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17. Januar 2008, 10:55 Uhr

Gewürzgurken und Glimmstängel

Wer in der Schwangerschaft raucht, gefährdet die Gesundheit seines Babys. Das weiß eigentlich jeder. Etwa jede vierte Schwangere greift trotzdem zur Zigarette. stern.de beschreibt, warum manche Frauen nicht aufhören können, was das für Folgen haben kann und welche Wege aus der Sucht führen. Von Claudia Wüstenhagen

Zoom

Kein schöner Anblick: Selbst in der Schwangerschaft greifen einige Frauen zur Zigarette und rauchen bis zur Geburt weiter© Chad Ehlers/Picture-Alliance

Der Körper der Mutter bietet dem ungeborenen Baby Schutz und versorgt es mit allem, was für seine Entwicklung nötig ist. Im Idealfall zumindest. Dieser Körper kann aber auch zur Falle für das Ungeborene werden - zum Beispiel, wenn die Schwangere raucht. Schutzlos ist das Baby den Giften ausgeliefert. Dass das schädlich ist, steht auf vielen Zigarettenpackungen schwarz auf weiß. Studien zeigen jedoch, dass jede vierte Schwangere trotzdem raucht. Eine Untersuchung der Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern kam zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent aller Raucherinnen nicht aufgehört hatten, obwohl sie ein Kind erwarteten.

"Eine Form der Kindesmisshandlung"

Wissenschaftler schätzen, dass schwangere Raucherinnen im Durchschnitt 13 Zigaretten pro Tag konsumieren. Über neun Monate verteilt kriegen ihre Babys somit Schadstoffe aus rund 3640 Zigaretten ab - noch bevor sie ihren ersten Atemzug getan haben. Hansjosef Böhles, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, findet daher klare Worte: "Rauchen in der Schwangerschaft ist eine Form der Kindesmisshandlung."

Die Liste der möglichen Schäden ist lang. Einer Studie der Universität Bristol zufolge ist das Rauchen in und nach der Schwangerschaft das Hauptrisiko für den Plötzlichen Kindstod. Würden Eltern auf den Zigarettenkonsum verzichten, ließen sich 60 Prozent der Todesfälle verhindern. "Zehn Zigaretten am Tag erhöhen das Risiko um das Fünffache, bei 20 Zigaretten steigt es um das Achtfache", sagt Kinderarzt Ekkehart Paditz, Vorsitzender des Vereins Babyhilfe Deutschland e.V. Wer schwanger ist und trotzdem raucht, riskiert zudem eine Früh-, Fehl- oder Totgeburt sowie eine Ablösung der Plazenta und ein geringeres Geburtsgewicht des Kindes. 21 Zigaretten am Tag verringern das Gewicht des Neugeborenen um rund 350 Gramm. Schuld daran sei Sauerstoffmangel, sagt Paditz. Zum einen verdrängt das Kohlenmonoxid im Rauch den Sauerstoff im Blut. Zum anderen verengen sich die Gefäße im Kapillarbereich und der Plazenta, was ebenfalls dazu führt, dass weniger Sauerstoff beim Ungeborenen ankommt. "Das ist fast so als würde man einem Taucher unter Wasser die Luftzufuhr abdrücken", sagt Paditz.

Intelligenz wird beeinträchtigt

Das schlägt auch auf das Gehirn. Rauchen führt nicht nur zu neurologischen Schäden des Babyhirns, sondern auch zu einer geringeren Hirnsubstanz, was die Intelligenz des Kindes beeinträchtigen kann, so Paditz. Zudem zählen Sprach- und Verhaltensstörungen wie etwa Hyperaktivität zu den möglichen Folgen des Rauchens, ebenso wie Asthma, Atemwegsinfektionen und Fehlbildungen an Fingern, Händen oder Beinen. Sogar auf die Spermienqualität eines Mannes wirkt es sich negativ aus, wenn seine Mutter in der Schwangerschaft geraucht hat.

