Kurz vor der geplanten Schweinegrippe-Impfaktion äußert die Antikorruptions-Organisation Transparency Deutschland Zweifel an der Unabhängigkeit vieler Experten im Gesundheitswesen. Der Vorwurf: Einigen Fachleuten gehe es nicht um Gesundheitsschutz, sondern um Profilierung.
Wir kritisieren, dass in den Kommissionen und Komitees, die über Pandemie- und Impfstrategien entscheiden, Leute sitzen, die seit vielen Jahren intensive Beziehungen mit den Impfstoffherstellern pflegen. Außerdem sind die Entscheidungsprozesse nicht transparent. Wir können zum Beispiel keine Protokolle der Sitzungen einsehen. Das wäre aber wichtig.
Unter anderem kritisieren wir potenzielle Interessenskonflikte bei der Ständigen Impfkommission (Stiko) vom RKI. Erst nach jahrelangem Drängen haben die Mitglieder ihre Beziehungen zu Pharmaunternehmen offen gelegt. Die sind zum Teil sehr weit reichend, und das ist ein großes Problem. Es muss möglich sein, unabhängige Experten in solchen Kommissionen zu haben.
Auch bei der Emea beobachten wir seit langem, wie bei jeder Zulassungsentscheidung Industrieinteressen mit hinein spielen. Bei der Schweinegrippe ist es besonders auffällig. Selbst in den Kommissionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sitzt die Industrie mit am Tisch, zwar nur als Beobachter, aber in großer Zahl. In der Kommission, die über die Pandemie beraten hat, sind fast alle großen Impfstoffhersteller vertreten, und zwar nicht nur einzelne, sondern viele nationale Vertreter dieser Firmen. Wir sind davon überzeugt, dass sie Möglichkeiten haben, Einfluss zu nehmen.
Diese Bedenken teilen wir. Entsprechende Studien laufen noch, die müssen wir abwarten. Aber es sind etliche Fragen offen. Das Neue an dieser Impfstrategie ist, dass dieses Virus-Antigen in viel geringerer Konzentration als im normalen saisonalen Grippeimpfstoff enthalten ist. Stattdessen sind so genannten Adjuvantien beigefügt, die eine Immunantwort verstärken sollen.
Das wissen wir nicht. Diese Zusatzstoffe sind sehr umstritten. Das Arznei-Telegramm schreibt, dass sie schwere Immunreaktionen auslösen können bei Leuten, die eine veränderte Immunantwort haben. Das wären zum Beispiel Schwangere. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wiederum meint, alle Studien, die man bis jetzt für die Modellzulassung gesehen hätte, würden zeigen, dass sie ungefährlich seien. Aber: Man hat es an Schwangeren nicht getestet, deshalb kann man über diese Gruppe keine definitive Aussage machen. Trotzdem wollen die Frauenärzte in Deutschland den Impfstoff bei Schwangeren einsetzen. Das ist gefährlich! Außerdem beziehen sich die Studien auf ein anderes Adjuvans, als das, welches in den Impfstoffen eingesetzt werden soll. Das ist alles sehr widersprüchlich.
Theoretisch ist er sehr lange haltbar. Das Entscheidende ist aber: Er ist nur für den Pandemiefall zu verwenden. Wird die Pandemie heruntergestuft, entfällt auch die Zulassung.
Das ist noch so ein Argument, das wir nicht nachvollziehen können. Es heißt, man könne prophylaktisch impfen, und wenn das Virus mutiert, wäre die Bevölkerung geschützt vor einer möglichen gefährlichen Variante. Das ist aber eine Hypothese, die zu beweisen wäre. Das kann man so nicht voraussagen. Außerdem wissen wir nicht, wie lange der Impfstoff überhaupt vorhält mit einer so geringen Antigenmenge. Normalerweise geben die Zulassungsstudien Aufschluss über diese Dinge. Aber wir haben sie nicht. Wir fordern Einblick in diese Daten.
Wir können die Dinge nur benennen und hoffen, dass dadurch genügend Druck erzeugt wird, dass die Beteiligten ihre Beziehungen offen legen und entsprechende Dokumente vorlegen. Und dann diese Entscheidung zur Pandemieimpfung noch einmal auf den Prüfstand kommt.