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10. März 2011, 15:29 Uhr

2 Länderspiele + 7 Elfmeter = Millionen für die Mafia

Anfang Februar fanden zwei merkwürdige Länderspiele statt, fast ohne Zuschauer und Kameras. Die Akteure, unter ihnen Bulgariens Coach Lothar Matthäus, ahnten nicht, dass offenbar Wettbetrüger die Partien organisiert hatten. stern-Recherchen zeigen: Es gelang der perfekte Coup. Von W. Löer, N. Plonka, O. Schröm, D. Liedtke und A. Mönnich

stern-Investigativ, Wettmafia, Wett-Skandal, Wetten, Fußball, Bundesliga, Sport

Lothar Matthäus befand sich am spannendsten Ort des Weltfußballs - ohne es zu wissen© Vassil Donev/DPA

Seit Jahren schon missfällt Lothar Matthäus, dass er als Trainer nicht an die wichtigen Orte des Fußballs berufen wird. Weder wollte ihn die Bundesliga, noch die spanische oder die englische Liga, auch kamen große Fußballnationen nicht auf die Idee, dem zweifachen Weltfußballer ihre Nationalelf anzuvertrauen. Matthäus trainierte in Israel und Osteuropa.

Er findet das unangemessen und ziemlich ärgerlich.

Den Abend des 9. Februar 2011, als Deutschland in Dortmund vor knapp 60.000 Zuschauern auf Italien traf, verbrachte Lothar Matthäus im türkischen Badeort Antalya.

Im "Mardan Sports Complex" trat die Nationalelf Bulgariens, die er trainiert, vor 150 Zuschauern gegen das Team von Estland an. Lothar Matthäus befand sich mal wieder weit weg von großen Namen und vollen Arenen - und dennoch in diesem Moment am spannendsten Ort der Fußballwelt.

Er wusste es nur nicht.

Wettbetrüger drehten in Antalya das ganz große Ding

Nach stern-Recherchen ergibt sich folgendes Bild: Die Wettmafia hatte das kleine Stadion für einen Coup ausgewählt, von dem die Paten aus Deutschland wohl allenfalls träumen können. Sie setzte diesmal nicht auf Partien der zweiten belgischen Liga, nicht auf Meisterschaftsspiele auf dem Balkan, nicht auf Begegnungen in der deutschen Regionalliga West.

Die Wettbetrüger drehten in Antalya das ganz große Ding. Denn die beiden Länderspiele Bulgarien gegen Estland und Bolivien gegen Lettland hatte sie offenbar selbst organisiert. Fast ohne Werbung, Fernsehübertragungen und fast auch ohne Zuschauer traten hier Nationen gegeneinander an - Länderspiele im Auftrag der Mafia.

Die Hauptrolle auf dem Feld übernahmen die Schiedsrichter.

Bolivien gegen Lettland, das erste Match in Antalya, endete 1 : 2.

Alle drei Tore fielen durch Elfmeter.

Drei Stunden später trennten sich Matthäus' Bulgaren von Estland 2 : 2. Auch hier wurde jedes Tor per Elfmeter erzielt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 11/2011

Seite 1: 2 Länderspiele + 7 Elfmeter = Millionen für die Mafia
Seite 2: Der perfekte Coup
Seite 3: Vier Tage, fünf Sterne
Seite 4: Beim Geld ist Footy redlich
Seite 5: Die Mafiosi wetten weiter
Seite 6: Wilson Raj Perumal
 
 
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