Viele dieser Erkenntnisse sind seit Jahren bekannt. Wie kann es da sein, dass es noch immer Schwangere gibt, die rauchen? "Tabakrauchen ist eine Sucht", sagt Paditz. "Davon wegzukommen ist für viele sehr schwer." Studien hätten gezeigt, dass Appelle oft nicht ausreichten. Es kommt sogar vor, dass Frauen mehr rauchen, wenn sie ein Kind erwarten. "In manchen Fällen setzen die Schwangerschaft und die Lebensumstände die Frauen unter so großen Druck, dass dies sogar zum Anstieg des Rauchens führt", sagt Christin Pundrich, Diplom-Psychologin an der Geburtsklinik der Berliner Charité.

Der rauchende Partner spielt eine wichtige Rolle

Dass neben der biologischen Abhängigkeit auch das soziale Umfeld eine Rolle spielt, hat der Psychologe Wolfgang Hannöver von der Universität Greifswald festgestellt. Mit seinen Kollegen befragte er fast 3000 Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern, die ein Kind zur Welt gebracht hatten. 40 Prozent der Raucherinnen hatten ihr Laster nicht aufgegeben. Hannöver fand heraus: "Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, haben meistens einen Partner oder mindestens eine Bezugsperson, die ebenfalls raucht." Auch der soziale Status spiele eine große Rolle. Einige der Frauen, die die Wissenschaftler zu Hause besuchten, hätten in schwierigen Situationen gelebt. "Das sind meistens keine Familien mit Eigenheim und Zweitwagen", sagt er. Zudem hätten vor allem junge Mütter in der Schwangerschaft geraucht.

Selbst ein starker Kinderwunsch scheint keine Garantie dafür zu sein, dass eine Raucherin die Qualmerei sein lässt. "Es war sogar eine Frau dabei, die sich so sehr ein Kind wünschte, dass sich künstlich hatte befruchten lassen", sagt Hannöver. Dennoch konnte sie nicht aufhören zu rauchen. "Sie war offensichtlich stark abhängig."

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Niedriges Geburtsgewicht Wiegt ein neugeborenes Kind weniger als 2500 Gramm, spricht man von niedrigem Geburtsgewicht bzw. low birth weight (LBW). Betroffene Kinder haben nach der Geburt, aber auch im späteren Leben ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Das gilt beispielsweise für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder Lungenschäden. Auch auf die Intelligenz wirkt sich ein niedriges Geburtsgewicht negativ aus. Zudem leiden Betroffene relativ häufig an Depression oder Angststörungen. Neueren Studien zufolge haben sie auch ein erhöhtes Selbstmordrisiko.

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KOMMENTARE (10 von 45)
 
