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14. Mai 2010, 12:49 Uhr

BP greift nach dem letzten Strohhalm

Alarm im Golf von Mexiko: Experten befürchten, dass weitaus mehr Öl pro Tag ins Meer fließt, als bislang angenommen. Alle Hoffnungen von BP ruhen nun auf einem dünnen Rohr.

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Amerikaner demonstrieren vor dem Gebäude der Ölfirma BP in Chicago. Sie fordern, dass BP für die Folgen der Ölkatastrophe zahlt© Scott Olson/Getty Images

Gebetsmühlenartig wird die Zahl seit Tagen wiederholt: 700 bis 800 Tonnen Rohöl strömen täglich in den Golf von Mexiko, seit die Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April explodierte und zwei Tage später versank. Doch die Katastrophe könnte noch viel schlimmer sein, als bisher angenommen. Zwei Berichten von diesem Freitag zufolge könnte die Menge an Öl, die täglich austritt, deutlich größer sein.

Steve Wereley, ein Professor an der Purdue University, glaubt, dass in Wahrheit etwa 9500 Tonnen täglich ins Wasser sprudeln - über zehnmal so viel wie offiziell geschätzt. Zu dieser Annahme kommt er nach dem Studium der kürzlich veröffentlichten Videoaufzeichnungen von BP. Sie zeigten, wie Öl aus einem lecken Bohrrohr strömt. Für den amerikanischen Radiosender NPR (National Public Radio) hat der Wissenschaftler dieses Video mit einer Computermethode analysiert. Dabei werden Partikel gezählt und beobachtet, wie schnell sich diese bewegen.

Dass die Größe der Ölverschmutzung unterschätzt wird, vermutet auch Ian R. MacDonald von der Florida State University, der seine Kalkulationen auf Satellitenbilder stützt. Diese würden nahelegen, dass der Verlust an Öl vier oder fünfmal größer sein könnte als die offiziellen Schätzungen, sagte der Wissenschaftler der "New York Times". BP, die US-Küstenwache und Washingtoner Behörden, die zusammen einen Krisenstab bilden, gingen bislang davon aus, dass jeden Tag etwa 700 Tonnen Rohöl, hauptsächlich aus dem Steigrohr, ins Meer gelangen. Diese Zahl sei von Wissenschaftlern eilig aufgestellt worden, kritisiert die "New York Times", wahrscheinlich mit einer Methode, die für größere Ölkatastrophen nicht geeignet sei. Ob die Zahl stimmt, weiß daher auch niemand genau. Das räumte auch BP-Manager Doug Suttles am Freitag ein. Er nannte die 700 aber eine "gute Schätzung".

Serie an technischen und menschlichen Fehlern

Unterdessen rückt in Amerika die Suche nach den Schuldigen für die Umweltkatastrophe immer mehr in den Vordergrund. Die Kritik am britischen Ölkonzern BP hat mit den Anhörungen mehrerer ranghoher Firmenvertreter vor dem US-Senat zugenommen. US-Präsident Barack Obama sprach gar von "lächerlichen Schauspiel", das die Spitzenmanager bei der Anhörung aufgeführt hätten. Die Aussagen der BP-Manager verstärkten den Verdacht, dass möglicherweise zahlreiche Warnsignale im Vorfeld des Untergangs der Ölplattform "Deepwater Horizon" übersehen worden waren. Die von BP betriebene Bohrinsel war am 20. April im Golf von Mexiko explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich schätzungsweise 800.000 Liter Öl aus und bedrohen die Küstengebiete mehrerer südlicher US-Bundesstaaten.

Zum Untergang der Bohrinsel trug eine ganze Serie technischer und menschlicher Fehler bei, wie eine vom US-Kongress beauftragte Untersuchung ergab. So ist ein wichtiges Sicherungsventil gar nicht leistungsfähig genug gewesen, um die Ölquelle komplett abzudichten. Der sogenannte Blow-out-Preventer sollte laut BP garantieren, dass bei Problemen mit der Förderanlage kein Öl ins Meer gelangt. Er habe leere Batterien enthalten und die nutzlose Testversion eines wichtigen Bauelements. Darüber hinaus gab es Lecks in der Hydraulik, wie die "Washington Post" am Donnerstag schrieb. BP schiebt die Schuld für das Versagen auf Transocean, den Schweizer Betreiber der Förderanlage.

