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7. August 2010, 11:19 Uhr

Alle Warnungen ignoriert

Wer trägt die Verantwortung für die Katastrophe auf der Loveparade? Nach Medienberichten war Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland weitaus detaillierter über das Planungschaos informiert, als bisher bekannt. Und auch die Landesregierung von NRW soll eine wichtige Rolle bei der Genehmigung der umstrittenen Veranstaltung gespielt haben.

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Gerät immer stärker unter Druck: Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland© Achim Scheidemann/DPA

Das Verwirrspiel um die Schuldfrage der Loveparade-Katastrophe geht weiter. Nach einem Bericht des "Spiegel" wurde Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bereits sechs Wochen vor der Veranstaltung von seiner Bauaufsicht über das Chaos bei den Vorbereitungen informiert. Es gebe weder einen detaillierten Lageplan des Geländes noch einen vernünftigen Sicherheitsplan, schrieb laut "Spiegel" die Behörde in einem dringenden "Brandbrief" an den Veranstalter, der in Kopie auch an Sauerlands Büro weitergereicht wurde.

Sauerland hat bisher bestritten, genaue Einzelheiten über das mangelhafte Konzept des Veranstalters gewusst zu haben und unter anderem damit begründet, warum er nicht zurücktreten wolle.

Auch die Rolle der NRW-Landesregierung im Vorfeld der Loveparade wird zunehmend kritischer hinterfragt: Laut einem Vorabbericht des "Focus" soll die Regierung unter dem damailgen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) im Genehmigungsverfahren zur Duisburger Loveparade Druck auf die Stadt Duisburg ausgeübt haben.

Das Magazin beruft sich dabei auf ein Besprechungsprotokoll zum ersten Planer-Treffen für die Techno-Party am 2. Oktober 2009. Demnach betonte der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, dass Rüttgers "in der Vergangenheit bereits eine Aussage getroffen habe, dass die Loveparade in Duisburg stattfinden sollte". Eine Absage könne daher "lediglich aus gravierenden Sicherheitsbedenken erfolgen".

Anfang März 2010 hielt das Ordnungsamt dem "Focus" zufolge laut einem weiteren Protokoll "die Durchführung der Veranstaltung" auf dem alten Güterbahnhof "nicht für möglich", konnte sich aber nicht durchsetzen. Sorgen bereitete demnach das Fluchtkonzept über die schmalen Tunnel, die auf das Festgelände führten. Am 20. Juni hätten die Behörden moniert, die Pläne der Veranstalter würden gegen die Verordnung für den Betrieb von Sonderbauten verstoßen.

Kurz vor Beginn der Loveparade erhöhte der Veranstalter Rainer Schaller dem "Focus" zufolge den Druck auf das Duisburger Rathaus. Das Bauamt hatte demnach am 14. Juli wichtige Unterlagen eingefordert, darunter ein Sicherheitskonzept. Fünf Tage später habe sich eine Anwaltskanzlei im Auftrag von Schallers Firma Lopavent gemeldet und auf die Erteilung einer "Sondernutzungserlaubnis" gedrängt. Dabei warnten die Juristen vor einer Absage des Mega-Events und wiesen auf die "immensen wirtschaftlichen aber auch ideellen Schäden für Veranstalter, die Metropole Ruhr und die Stadt Duisburg" hin. Am 21. Juli gab die Stadt grünes Licht für die Veranstaltung, bei der wenige Tage später 21 Menschen in einem tödlichen Gedränge an den Einlässen starben.

Crowd-Manager gibt Fehler zu

Unterdessen hat erstmals ein Verantwortlicher der Duisburger Loveparade öffentlich Fehler eingeräumt. "Ich hätte dringlicher auf die Probleme hinweisen müssen", sagte der Psychologe Carsten Walter in einem Interview mit dem "Spiegel".

Walter sollte während der Veranstaltung als sogenannter Crowd-Manager die Besucherströme auf dem Veranstaltungsgelände regulieren. Schon Stunden bevor die 21 Opfer von den Menschenmassen erdrückt wurden, habe er das Gefühl gehabt, dass bei der Veranstaltung etwas schieflaufe, sagte Walter dem "Spiegel". Er habe aber nicht die Entscheidungskompetenz gehabt, das Gelände abzuriegeln.

Walter erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen die Polizei. So hätten er und ein Beamter "geschätzte 45 Minuten" benötigt, die Polizeiführung zu erreichen. Das Problem sei gewesen, dass der Polizist "definitiv" kein Funkgerät gehabt habe und das Handynetz überlastet gewesen sei. Damit widersprach er der Darstellung der Polizei im Düsseldorfer Landtag. Der Psychologe berichtete auch davon, dass er im Gedränge selbst Todesangst gehabt habe.

rk/DPA/AFP
 
 
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