Der Körper als Schlachtfeld

15. März 2013, 10:40 Uhr

Das Buch "Bodies of Subversion" berichtet von tätowierten und tätowierenden Frauen der Geschichte, von Kämpferinnen und Überlebenden. Und von gelöschten Bildern auf Facebook. Von Sophie Albers und Janna Frohnhaus

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Dieses Foto ist nicht nur Teil eines Buches über Frauen und Tätowierungen, es steht für einen Sieg über Facebook. Errungen haben ihn die mehr als 230.000 Menschen, die das Bild einer Frau mit einem Brusttattoo über den Narben einer Krebsoperation mit Freunden und Bekannten geteilt haben, mehr als 33.000 Facebook-User, die es kommentiert und knapp 290.000 Menschen, die es geliked haben. Facebook hatte das Foto mehrfach entfernt. So wird mit allen Fotos verfahren, die nach Ansicht des Unternehmens "obszönen" Inhalts sind. Normalerweise ist das der Fall, sobald eine weibliche Brustwarze zu sehen ist. Der Hinweis, dass ausgerechnet die hier fehle, scheint den Facebook-Zuständigen schließlich eingeleuchtet zu haben. Inga Duncan Thornell heißt die Frau, die sich das Tattoo nach einer beidseitigen Mastektomie, dem Entfernen der Brust, hat stechen lassen, um ihr Weiterleben zu feiern. Über zweieinhalb Jahre lang hat Thornell sich jeden Sonntag mit der Tätowiererin Tina Bafaro getroffen, um das Hautwerk zu vollenden.

Margot Mifflins Buch "Bodies of Subversion: A Secret History of Women and Tattoo", das gerade in der dritten, erweiterten Auflage bei Powerhouse Books erschienen ist, zeigt die historische Entwicklung von Bildern in Frauenhaut und erzählt von Frauen, die sie stechen. Das Buch ist die erste umfassende Geschichte von Frauen und Tätowierungen.
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Den Anfang machen Amerikanerinnen, die im 19. Jahrhundert als Zirkusattraktionen ihr Geld verdienten, indem sie aberwitzige Geschichten erzählten, in denen sie von Indianern entführt und gegen ihren Willen tätowiert wurden. Autorin Mifflin berichtet vom Chic des Tattoos im viktorianischen Großbritannien, wo Damen der feinen Gesellschaft sich Farbe unter die Haut stechen ließen. Winston Churchills Mutter zum Beispiel trug eine Schlange ums Handgelenk.
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Dieses Foto machte die bekannte US-Fotografin Imogen Cunningham 1976 in einem Krankenhaus von der damals 83-jährigen Irene "Bobbie" Libarry. Libarry hatte in jungen Jahren als Zirkusattraktion angefangen, später arbeitete sie selbst als Tätowiererin in San Francisco. © (2011 Imogen Cunningham Trust)
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"Bodies of Subversion" erzählt auch die Geschichte von Maud Wagner (auf dem Foto zusammen mit ihrem Mann), der ersten Tätowiererin der USA, die 1907 nur in eine Verabredung mit ihrem späteren Gatten einwilligte, als der ihr eine Trainingsstunde im Tätowieren versprach. Ebenfalls Thema im Buch sind die Körperbilder weiblicher Rockikonen wie Janis Joplin oder auch die Parallelen zwischen Tätowierung und plastischer Chirurgie als Umgang mit der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. In den 1980ern war sowohl das Stechen als auch das Unters-Messer-legen im Mainstream angekommen.
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Im Jahr 2012 gab es in den USA erstmals mehr tätowierte Frauen als Männer. Und obwohl dieser Körperschmuck eine jahrhundertealte Tradition pflegt, wurde das Tätowieren in New York City erst 1997 wieder legalisiert, nachdem es Anfang der 60er verboten worden war.
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Zwar sei die Tätowierung eine introvertierte Kunstform, doch habe sie immer die Bilderstürmerin in der Frau angesprochen, schreibt Autorin Margot Mifflin im Vorwort. Es sei kein Zufall, dass das weibliche Interesse an dieser Körperkunst mit dem Erwachen des Feminismus einhergegangen sei, denn es gehe um den Besitz am eigenen Körper. Auch für die moderne Frau unserer Tage bedeute die Tätowierung immer noch eine Art Ermächtigung, ein Zeichen der Selbstbestimmung.
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