Faustkämpfer in Uniform

9. Februar 2013, 08:57 Uhr

Eine gefesselte Münchnerin wird von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen. War es Notwehr oder ein brutaler Angriff? Es ist nicht der erste derartige Vorfall in Bayern. Von Malte Arnsperger, München

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Teresa Z. nach ihrem Aufenthalt auf einer Münchener Polizeiwache.©

Ein Auge ist blutunterlaufen und komplett zugeschwollen, die Nase rot und dick, überall im Gesicht klebt Blut, der Hals ist von einer Halskrause umschlossen. Teresa Z. sieht aus, wie ein Boxer nach einem harten Kampf über zwölf Runden. Doch ihr zerbeultes Gesicht hat die 23-Jährige einem Münchner Polizeibeamten zu verdanken.

Der bayerischen Polizei, vielmehr der gesamten Justiz im Freistaat, eilt seit Jahren der Ruf voraus, hart und wenig zimperlich zu sein. Die CSU-Innenminister gehören stets zu den Hardlinern und den Vertretern von "law and order". Anwälte beklagen sich oft darüber, dass Mandanten in Bayern mit wesentlich empfindlicheren Strafen als anderswo in der Republik rechnen müssen. Diese Linie ist erfolgreich, wenn man als Maßstab die Kriminalitätsrate nimmt. Bayern kann sich immer als eines der sichersten Bundesländer bezeichnen und München als sicherste Großstadt. Es gibt aber auch eine Schattenseite: In den vergangenen Monaten gab es auffallend viele Einsätze, bei denen bayerische Beamte die Grenzen zur Gewalttätigkeit bewiesenermaßen oder zumindest mutmaßlich überschritten haben.

Gefesselt und verängstigt

Letzteres war der Fall bei Teresa Z. Es ist ein Sonntag vor rund drei Wochen. Die Studentin streitet sich mitten in München heftig mit ihrem Freund. Der droht ihr. Sie ruft aus Angst die Polizei. Die Beamten wollen die Sache auf der Wache klären, nehmen die Streithähne in getrennten Autos mit. Schon im Polizeiwagen gerät Teresa Z. mit den Beamten aneinander und wird deshalb gefesselt. Wenig später findet sie sich auf einer Pritsche in einer Zelle der Polizeiinspektion wieder. Dort werden ihr die Handschellen abgenommen.

Sofort habe die unter Drogen stehende Frau wieder angefangen, nach den Beamten zu treten und auch zu spucken, heißt es von der Polizei. Das bestreitet Teresa Z. nicht. "Sie war völlig aufgebracht, weil sie ja ursprünglich nur die Situation mit ihrem Freund deeskalieren wollte", sagte ihr Anwalt Franz Erlmeier stern.de. "Sie hat in der Situation einfach Angst bekommen und wollte frei sein. Aber sie hatte keine Drogen genommen."

"Wie sollte sie in dieser Situation mit dem Kopf zuschlagen?"

Die Polizisten legen ihr jedenfalls wieder Handschellen an. Und dann passiert es: Ein Beamter, umringt von weiteren Kollegen, schlägt Teresa Z. mitten ins Gesicht. Einmal, sagt der Mann. Zweimal, sagt Teresa Z. "Der Beamte hat es in dem Moment so empfunden, dass sie ihren Kopf hebt, um damit nach ihm zu stoßen. Um sich davor zu schützen, versetzte er ihr einen Faustschlag gegen den Kopf", sagt Polizeisprecher Reinhold Bergmann. Verteidiger Erlmeier hält dagegen. "Ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt, sie lag auf der Pritsche. Wie sollte sie in dieser Situation mit dem Kopf zuschlagen? Und außerdem hätte der Beamte doch nur einen Schritt zurückgehen müssen."

Während Teresa Z. ihre gebrochene Nase und Augenhöhlenbogen auskuriert, läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Körperverletzung. Zwar sind gegen den Beamten ebenfalls Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet worden. Und Polizeisprecher Bergmann betont: "Dass auch ein Polizeibeamter sich Gewalteinwirkungen Dritter erwehren darf, ist unbestritten, hier gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Und ob der betreffende Beamte angemessen reagiert hat, wird nun genau untersucht."

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Polizei ist in der Defensive, denn es ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

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