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14. Dezember 2008, 14:03 Uhr

Neonazi attackiert Passauer Polizeichef

"Viele Grüße vom nationalen Widerstand!" Die Parole wird Alois Mannichl kaum noch wahrgenommen haben, als er hilflos vor seinem Haus lag. Ein mutmaßlicher Neonazi hatte den Polizeichef von Passau zuvor durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt. Bayerns Innenminister spricht von einer "Eskalation der Gewalt".

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Offenbar Opfer rechter Gewalt: Alois Mannichl, Chef der Passauer Polizei© Armin Weigel/DPA

Der Chef der Passauer Polizei ist durch die brutale Messer-Attacke eines mutmaßlichen Neonazis schwer verletzt worden. Nach dem Attentat sprach der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag von einer neuen Dimension rechter Verbrechen in dem Bundesland. Polizeidirektor Alois Mannichl war vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau von einem unbekannten glatzköpfigen Mann niedergestochen worden.

Der 52 Jahre alte Beamte war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen. Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Rechten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das "eine Eskalation der Gewalt", betonte Innenminister Herrmann.

Mannichl außer Lebensgefahr

Der etwa 1,90 Meter große Mann hatte Mannichl vor der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. "Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen", betonte Herrmann. Nach einer Notoperation ist der Polizeichef außer Lebensgefahr. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt.

Der Täter sagte nach Mannichls Angaben bei der Tat: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum." Diese Sprüche könnten sich auf die Beerdigung des Neonazis Friedhelm Busse am 26. Juli beziehen. Dabei wurde eine Hakenkreuzfahne auf den Sarg gelegt. Später wurde das Grab auf Anweisung der Staatsanwaltschaft geöffnet und die Fahne sichergestellt. Der Begriff "nationaler Widerstand" ist eine Parole in der Neonaziszene.

Die Region wird immer wieder von Neonazis heimgesucht

In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Die Region wird immer wieder von Neonazis heimgesucht: In diesem Jahr gab es den Behörden zufolge bereits 83 rechtsextremistische Straftaten in dem Bereich. Im vergangenen Jahr waren es noch 40. Nach Angaben des bayerischen Verfassungsschutzes veranstaltete die rechtsextremistische NPD in diesem Jahr mehrfach Versammlungen in Mannichls Heimatort Fürstenzell im Landkreis Passau. Besonders aktiv ist die Szene im Landkreis Rottal-Inn. Der NPD-Kreisverband Passau veröffentlichte am Sonntag auf seiner Webseite eine Erklärung, nach der er die Tat verurteilt.

Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16. November Mitglieder der extremistischen Partei "belästigt" habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber nicht gegeben.

Ermittlungen wegen versuchten heimtückischen Mordes

Mannichl konnte nach dem Anschlag noch selbst seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Bisher wird nach Polizeiangaben zwar noch in alle Richtungen ermittelt, nach den ersten Erkenntnissen wird eine rechtsextremistische Tat aber als die wahrscheinlichste Version angesehen. Nach der Tat warf der Mann das Messer in der Nähe weg und fuhr mit einem Auto davon. Die Polizei schließt nicht aus, dass in dem Wagen ein Komplize wartete.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei hat eine 20- köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Bluttat ins Leben gerufen, auch das Bayerische Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden.

DPA/AP
 
 
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