Politiker kritisierten dagegen, der britische Ölkonzern habe seine Arbeiten auf der "Deepwater Horizon" überhastet beendet, ohne die Quelle richtig abzudichten. Nach Angaben des demokratischen Kongress-Abgeordneten Henry Waxman ist ein wichtiger Bohrloch-Drucktest noch am Morgen der Explosion am 20. April "unbefriedigend" ausgefallen. In verschiedenen Rohrabschnitten sei ungleichmäßiger Druck gemessen worden - möglicherweise ein Hinweis auf Gaszufluss ins Bohrloch, wie es in Medienberichten hieß. Ein plötzlicher Gasaustritt gilt als Auslöser der Explosion.

Wie die "New York Times" am Freitag berichtet, hat eine US-Behörde zudem Genehmigungen für Ölbohrungen im Meer erteilt, ohne sich die vorgeschriebenen Umweltzulassungen einzuholen. Darunter sei auch eine Genehmigung für die im Golf von Mexiko verunglückte Förderplattform Deepwater Horizon. Wie das Blatt unter Berufung auf Unterlagen des Bundes und Angaben aus Mitarbeiterkreisen berichtete, holte sich die US-Behörde für Rohstoffverwaltung, der sogenannte "Minerals Management Service" (MMS) in Hunderten Fällen nicht die gesetzlich vorgeschriebene Stellungnahmen der Wetter- und Ozeanografiebehörde ein. Diese ist zuständig dafür, bedrohte Arten und Meerestiere zu schützen. Zudem sei Druck auf die MMS-Wissenschaftler ausgeübt worden, die Ergebnisse ihrer Befunde zu ändern, wenn diese vor einem Unglück oder einer Bedrohung für die Tierwelt gewarnt hätten.

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KOMMENTARE (10 von 16)
 
tedin (16.05.2010, 03:46 Uhr)
Ihre Überschrift
Ihre Überschrift ist mit ihrer pseudoesken Spaßkomponente völligst unangebracht. Sie verniedlicht !

Diese gigantische Katastrophe eignet sich jedoch nicht für unreife Wortmätzchen. Oder sollen wir glauben, dass Sie kein Gespürr für die Dimension des Geschehens besitzen.

Was wollen Sie, dass wir über diese Überschrift schmunzeln? Ich habe heute schon mehrmals gelacht, aber es gibt Anlässe, da passt etwas und es gibt andere Anlässe, da passt es selbst bei aller grundsätzlichen Bereitschaft zur Frohnatur nicht. Es gibt Dinge, die sollte man tunlichst auseinander halten können.
bayerbienengift (15.05.2010, 22:11 Uhr)
Der Kapitalismus ist insofern mitschuld an der Katastrophe,
da er wachstumsblasenblubbernd immer mehr ölbasiertes Wirtschaftswachstum fordert und fördert, anstatt eine energiesparende nachhaltige Wirtschaft zu fördern, die ihre Energie aus regenerativen Quellen bezieht. Stattdessen bringt die Automobilindustrie oelfressende Rennwagen fürs Volk auf den Markt (Tempolimit stört nur) und quasselt gebetsmühlenartig, dass die Zeit für Elektroautos noch nicht reif ist, weil diese mit 280 km/h noch nicht weit kommen.
Lazarus09 (15.05.2010, 18:21 Uhr)
Übrigends ist mir der Idiologische Unsinn unverstädlich
Nehmen Sie Besitzende ( Eliten )aus egal welchem Kulturkreis,Religion Staatsform zusammen und sie werden sehen die Herrschaften kommen glänzend miteinander aus.Small talk über Mio Projekte neueste Jachten blabla......
Nehmen sie Normalbevölkerung ( Schlimmer noch Arme Tagelöhner von denen es auch genug in Besserdeutschland gibt ,dank sei H4 ) aus besagten Kreisen ..da gibt es unüberwindliche Barrieren so hoch daß sie übereinander herfallen ( Sie kennen bestimmt die netten Worte für Ausländer,Farbige,Balkenbeweohner Gastarbeiter u.s.w. )

Dann wissen sie für was Regierungen gut sind ..... Die Reichen begünstigen auf dem Rücken der Allgemeinheit die gegenseitig als Begründung für schlechte Lebensbedingungen und Abzocke herhalten müssen.

