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8. Mai 2008, 16:25 Uhr

Superbenzin über 1,50 Euro

Der Preis für Superbenzin hat erstmals im Durschnitt die Marke von 1,50 Euro je Liter erreicht. Für Diesel wurden 1,45 Euro je Liter fällig. Damit haben die Spritpreise in Deutschland vor Pfingsten eine Rekordhöhe erreicht. Tendenz: weiter steigend.

Jetzt wurde die Marke von 1,5 Euro bundesweit durchbrochen© Sean Gallup/Getty Images

Kurz vor Pfingsten zeigen die Preissäulen der großen Tankstellenketten in vielen Regionen Deutschland einen Preis von 1,50 Euro oder mehr für einen Liter Benzin. Der bundesweite Durchschnittspreis hat am Freitag die Marke von 1,50 Euro durchbrochen. Die Preise werden weiter steigen. Zu eindeutig sind die Signale auf den internationalen Märkten, und sie weisen durchweg nach oben. In fast jeder Woche erreicht der Rohölpreis eine neue Höchstmarke; werden Rekordstände gemeldet am europäischen Markt für Ölprodukte in Rotterdam. Die Benzin- und Dieselpreise ziehen nur wenig später nach. Im europäischen Umland kann man fast durchweg günstiger tanken. In der Schweiz liegen die Preise bei 1,16 Euro für Super und 1,28 Euro für Diesel, in Slowenien kostet Super nur 1,08 Euro und der Diesel ist für 1,16 Euro zu haben.

Dollarkurs kompensiert

Die deutschen Autofahrer können noch froh sein, dass gleichzeitig mit dem Ölpreisanstieg der Dollarkurs auf Talfahrt ging. Sonst wäre der Benzinpreis an der Tankstelle noch deutlich höher. Ein Blick in die Vergangenheit macht deutlich, wie drastisch sich die Kosten für den Autofahrer dennoch erhöht haben. Vor zehn Jahren kostete ein Liter Superbenzin umgerechnet 81 Cent und Diesel war für 59 Cent zu haben. Damit hat sich der Dieselpreis auf heute 1,43 Euro mehr als verdoppelt. Ein Durchschnittsfahrer, der rund 1000 Liter Benzin im Jahr verbraucht, muss dafür 680 Euro zusätzlich aufwenden, als Dieselfahrer sogar 840 Euro.

Der Preissog zeigt nach oben

Bislang zahlen die Autofahrer die höheren Preise zwar unter lautem Murren, aber sie zahlen. Weder die Zahl der Autos noch die gefahrenen Kilometer pro Jahr haben sich spürbar verändert. "Das Autofahren ist so teuer, dass es kaum überflüssige Fahrten gibt, die sich einsparen lassen", sagt der ADAC-Verkehrsexperte Jürgen Albrecht. "Der Zweck der Mobilität ist nicht veränderbar." So nutzen die meisten Autofahrer ihren Pkw für die Fahrt zur Arbeit und in den Urlaub. Zwar klagen viele, dass sie sich ihr Auto eigentlich nicht mehr leisten können. Der Verzicht ist aber oft noch schwerer, zumal in ländlichen Regionen, wo der öffentliche Nahverkehr weniger effektiv ist als in Großstädten.

"Es gibt nur wenige Stellschrauben, um an den Autokosten zu drehen", weiß Albrecht. Die Autofahrer versuchen, vor allem bei der Anschaffung zu sparen und benutzten ihren Wagen immer länger. Die Autos auf den deutschen Straßen sind im Durchschnitt mehr als acht Jahre alt. Außerdem fehlt das Geld, das in den Tank fließt, in anderen Wirtschaftsbereichen. Die Einkommen sind real in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, also müssen die Verbraucher an anderer Stelle sparen. Der Einzelhandel kümmert seit Jahren vor sich hin, auch Gastronomie und Dienstleistungsbranchen klagen über nachlassende Kaufkraft ihrer Kundschaft.

Der Preissog zeigt nach oben

Als Grund für den Preisanstieg nannten Branchenvertreter das teure Rohöl, das beinahe die Marke von 124 Dollar je Fass erreicht hat. Das Förderland Iran hält in naher Zukunft sogar 200 Dollar für möglich. Die Notierung für US-Leichtöl kletterte am Mittwochabend an der Rohstoffbörse in New York in der Spitze auf die Rekordmarke von 123,93 Dollar, eher sie am Donnerstag wieder etwas zurückfiel. Experten zeigten sich verwundert über die Preisjagd: "Es gibt keine fundamentalen Gründe", sagte die Sprecherin des Mineralölkonzerns Esso, Gabriele Radke. Derzeit seien mehr psychologische Faktoren als das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage für das teure Öl verantwortlich. Versorgungsengpässe sieht sie nicht. Derzeit würde jede noch so kleine Meldung den Preis treiben. "Die Märke ignorieren im Moment sogar Meldungen, die eigentlich für einen fallenden Preis sorgen müssten", sagte die Sprecherin des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Barbara Meyer-Bukow. Sie verwies unter anderem auf Berichte aus den USA, wonach dort die Reserven an Rohöl gestiegen seien: "So etwas hätte früher den Preis sinken lassen."

Iran sieht Preis bei 200 Dollar

Als Gründe für die jüngsten Anstieg sehen Experten vor allem die hohe Nachfrage aus Asien. Zudem hatten Meldungen über Förderausfälle in Nigeria und der schwache Dollar die Rallye angeheizt. Der Iran rechnet in naher Zukunft sogar mit einem Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel. Diese Zeit sei nicht mehr fern, sagte Ölminister Gholam Hossein Nosari nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA vom Donnerstag. Er verwies auf die schwierigen Förderbedingungen in Nigeria und den schwachen Dollar. Iran ist der zweitgrößte Ölproduzent der OPEC.

AP/DPA

 
 
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