Oft wissen Migränepatienten sofort, dass etwas nicht stimmt. Eigenartige Vorboten signalisieren bisweilen die nahende Attacke. Tage oder nur wenige Stunden im Voraus verspürt ein Drittel der Betroffenen etwa ungewohnt starken Heißhunger nach Süßem. Sie verdrücken dann massenhaft Schokolade. Die Konzentration lässt nach, Müdigkeit oder gar depressive Verstimmungen treten auf.
Manch einer reagiert in dieser Zeit extrem reizbar. Während die einen bereits leiden, fühlt sich manch anderer besser als je zuvor: hellwach, ausgesprochen kreativ, strotzend vor Energie bis hin zur Hyperaktivität.
Bei jedem zehnten Migräniker beginnt die Attacke mit einem neurologischen Phänomen: Vergleichbar dem Schimmer eines sich anbahnenden Tages oder dem Hauch von Nebeldunst nach einem Regenguss zieht im Kopf langsam die Aura heran. Meist nimmt der Betroffene merkwürdige Veränderungen im Sehfeld wahr, die von Minute zu Minute stärker werden:
Die Sehstörungen breiten sich allmählich von einem Rand des Sichtfeldes nach innen hin aus. Mediziner nennen das Flimmerskotome. Einige Migränepatienten sind regelrecht fasziniert von diesen "Halluzinationen". Vielen anderen aber machen die Phänomene Angst, denn sie fürchten zu erblinden.
Seltener sind Auren, die sich wie Ameisenkribbeln anfühlen. Dann zieht ein taubes Gefühl langsam von den Fingerspitzen bis in den Oberarm und von dort aus bis in Unterkiefer und Zunge. Nur bei wenigen versagen die Muskeln: etwa eine einseitige Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen oder Sprachstörungen.
So langsam wie die Aura aufgezogen ist, klingt sie auch wieder ab. Nach spätestens einer Stunde hat sich alles wieder normalisiert. Die Betroffenen sind für einige Zeit völlig beschwerdefrei. Das ist aber nur die Ruhe vor dem Sturm.
Hämmernd, stechend oder pulsierend fährt der Schmerz in den Kopf. Mit jedem Pulsschlag verschlimmert er sich. Gehen oder Treppensteigen verstärkt die Qual fast ins Unerträgliche. Meist dröhnt der Schmerz nur in einer Kopfhälfte, wechselt im Laufe der Attacke mitunter die Seite. Er wütet unbehandelt zwischen vier und 72 Stunden, hält bei den meisten Migränepatienten einen Tag an.
Meist leiden Migräne-Patienten während einer Attacke nicht nur unter höllischen Kopfschmerzen. Unangenehme Begleiter sind:
Normale Geräusche oder Tageslicht quälen die Betroffenen. Das Kämmen der Haare wird zur schmerzhaften Tortur. Weh tun dann selbst aufmunternde Worte oder eine zärtliche Berührung. Klingt der Schmerz langsam ab oder beginnen die Medikamente zu wirken, fühlen sich die meisten völlig erschöpft, müde und können sich nicht richtig konzentrieren. Schlimmstenfalls dauert es noch ein bis zwei Tage, bis alles überstanden ist. Manche Betroffene hingegen sind danach regelrecht "high". Sie geraten in Euphorie über den nachlassenden Schmerz und die angenehme Benommenheit, "es mal wieder überstanden zu haben".
Ursache und Auslöser darf man bei der Migräne nicht verwechseln. Heute wissen Mediziner, dass Betroffene zwar hinsichtlich ihrer Gene veranlagt sind, an Migräne-Kopfschmerzen zu leiden. Dies allein löst allerdings noch lange keine Attacke aus. Erst wenn im Alltag, Urlaub oder auf Reisen bestimmte Umstände auftreten, kann sie entstehen.
Diese Auslöser sind von Mensch zu Mensch ganz verschieden. Folgende Situationen und Stoffe können eine Attacke heraufbeschwören:
Viele leiden an ein bis zwei Attacken im Monat. Nur etwa acht Prozent der Betroffenen haben mehr als drei Anfälle. Treten die Kopfschmerzen über einen Zeitraum von drei Monaten an mehr als 15 Tagen im Monat auf, ist die Migräne bereits chronisch.