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28. Mai 2010, 07:26 Uhr

Ölquelle sprudelt weiter

Trotz erster Erfolgsmeldungen hat es BP nicht geschafft, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu schließen. Nach neuen Berechnungen strömen zwei bis drei Millionen Liter Öl ins Meer - täglich.

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Mit einer Schaufel versucht ein Helfer, das angespülte Öl von einem Strand in Louisiana zu beseitigen© DPA

Der Ölkonzern BP ist mit seinem Versuch, das Bohrloch am Meeresgrund zu verschließen, zunächst erfolglos geblieben. Es könne noch bis zum Wochenende dauern, bis feststehe, ob die Operation "Top Kill" die sprudelnde Ölquelle tatsächlich zum Versiegen bringt, sagte BP-Manager Doug Suttles am Donnerstagabend (Ortszeit) in Robert, Louisiana. Der Ausgang der Aktion sei völlig offen.

Das Unternehmen habe im Verlauf des Manövers zweimal mit hohem Druck schweren Schlamm in die Quelle gepumpt - der Ölfluss konnte dadurch aber nicht gestoppt werden. In der Nacht zum Freitag sollte nach mehr als 16 Stunden Unterbrechung ein weiterer Anlauf beginnen. Bis dahin analysiere BP, wie das Vorgehen angepasst werden muss, um erfolgreicher zu sein. Die Pausen seien in dem Verfahren vorgesehen, sagte Suttles. "Es ist nichts schiefgegangen und es läuft nichts anders als geplant."

Schlamm wird gegen den Ölstrom gepumpt

Bei der "Top Kill"-Methode werden teilweise mehr als 8000 Liter Schlamm pro Minute durch das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt, gegen den Ölstrom gepumpt. Aussagen der US-Küstenwache, der Austritt von Öl und Gas sei dadurch am Donnerstag für kurze Zeit unterbrochen worden, bestätigte Suttles nicht. Die Menge sei für eine gewisse Zeit deutlich geringer gewesen, sagte er.

BP analysiere nach jedem Schlammstoß, mit welchem Druck das Öl aus der Quelle nach oben strömt. "Wir hören auf zu pumpen und messen. Wenn der Druck wieder steigt, dann fangen wir wieder an zu pumpen", sagte Suttles. Erst wenn der Gegendruck niedrig genug sei, um das Bohrloch mit Zement schließen zu können, sei die Operation erfolgreich beendet.

Ersatzmethoden stehen bereit

In der Zwischenzeit würden die drei Versorgungsschiffe an der Meeresoberfläche mit neuem Bohrschlamm aufgefüllt. Die Frage, ob BP während der Aktion der Schlamm ausgegangen sei, verneinte Suttles.

Für den Fall des Scheiterns stünden bereits Ersatzmethoden bereit. Darunter ein zweiter "Blowout Preventer", der auf den ersten gesetzt werden kann, um den Ölfluss zu stoppen. Zudem sei ein 1,50 Meter hoher Zylinder aus Stahl einsatzfertig, der über das größere von zwei Lecks in einem Steigrohr gestülpt werden könnte, aus denen seit mehr als vier Wochen das Öl ins Meer strömt. Über eine Leitung an dem Zylinder könnte das aufgefangene Öl-Wasser-Gemisch nach oben in ein Schiff gepumpt werden. Vor mehr als drei Wochen war das Ölunternehmen mit einem ähnlichen Versuch gescheitert.

Bis zu drei Millionen Liter Öl fließen täglich ins Meer

Experten der US-Regierung sprechen derweil von der schlimmsten Ölpest, die es je in den USA gegeben hat. Sie korrigierten die Schätzungen über die Menge des austretenden Öls dramatisch nach oben. Danach sollen täglich zwei bis drei Millionen Liter Öl ins Meer fließen.

Seit dem Sinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 22. April seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Damit hätte die Ölpest - gemessen an der Menge - die von 1989 übertroffen. Damals war der Tanker "Exxon Valdez" vor der Küste Alaskas verunglückt und es waren schätzungsweise rund 35.000 Tonnen Öl ausgetreten.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass täglich zwischen etwa 1600 und 3400 Tonnen Rohöl ins Meer strömen, sagte die Direktorin der US-Geologiebehörde USGS, Marcia McNutt. Bislang war offiziell eine Menge von rund 700 Tonnen genannt worden. Zahlreiche Fachleute hatten diese Angabe jedoch angezweifelt. McNutt betonte, auch die jüngsten Schätzungen seien nur vorläufig. Man betrachte "eine höchst dynamische, komplexe Lage".