Nichts von wegen Kapital-Komunismus Feudalherrschaft oder Demokratie sie verfolgen am Ende den selben Zweck...denken sie einen Augenblick darüber nach ;-)
Lazarus09 (15.05.2010, 18:03 Uhr)
D1plom4t (15.05.2010, 15:11 Uhr) ...Nein nicht den Kapitalismus
Das ist nur ein Wort ...die Raffgier und das Profitstreben ob im Namen des Kommunismus oder Kapitalismus spielt doch keine Rolle.
In beiden Systemen bereichterten sich die selben Parasiten auf kosten der Allgemeinheit nur mit verschiedenen Idiologien und Ausreden.
D1plom4t (15.05.2010, 15:11 Uhr)
Die glorreiche Expertenrunde hier...
...geißelt als Ursache der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko den Kapitalismus - was mir absolut unverständlich ist.

Ich gebe zu bedenken, dass es nach dem Fall des eisernen Vorhangs in Europa fast 10 Jahre gedauert hat, bis in der Elbe - die von Osteuropa her durch kommunistische Länder floss - wieder Fische leben konnten. Eine reife leistung der Kommunisten.

Und diejenigen die hier behaupten, BP könne das Bohrloch einfach verschließen, tue das aber aus Profitgier nicht, sind wirklich von ideologischer Verblendundung geschlagen. Ist nicht der Imageschaden und die drohende Höhe der Reperationszahlungen für BP weit schlimmer als der Verlust eines einzelnen Bohrlochs? Daher - wenn Sie es könnten wäre das Loch längst zu.
Ich hoffe, dass dies in den nächsten Tagen gelingt - evtl. könnten ja ein paar der linksextremen Forenschreiber hier den amerikanischen Wissenschaftlern zur Hilfe eilen und mit ihrem profunden geologischen und ingenieurtechnischen Wissen abhilfe leisten.
Kleiner_Wurm (15.05.2010, 14:51 Uhr)
Das Loch könnte...
...schon längst zu sein. Stattdessen wird versucht, dass Öl in Zukunkft abzupumpen um es anschliessend noch zu verwerten. Nicht, dass man womöglich die Bohrung umsonst gemacht hat. Nein, sch... auf die Umwelt. Die Kasse muss klingeln. Daran sieht man ganz deutlich, dass der Kapitalismus an erster Stelle steht. Bin jetzt schon gespannt, wann wir die Auswirkungen am Benzinpreis zu spüren bekommen. So ein Mrd. Verlust muss ja irgendwie wieder reingeholt werden.
master_of_chaos (15.05.2010, 12:08 Uhr)
Wie wäre es mit einfach abdichten?
Anstelle verzweifelt zu versuchen, die Geldquelle kontrollierzt weiter sprudeln lassen zu können , sollte BP in den sauren Apfel beissen und das Looch einfach zumachen.
Das sollte ja wohl relativeinfach möglich sein.
Aber im bis jetzt geht es darum ja anscheinend nicht, ich lese immer nur von "ableiten" "absaugen" "auffangen" ..
Rainhelt (15.05.2010, 12:06 Uhr)
@Kalox & confused
Was war denn falsch an meinem Kommentar?

Bereits die spanischen Entdecker haben von Ölfilmen in der Region berichtet. Und die Beschreibung der Ölmengen ist wohl auch nicht verkehrt.

Ich hab damit ja nicht gesagt, dass es für die Region keine Belastung darstellt. Und ich sage auch nicht, dass die Verantwortlichen (bzw. deren Versicherungen) die Schäden begleichen müssen. Ich sage nur, dass es nicht ungewöhnlich ist. Außerdem wage ich zu prophezeien, dass man in 10 Jahren nichts mehr von dem "größten Unglück" messen geschweige denn sehen wird.
confused (15.05.2010, 11:22 Uhr)
@Rainheit
und was sagt Ihr Psychoanalytiker zu ihrem Gesundheitszustand... oder welche Drogen waren im spiel als sie ihren Kommentar schrieben ???

Junge Junge - jetzt verstehe ich die Zuschauerzahlen bei DSDS
Kalox (15.05.2010, 09:26 Uhr)
"Rainhelt"
Ah, da ist ja der erste selbsternannte spinner schon und lässt seine unumstößliche weisheiten ausgasen :D
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