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TV-Kritik

Wie Beatrix von Storch das Siegerlächeln verging

Die Wahlparty hatte sich Beatrix von Storch von der AfD auch anders vorgestellt: Als es mal nicht um Flüchtlinge ging, kam sie schwer unter die Räder. Den Satz des Abends lieferte ein SPD-Mann.

Von Mark Stöhr

Anne Will: Talkrunde nach den Landtagswahlen

Anne Wills Gäste Ralf Stegner, Beatrix von Storch und Ursula von der Leyen (v.l.) sprachen nach den AfD-Erfolgen bei drei Landtagswahlen über mögliche Auswirkungen auf die Bundespolitik 

Was denkt wohl Beatrix von Storch, wenn sie in den Spiegel sieht? Morgen häng ich ihn ab? Man könnte es verstehen. Oder übt sie Mimiken, die sie besonders kaltherzig und verhärmt aussehen lassen, weil sich ein Großteil ihrer Wähler damit identifiziert? Oder trainiert sie heimlich ab und zu ein Lächeln, man weiß ja nie, wofür es mal gut ist?

Bei Anne Will präsentierte sich die AfD-Frau, die so nett ist, dass sie an der Grenze nicht auf Kinder, sondern nur auf deren Mütter schießen lassen will, als Siegerin - und lächelte ihr schönstes Siegerlächeln. Das saß ziemlich schief im Gesicht und wurde im Laufe des Gesprächs immer schiefer und schmaler. Zum Schluss war es ganz verschwunden. Und die alte Beatrix von Storch war wieder zurück, die High Performerin der schlechten Laune und seltsam unsouveräne Person.

Ist die AfD die neue alte CDU?

Es war schade, dass gestern so viel Sendezeit für das übliche Post-Wahl-Geplänkel drauf ging, was insbesondere für die CDU und die SPD ja mehr ein Post-Wahldebakel-Geplänkel war. Ursula von der Leyen versuchte noch, aus den krachenden Niederlagen der CDU in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein Votum für Merkels europäische Lösung der Flüchtlingsfrage zu machen, die von allen Parteien (außer der AfD) geteilt würde. Ralf Stegner von der SPD war dagegen dermaßen zerrupft, dass er es nicht mehr schaffte, den Schlingerkurs und die Hasenfüßigkeit seines Vorsitzenden Gabriel glaubhaft zu stützen.

Ein Politologe mit CSU-Parteibuch - Heinrich Oberreuter - konstatierte wenig originell "Destabilisierungstendenzen" bei den großen Volksparteien. Der humanitäre Ansatz von Merkel kollidiere mit dem in der gegenwärtigen Gesellschaft weit verbreiteten Leitspruch "Unterm Strich komm' ich", was jetzt auch nicht unbedingt die allerfrischeste Erkenntnis war.

Von Storch feierte ihre Partei zunächst als Retterin der Demokratie ("Wir haben die Nichtwähler an die Urne gebracht") und positionierte die AfD als "bürgerlich-liberal-konservative Kraft", was ein Witz (kein guter) war angesichts des unverhohlenen völkischen Rassismus vieler ihrer Ostkollegen. Doch diese Botschaft wollte die 44-Jährige offenbar unbedingt durchbringen: Wir sind die neue alte CDU, die rechts von der Mitte, die aus der guten D-Mark-Zeit, als noch ehemalige NSDAP-Mitglieder wie Alfred Dregger die Bundestagsfraktion führten.

Das Bonmot vom Grünen Robert Habeck - die AfD sei eine "NPD für Besserverdienende" - nahm von Storch noch relativ gelassen auf. Den Nazivorwurf ist sie gewohnt. Fahrig und unsicher wurde sie, als sich von der Leyen ihr zu- und gar nicht mehr von ihr abwandte. Ab da wurde der Abend interessant.

Landtagsprotokolle statt "Lügenpresse"

"Die Zeiten, wo Sie sagen können, ich bin auf der Maus ausgerutscht, sind vorbei", warf ihr die Verteidigungsministerin in ihrem unnachahmlich mütterlich-scharfen Ton entgegen. Und: "Von jetzt ab gibt es keine 'Lügenpresse' mehr, sondern Landtagsprotokolle." Von Storch - wenn es um Schießbefehle oder Schwule geht, sonst um keine Rohheit und Ruchlosigkeit verlegen - druckste kleinlaut herum, man solle die neuen Abgeordneten doch jetzt erstmal in den Parlamenten ankommen lassen.

Doch von der Leyen ließ nicht locker und verließ das Feld der Flüchtlingskontroverse, was von Storch vollkommen ins Schwimmen brachte. Zur Frage, wie sich die AfD in der Frage um den Ausbau von Kita-Plätzen, ja oder nein, verhalte, faselte sie etwas von, jeder solle selber entscheiden können, wie er sein Kind erziehen wolle. Stegner brachte die von der AfD geforderte Streichung der staatlichen Unterstützung von Alleinerziehenden ins Spiel, Habeck den Wiedereinstieg in die Atomkraft - von von Storch gab es dazu nichts Substantielles, nur entgleiste Gesichtszüge.

Es wäre spannend gewesen, ob ihr zu anderen Programmpunkten ihrer Partei, die so gar nicht zum Bild der Anti-Eliten-Partei passen wollen, mehr eingefallen wäre: der rigorosen Kürzung von Sozialleistungen etwa oder dem Ende des Arbeitslosengeldes in seiner jetzigen Form. Die AfD ist nicht nur fremdenfeindlich, sondern radikal neoliberal. Eine Partei der Konzerne und mitnichten der kleinen Leute. Das sollte man auch in Sachsen-Anhalt wissen. Ralf Stegner zu Beatrix von Storch ganz am Ende mit dem Satz des Abends: "Sie sind für nichts, was für normale Leute gut ist."


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