Obama kündigt härtere Gangart an

Als Konsequenz aus der Ölkatastrophe kündigte Barack Obama eine härtere Gangart gegenüber der Ölindustrie an. "Diese Ölpest hat gezeigt, wie sehr Reformen nötig sind", sagte er am Donnerstag in Washington. Es werde für die Firmen künftig wesentlich schwerer, Genehmigungen für Bohrungen in tiefen Küstengewässern zu erhalten. Außerdem würden die Sicherheitsanforderungen verschärft. Der Präsident sagte, er wolle die "behagliche und manchmal korrupte Beziehung" zwischen den Behörden und der Ölindustrie beenden.

Als Sofortmaßnahme verlängerte die Regierung den Zeitraum, in dem keine neuen Tiefsee-Ölbohrungen zugelassen wird, um sechs Monate. Dieses Moratorium war nach dem Unglück verhängt worden. Zudem setzte Obama zwei geplante Probebohrungen vor Alaska aus und stoppte Verpachtungen im Golf vom Mexiko und vor der Küste des Bundesstaates Virginia. Auch mehr als 30 laufende Bohrungen im Golf wurden auf Eis gelegt.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
erap123 (30.05.2010, 10:19 Uhr)
Kompetenz
Wo sind denn die Experten aus Europa?
Vielleicht liegt es ja an der mangelnden
Kompetenz der Amerikaner. Bei Katastrophen
sieht man immer wieder wie unfähig dieses Land ist.
Stern007 (28.05.2010, 16:22 Uhr)
@facilidad_de_ser
Sie verstehen es anscheinend nicht wirklich.
Sie könenn ja tanken wo immer Sie wollen, nur besser wäre es wenn Sie GAR NICHT tanken würden.
BP hat das derzeitige Desaster zu vertreten, ja. Jetzt tanken Sie an einer anderen Tankstelle, (oh was für eine tolle Geste) und dann kommt die nächste Katastrophe, von einem anderen Ölproduzenten... (Tolle Leistung, jetzt haben Sie es denen aber gezeigt)

@h.o.n.k. die Profitgier ist sicherlich eines der ursachen, aber auch die Nachfrage! Oder brauchen Sie kein Öl? Die Ursache ist doch am Ende der Kette doch zu finden, und dass sind wir (Du, Ich, wir alle)
Da ist Busch, Clinton oder wer auch imemr zwar auch von der Partie, aber auch jedr andere auch.
Ob Ihr antiamerikanisches Gehabe da zur Sache beiträgt weiß ich nicht so recht.

Aber, die direkten Verursacher sollten zumindest monetär den Schaden bezahlen., Und wenn es W oder Clinten ist, dann halt die (ich wusste nur nicht dass denen BP gehört
h.o.n.k. (28.05.2010, 15:30 Uhr)
Das ist das Erbe
der hemmungslosen Gier der Buschs und Clintons und ihrer Banden. Jetzt fehlt nur noch ein Hurrikan, der das Dreckszeug bis nach Washington trägt. Oder nach Texas, auf die Farm von George W.
maximilianmoritz (28.05.2010, 15:11 Uhr)
Das eigentliche Unglueck ist
dass es zwar seit ein paar Jahren einen Plan der NOAA gab, der von der Aufsichtsbehoerde abgesegnet war, der aber nicht umgesetzt werden durfte.
Er sah vor, dass Oel an der Oberflaeche solange abzubrennen, bis das Bohrloch durch Nebenbohrungen zuverlaessig verstopft werden kann.
Wer die Umsetzung dieses Plan's verhindert hat wird natuerlich nicht mehr zu erfahren sein nachdem da der Praesident gestern behauptet hat, dass seine Regierung vom ersten Tag an am Ball war und den Einsatz geleitet hat.

Es ist jedoch unbestritten, dass die EPA den massiven Einsatz von Corexit durch Flugzeuge an der Oberflaeche und durch direktes Einspritzen in die Oelwolke genehmigt hat, wohl in der naiven Erwartung, dass es dann wie durch ein Wunder "verschwindet". Stattdessen wurde die riesige Oelwolke nur in kleinere Troepfchen "dispergiert" und dadurch am Aufsteigen gehindert. Sie wurde unter der Oberflaeche "versteckt" um noch sehr lange nachzuwirken.
Nachdem sie "entdeckt" wurde ist es klar, dass die Entscheidung nicht zu verbrennen den Unfall erst zum Gau macht. Dabei ist es nebensaechlich ob diese Entscheidung durch gruene Ideologie ("nur kein zusaetzliches CO2 oder Luftverschmutzung") oder Inkompetenz ("Dispersants entfernen das Oel, man kann das Bohrloch schnell durch experimentelle Methoden oder per Order di Mufti stopfen") zustande kam.
Katrina laesst gruessen!
facilidad_de_ser (28.05.2010, 14:49 Uhr)
@Stern007
es geht nicht darum ob andere Konzerne besser sind, sondern darum, dass BP DIESEN Vorfall verursacht hat. Basta!