aeternitas (19.01.2008, 20:39 Uhr)
Und Rauchen schadet doch
Eine Freundin von mir ist gelernte Kinderkrankenschwester. Sie hat monatelang Babys gesehen von Rauchern und Nichtrauchern. Und sie meinte, viele Raucherbabys sind so mickrig, haben von Beginn an Atemprobleme, das Nikotinpflaster ist teilweise fast so groß wie das Kind selbst... sie würde am liebsten jede Mutter, die in der Schwangerschaft raucht, auf die Geburtenstation zerren und sie zwingen sich das Elend anzuschauen. Diese kleinen Würmer, die so kläglich nach Luft schnappen sind mit sehr großer Häufigkeit Raucherkinder!!! Natürlich gibt es auch supergesunde Raucherkinder, wie auch Kinder von Nichtrauchern krank zur Welt kommen können. Aber wer die Wahl hat und das beeinflussen kann und dann trotzdem noch zulässt, dass sein Kind irreparabel geschädigt wird, der ist in meinen Augen wirklich eine arme Wurst.
Und für alle Spezialisten, die glauben, dass wenn die Mutter in der Schwangerschaft aufhört zu rauchen, dass dann das Baby erst recht geschädigt wird: Es gibt dafür KEINEN wissenschaftlichen Beweis. Und es ist bestimmt nicht besser, das Kind dann den Rest der Zeit (ca. 6 Monate) weiterzuvergiften. Und falls es immer noch Leute gibt, die das mit dem kalten Entzug plausibel finden, dann sollen sie halt jeden Tag eine Zigarette weniger rauchen, bis sie bei Null angelangt sind. Das ist alles immer noch besser als sein Kind über Monate hinweg der Gefahr auszusetzen später körperliche Schäden davonzutragen (Asthma etc.)
sir.california (19.01.2008, 13:17 Uhr)
@christjue
was soll denn das mit dem "kompetent"? - dürfen sich jetzt nur noch fachprofessoren äußern? dass hier im forum Gesundheitsgefahren weggeredet werden, ist wirklich haarsträubend. ich gebe ihnen 200% recht: kinder, geborene und ungeborene, sollten ein recht auf schutz haben. da hört der spaß wirklich auf!
christjue (18.01.2008, 19:01 Uhr)
es ist völlig müßig...
...hier über gesundheitliches Risiko der Schwangerschaftsraucherei zu dikutieren. Ich behaupte einfach einmal: kaum jemand hier ist dazu kompetent. Aber ich kenne Leute, die es wissen müssen: Die von der Tabakindustrie. Und die raten dringend davon ab, während der Schwangerschaft zu rauchen.
Warum wohl? Erstens, weil sie wissen wie gefährlich das ist. Zweitens wollen sie auf diesem Gebiet nun keinerlei Diskussion haben, denn dann kommt man schnell dazu, dass die Qualmerei auch für kleine Kinder schädlich ist und dann, ach herrje wie schrecklich, werden Rauchverbote zu Hause diskutiert...und im Auto, dort wo der verantwortliche erwachsene mündige Bürger nach deutscher Norm das verbriefte Recht hat, Kinder zu bequalmen. Diese Diskussion will wohl niemand führen..oder hat jemand in der vergangenen und noch tobenden Gastronomie-Rauchverbots-Diskussion was von den Problemem der Kinder (als Gäste) reden gehört? Ich nicht!
sir.california (18.01.2008, 17:09 Uhr)
@Brom
genau so ist es!
sir.california (18.01.2008, 17:07 Uhr)
@Sanjoaquin
"...dass in Amerika mehr Leute ihr Geld mit Smokerbashing verdienen als Leute in der Tabakindustrie arbeiten?" - das ist doch schlicht und ergreifend unwahr. und was soll das überhaupt? soll das wieder bedeuten, dass (passiv)rauchen in wahrheit doch nicht gesundheitsschädlich ist?? ÄÄÄÄÄCHZZZ
Redaktion (18.01.2008, 13:58 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Diskussion.
Wir bitten Sie an dieser Stelle jetzt zum wiederholten Male um einen sachlichen Ton. Unterlassen Sie persönliche Angriffe und Beleidigungen.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Brom (18.01.2008, 12:27 Uhr)
@san
"Wie stellen Sie sich zur Tatsache, dass in Amerika mehr Leute ihr Geld mit Smokerbashing verdienen als Leute in der Tabakindustrie arbeiten?
"
Falls diese Zahl stimmen sollte, liegt das daran, dass hier alle Psychologen und Psychiater mitgezählt werden, die ohnehin dawären, du Depp.
Brom (18.01.2008, 12:25 Uhr)
@sir
Es bringt nichts, mit rücksichtslosen Egoisten zu argumentieren, die sich Studien zurechtbiegen, um ihren Egoismus vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Da solche Leute seriöse wissenschaftliche ignorieren, ist der Gesetzgeber gefordert, um rauchende Mütter wegen pränataler Kindermisshandlung rechtlich zu belangen.
Sanjoaquin (18.01.2008, 11:34 Uhr)
@sir.california
Fällt Ihnen ausser plumpen Beschimpfungen nix mehr ein?
Wie stellen Sie sich zur Tatsache, dass in Amerika mehr Leute ihr Geld mit Smokerbashing verdienen als Leute in der Tabakindustrie arbeiten?
Ist das jetzt auch Bigbusiness oder nicht.
sir.california (18.01.2008, 10:31 Uhr)
@Sanjoaquin
"Bei Antiraucheraktivisten ist's einfach, man muss nur lesen, was sie Tag für Tag so von sich geben." ich verstehe. sie befinden menschen, die sich um ihr wohlergehen sorgen, für weniger intelligent als solche, die ihrer lunge regelmäßig zigarettenqualm mit ca. 200 karzinogenen Inhaltsstoffen zumuten? Na, das ist doch mal ein subjektiver Standpunkt. Was soll man dazu noch sagen? Glücklich der, der sich im Dufte von Hirnfürzen derat wohl fühlt...
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