkunden dominiert. Firmen achten auf ein seriöses Erscheinungsbild, exotische Kreationen haben es bei ihnen schwer. Auch privat liegt das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer bei den meisten Fahrzeugen weit jenseits der vierzig. Jugendliche Farbenfreude ist nicht angesagt. Nicht zuletzt schauen Neuwagenkäufer auf den Wiederverkaufswert und bevorzugen daher Farben, die niemand weh tun. Grau und Schwarz polarisieren eben weniger als Orange-Metallic.

Kein Geld für bunten Glitter

Die schicksten Farben werden in Fachzeitschriften breit vorgestellt. Das sind teure Sonderlackierungen mit auffälligen Effekten. 3000 Euro für ein besonderes Endfinish mag nur eine kleine Minderheit akzeptieren.

Schon den Aufpreis für einen Metalliclack bezahlen die meisten Kunden nicht allein wegen der Optik, sondern weil er als besonders widerstandsfähig gilt. Zu vermuten ist auch, dass es durchaus jüngere und farbenfrohe Autofahrer gibt. Da sie aber nicht zu den Neuwagenkäufern gehören, haben sie wenig Einfluss auf die Farbwahl. Diejenigen, die das nötige Geld haben, scheuen jedes Risiko: Bloß nicht auffallen heißt ihr Motto.

Gernot Kramper
 
 
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