(Herr Richter, glauben Sie dass andere Menschen besser sind? Was issn das für Argument Stern007?)

Ein Dankeschön nochmal an alle, die nicht mehr bei BP, Aral und Castrol tanken
Lazarus09 (28.05.2010, 14:44 Uhr)
Stern007 (28.05.2010, 13:48 Uhr) Hallo,ich fürchte sie haben mich in einem Punkt missverstanden
oder ich habe es nicht richtig ausgedrückt ...

EGAL was immer der Kunde zahlt ,es wird NICHT zur Verbesserung oder Sicherheit der Herstellung verwedet.

Es ist ebenso falsch zu behaupten der Kunde will nur billig...

Der Kunde will ein an der Einkommensverteilung gemessenes Preis / Leistungsverhältniss. Dieser Interessenskonflikt hat sich über die Jahre dank Profitoptimierung verschärft....
deshalb von " Schuld" des Verbrauchers zu sprechen finde ich gewagt.
Stern007 (28.05.2010, 14:40 Uhr)
@facilidad_de_ser
Eine Frage, warum woanders Tanken?? Sind sie so davon überzeugt, dass andere Ölkonzerne besser sind? Das hätte jedem der Ölunternehmen passieren können.
Besser wäre es möglichst garnicht mehr zu tanken...
facilidad_de_ser (28.05.2010, 14:10 Uhr)
Danke für die Fotos...
...hoffentlich bewirken diese, dass der eine oder andere in Zukunft woanders tankt!
Stern007 (28.05.2010, 13:48 Uhr)
@Lazarus09
Was die Entschädigung angeht stimme ich Ihnen zu!
Aber Sie können sich nicht aus der Verantwortung stehlen!! Sie nicht und auch alle anderen nicht!
Sie haben es ja angesprochen. Der Verbraucher, also wir will alles billig billig. Der Hersteller, Produzent will einen möglichst hohen. Wir sind alle faul geworden, und das auf Kosten und Rücken der Umwelt. (auch ich!!)
Oder schaffen Sie ihr Auto ab? regeln die Heizung runter und ziehen sich einen zweiten Pulli an und trinken heißen Tee (im Winter, oder auch bei den derzeitigen Temperaturen :) )
Nein, nein.. der Mensch ist schuld, schuld am Klimawandel, schuld an Umweltkatastrophen! Der Mensch wird die Erde auf der wir zu Gast sein dürfen schon irgendwann zerstören. Und ich bin mir sicher, auch SIE
Lazarus09 (28.05.2010, 13:36 Uhr)
Stern007 (28.05.2010, 12:57 Uhr) Mit allem Respekt
Ihre Ansichten sind gelinde gesagt merkwürdig.
Warum bin ich mitschuldig wenn ich ein Bedarfsmittel verwende, Bin ich schuld an Tiertötungen,Haltungsbedigungen,Überdüngung,Wald und Regenwald sterben weil ich lebe und bedarf habe .?
Dieser Weg ist falsch . Sie müessen um zu leben gewisse Umstände billigend in Kauf nehmen...auch der Urzeitmensch musste das .

Es geht einzig und allein darum die billigenden Umstände so gering als möglich zu sein zu lassen ..

Nicht alle Fische fangen des Profits willen,nicht überdüngen des Profits willen,nicht Sicherheitsvorkehrungen außer Acht lassen des Profits willen ....

Und bitte nicht wieder die Leier das der Kunde nicht mehr bezahlen will ...die Gewinne der Großunternehmen sprechen eine deutliche Sprache ..oder ? Egal was der Kunde "mehr" bezahlt ,es landest nach minimalst Aufwandskosten als Profit in den Taschen der Anteilseignern..Gewinnoptimierung nennt man das.

Also Aktiva und Vermögen von BP sofort einfrieren Betriebserlaubniss zur Prüfung aussetzten und anfangen Entschädigungen zu zahlen ,das würde jedem Kleinunternehmer passiern.
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