Wer schon längere Zeit unter Migräne leidet, kennt die ersten Anzeichen eines drohenden Anfalls sehr genau. Sie wissen: Bahnt sich die Schmerzwelle an, ist es wichtig frühzeitig gegenzusteuern und die Medikamente einzunehmen. Der beste Zeitpunkt ist erreicht, sobald das erste leichte Ziehen im Kopf zu spüren ist. Kommen die Tabletten zu spät, dauert es viel länger, bis die Schmerzen unter Kontrolle sind.
Ingesamt empfehlen Mediziner vor allem folgende Substanzen: Mittel gegen Übelkeit, frei verkäufliche Schmerzmittel sowie spezielle Migränemittel, die Triptane und Ergotamine. Die vier Medikamentengruppen gegen Migräne im Detail:
Die Migräneattacke ruft oft Unwohlsein und Erbrechen hervor. Deshalb sollte unbedingt einige Zeit vor dem Schmerzmittel ein Mittel gegen Übelkeit (Antiemetikum) geschluckt werden. Dafür empfehlen Ärzte Wirkstoffe wie Metoclopramid, Domperidon oder Dimenhydrinat. Versäumt der Betroffene, diese rechtzeitig einzunehmen, läuft er Gefahr, dass das Schmerzmittel den Wirkort gar nicht erreicht, sondern vorher erbrochen wird.
Vielen Patienten helfen normale Schmerzmittel (Analgetika) wie ASS, Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Phenazon - sogar bei schweren Attacken. Es empfiehlt sich daher auszuprobieren, was individuell hilft. Dabei ist es wichtig, die Mittel gleich von vornherein in hoher Dosis einzunehmen: ASS und Paracetamol 1.000 Milligramm, Ibuprofen 200 bis 600 Milligramm, Diclofenac 50 Milligramm, Naproxen 500 bis 1.000 Milligramm und Phenazon 500 bis 1.000 Milligramm.
Mittlerweile sind sieben dieser hoch wirksamen Substanzen auf dem deutschen Markt erhältlich. Sumatriptan zählt zu den wichtigsten. In den allermeisten Fällen verschreiben Ärzte die Triptane. Die Wirkstoffe sind sowohl als Tablette, Fertigspritze, Nasenspray oder Zäpfchen verfügbar - je nach individueller Verträglichkeit. Für die Wirkung spielt das jedoch kaum eine Rolle: So oder so verabreicht, sind viele nach zwei Stunden die Kopfschmerzen los. Zudem sind Triptane fast gänzlich frei von ernsten Nebenwirkungen. Dennoch sind die starken Mittel für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet.
Bis auf ein Präparat sind diese Stoffe vom deutschen Markt verbannt. Der Grund: Zwar wirken sie sehr effektiv und anhaltend gegen starke Kopfschmerzen, sind aber mit heftigen Nebenwirkungen verbunden. Sie greifen etwa kleine Blutgefäße und Nervenzellen an. Nimmt man zudem die Medikamente zu häufig ein, kann sich die Migräne verschlimmern. Die Folge sind chronische Kopfschmerzen.
Kehren die heftigen Attacken häufig wieder, raten Ärzte dazu, bestimmte Medikamente vorbeugend einzunehmen. Die Faustregel lautet: Wer im Monat mehr als drei Migräneattacken hat, bedarf einer Prophylaxe. Auf diese Weise lässt sich erreichen, dass die Attacken gar nicht erst entstehen. Die Medikamente müssen die Betroffenen über mehrere Monate regelmäßig einnehmen, da die Wirkung oft erst nach Wochen eintritt. Und: Nicht jedem Patient helfen die gleichen Mittel.
Bestimmte Substanzen sind sehr gut untersucht, hoch wirksam und gut verträglich - deshalb verschreiben Ärzte diese Mittel bevorzugt. Zu den Medikamenten erster Wahl zählen:
Vertragen Migräniker die Mittel erster Wahl nicht oder schlagen die Wirkstoffe bei ihnen nicht an, gibt es Alternativen. Diese Substanzen wirken zwar ebenfalls sehr gut, sind allerdings mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden. Zu den Medikamenten zweiter Wahl zählen:
Für eine dritte Gruppe gilt: Diese Mittel haben sich zwar bislang in der Prophylaxe bewährt, ihre tatsächliche Wirksamkeit bei Migräne ist aber noch nicht in großen Studien belegt. Zu den sonstigen Medikamenten zählen: