Der Mythos von der guten Castingshow

22. Dezember 2011, 16:00 Uhr

"The Voice of Germany" beschert ProSieben und Sat.1 Traumquoten - dabei herrscht im deutschen Fernsehen wahrlich kein Mangel an Castingshows. Worin liegt die Ursache für den Erfolg? Von Carsten Heidböhmer

Voice of Germany, Nena, Xavier Naidoo, Castingshow, ProSieben, Sat.1, RTL, DSDS, Supertalent

Auch die prominent besetzte Jury ist ein Garant für den Erfolg: Xavier Naidoo, Sascha "Hoss" Vollmer und Alec "Boss" Völkel von The BossHoss, Nena und Rea Garvey (v.l.)©

DSDS", "Das Supertalent", "Star Search", "X Factor", "Unser Star für Oslo" - wenn es im deutschen Fernsehen an einem nicht mangelt, dann sind das Castingshows. Dementsprechend konnte man das Ansinnen, ein neues Format auf den Markt zu bringen, wahlweise als mutig oder einfach nur als verrückt abtun.

Doch wer glaubte, Deutschland brauche keinen weiteren Gesangswettbewerb, sah sich getäuscht. "The Voice of Germany" ist die Überraschung der Saison. Die neue Castingshow, die abwechselnd auf ProSieben und Sat.1 zu sehen ist, hat sich inzwischen bei 4,5 bis 5 Millionen Zuschauern pro Sendung eingependelt. In der für Privatsender so wichtigen werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreicht die Show inzwischen Marktanteile von 30 Prozent. Das liegt um ein Vielfaches über dem Senderschnitt. Zum Vergleich: Im Oktober kam Sat.1 auf 10,0 Prozent Marktanteil, ProSieben lag mit 12,6 Prozent nur geringfügig drüber. Wie ist dieser Erfolg zu erklären?

"Die Zeit war reif für etwas Neues"

Andreas Bartl, Fernseh-Vorstand der ProSieben Sat.1 Media AG, müsste es wissen. Er hat schließlich "The Voice" ins deutsche Fernsehen gebracht. Er wurde auf das von dem Holländer John de Mol erfundene Format durch den großen Erfolg aufmerksam, den es in den Niederlanden hatte. Er habe sofort das Gefühl gehabt, dass de Mol "etwas Einzigartiges erfunden hatte", sagt Bartl stern.de. "'The Voice of Germany' ist auf völlig selbstverständliche Art und Weise originell, spannend und sehr unterhaltsam. Formate mit einer so innovativen Kraft kommen nur alle paar Jahre. Die Zeit war reif für etwas Neues."

In der Tat hat die Show einige Neuerungen aufzuweisen, die das Geschehen abwechslungsreicher und für die Zuschauer interessanter machen. Es beginnt damit, dass die Juroren Coaches sind. Das führt in der ersten Runde die Umkehrung des bislang bekannten Prinzips: Hier müssen sich nicht die Kandidaten bei den Juroren empfehlen, sondern umgekehrt bemühen sich Coaches um gute Sänger für ihr Team. Dass es sich bei dem Vorsingen um "Blind Auditions" handelt, die Coaches den Kandidaten also nicht sehen, macht den besonderen Reiz dieser Runde aus. Für Xavier Naidoo ist dementsprechend das Besondere der Show "der 'drehende' Stuhl, das Zusammenspiel der Coaches und natürlich das unglaubliche Können der Talente", wie er stern.de sagt.

Der alte Trick funktioniert nicht mehr

In der zweiten Runde kommt dann ein weiterer Thrill hinzu: In den "Battles" treten die Mitglieder der einzelnen Teams in Eins-zu-eins-Duellen gegeneinander an - der Coach entscheidet, wer sein Team verlassen muss. Erst in der finalen Phase nähert sich "The Voice of Germany" den altbekannten Sendungen an, wenn die Kandidaten in Liveshows gegeneinander antreten und die Zuschauer per Telefon abstimmen.

Der größte Unterschied zu den Castingformaten der Bohlen'schen Variante ist, dass die Juroren die Sänger mit Respekt behandeln und keiner bloßgestellt wird. "Voice"-Erfinder John de Mol sieht es so, dass der Trick, "Menschen vor die Kamera zu zerren, die dann musikalisch umgebracht werden, nicht mehr funktioniert", wie er der "Bild am Sonntag" sagte.

Doch warum ist das auf einmal so? Haben die Fernsehzuschauer plötzlich die Moral entdeckt? "'The Voice of Germany' hat eine Ernsthaftigkeit in das Genre Castingshow gebracht, die es zuvor nicht gab", sagt Trendforscher Peter Wippermann im Gespräch mit stern.de. Bei Bohlen stehe dagegen "der Fun-Aspekt stark im Vordergrund, zudem gibt es eine überzogene Inszenierung des sozialen Mitleids".

Zum Thema
stern TV-Programm
Kostenlos downloaden: stern TV-Programm für iPhone, iPad und Android-Smartphones und -Tablets Mehr Infos über die App
 
Humor
Tetsche, Haderer, Mette und Co. Tetsche, Haderer, Mette und Co.
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von bh_roth: Epson Multifunktionsdrucker verweigert zu scannen

 

  von bh_roth: Gibt es noch normale CD-Player?

 

  von Gast 108682: Kann mein Mann die Schenkung zurücknehmen?

 

  von Gast 108676: wie sind die regelungen bei Nachtarbeit in Spielhallen, speziell für Frauen

 

  von Gast 108650: Forderung verkaufen

 

  von Gast 108646: als Gewerbetreibender kann ich noch Nebengewerbe anmelden ?

 

  von bh_roth: Eine App ist mit einem Tablet nicht kombatibel

 

  von Gast 108627: Ich werde ein Grundstück kaufen es ist aber noch für über 40 Jahre verpachtet wie muss ich mich...

 

  von Gast 108610: Thermewartung

 

  von Gast 108604: schadet untertouriges fahren der kupplung? habe da ein streitgespräch mit nem bekannten der das...

 

  von Gast 108592: Wie lange habe ich ein Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag bei einem Gebrauchtwagen?

 

  von Amos: Die Deutsche Bank trennt sich von der Postbank. Wer übernimmt nun die Anteile? Die Deutsche Post?

 

  von Gast 108576: Meine Frau hat einen 450-Euro-Job, wir haben aber auch geringe Einkünfte (150?) aus einer...

 

  von Gast 108572: SIM-Kartenwechsel

 

  von Gast 108550: Rentenbeiträge bei Haft

 

  von Gast 108514: sim kontakte kopierem

 

  von Gast 108512: Mobilfunkvertrag vorzeitig kündigen im Krankheitsfall

 

  von Grimi: Wie kann ich den " Ferrostatischen Druck bzw. Höhe" ermitteln???

 

  von Gast 108506: Wird kein Krankengeld gezahlt, wenn ich immatrikuliert bin?

 

  von Gast 108497: Gewährleistung bei selbstmontierten Möbeln?