Die Milliardärin und der Gigolo

9. März 2009, 06:37 Uhr

Er suchte keine Liebe, er suchte Bargeld in großen Scheinen. Er trat immer wieder als charmanter Frauenversteher auf und entpuppte sich dann als Ganove. Die unglaubliche Geschichte des Helg Sgarbi, des Mannes, der die Milliardärin Susanne Klatten um Millionen erleichterte, steht kurz vor dem Abschluss. Zum Prozessauftakt hat Sgarbi ein volles Geständnis abgelegt. Von Claus Lutterbeck

Helg Sgarbi, Susanne Klatten, Erpressung

Angeklagt wegen Betrugs und versuchter Erpressung: Helg Sgarbi, 44. Seine Unauffälligkeit war sein großer Vorteil©

Der Herzensbrecher sitzt allein am Tisch, freundlich schaut er in die Runde. Frau W.* findet ihn "aufreizend selbstbewusst". Abends um sieben Uhr mümmelt man Buchweizenriegel und trinkt Thymiantee. Es ist still im Speisesaal, weil "man ja nicht viel reden kann, wenn man jeden Bissen 40-mal kauen muss". Der Schweizer mit den guten Manieren ist vor wenigen Tagen im Wellnesshotel "Lanserhof" bei Innsbruck abgestiegen, er ist schlank, Anfang 40, 1,83 Meter groß, athletisch, elegant angezogen, gebräunt. Vor ihm steht die Tischkarte mit seinem Namen: Helg Sgarbi. Er sieht nicht wirklich gut aus. Eine seiner Eroberungen bekennt später auf RTL, "rein optisch" sei er "alles andere als ein Gigolo, und das war sein großer Vorteil: Er war ein Wolf im Schafspelz".

Der nette Fachmann für "Fusionen im Hightech-Bereich" ist bald ein Schwarm an allen Tischen. Er spricht sechs Sprachen, er liest Bücher, er hat in einer Schweizer Großbank gearbeitet. Frau B.*, die mit ihm flirtet, steckt Frau W.* (* Die richtigen Namen sind der Redaktion bekannt) zu, das sei ein Typ, den sie "unbedingt kennenlernen" müsse, der habe einen Draht zu Ackermann von der Deutschen Bank. Es ist Sommer 2007, Banker sind noch Menschen, die man kennenlernen will.

Die richtige Stimmung

Nach dem kargen Abendessen setzt sich Sgarbi mit den Damen in die Korbsessel vor der bodentiefen Panoramascheibe. Er bringt ihnen Kräutertee im großen Henkelglas, man schaut ergriffen über das Inntal hinüber auf die Gipfel der Nordkette, die von der untergehenden Sonne golden gefärbt werden. Die Stimmung sei "fast sakral", erinnert sich ein Augenzeuge, sie öffnet Herzen und Zungen. Sgarbi nutzt die Gunst der blauen Stunde, er stellt gescheite Fragen, ist einfühlsam und versteht all jene Probleme, die ihre Gatten zu Hause nie begreifen werden. Auch er hat ein Problem, gibt er zu, er brauche eine spirituelle Auszeit, da seine Frau mit einem Spanier durchgebrannt sei. Da kennt das Mitgefühl der Damen kaum noch Grenzen. Sgarbi weiß, dass er gut ankommt, einer seiner Eroberungen erzählt er später: "Eigentlich waren dort alle hinter mir her." Ganz falsch ist das nicht.

Was die Frauen nicht wissen: Der Herr ist ein Ladykiller. Er hat schon so viele ausgeplündert, dass es an ein Wunder grenzt, dass er nun im "Lanserhof " fastet und nicht hinter Gittern. Bisher ist er immer davongekommen, das gibt ihm Sicherheit. Mit Sex und Rosen, kleinen Geschenken und ausufernden Lügen erobert er innerhalb weniger Tage drei Frauen und stattet jede mit einem Handy aus, nur dazu gedacht, ihn anzurufen. Doch unter den dreien ist eine, die er unterschätzt. Susanne Klatten werde es im Leben nicht wagen, so glaubt er, die Affäre mit ihm öffentlich zu machen: "Während Dein Risiko sehr hoch ist, erweisen sich meine Risiken als irrelevant", schreibt er später in einem Drohbrief, nachdem er 49 Millionen Euro Schweigegeld gefordert hat. Er täuscht sich. Im Dezember 2007 zeigt sie ihn an.

Weil die BMW-Erbin aus dem Clan der Quandts sich nicht heimlich schämt und still bezahlt, steht Helg Sgarbi vom 9. März an in München vor Gericht. Ihm werden Betrug und versuchte Erpressung vorgeworfen. Auch wenn seine unfassbare Karriere dann in einer bayerischen Gefängniszelle endet - erklären kann man sie eigentlich nur mit Coco Chanel: "Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Sorgfalt als ihre Männer."

Der Mann dahinter

Auf der Anklagebank in München fehlt der Mann, der überlebensgroß hinter dem Gigolo steht: Ernano Barretta, 64. In der pseudokatholischen Wahnwelt, die er um sich aufgebaut hat, gilt er als Statthalter Jesu Christi auf Erden und charismatischer Wunderheiler, im richtigen Leben ist er ein vorbestrafter Gebrauchtwagenhändler. Der Prozess gegen ihn beginnt am 24. März im italienischen Pescara.

Seit 1991 gehört Sgarbi zu seinen ergebenen Jüngern, ihn betrachtet er als den "Maestro meines Lebens", wie er später einem Bekannten schreibt. Bei ihm liefert Sgarbi die Millionen ab, die er seit über zehn Jahren bei reichen Frauen absahnt. Die Bindung an den "Vater, der mich beschützt" trägt pathologische Züge: "Seine Anwesenheit sagt mir immer, dass Gott existiert." So überlegen und selbstsicher Sgarbi wirkt, wenn er allein auf Frauenjagd geht, so unterwürfig und gehorsam ist er in Anwesenheit seines Meisters. Ein gemeinsamer Freund sagt: "Der Helg nimmt kein Glas Wasser, wenn der Ernano es ihm nicht erlaubt."

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 10/2009

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Prozeß
KOMMENTARE (8 von 8)
 
susiwolf (09.03.2009, 11:13 Uhr)
@DonFuego ... Der Wassersprung ...
Brot und Wasser ... ? im Knast ... ?
Wasser vielleicht beim Resozialisierungsversuch im Schwimmbad. Und wer denn 'Schwimmen lernt' bekommt knackige, frische Volkornbrötchen aus der Gefängnisbäckerei ... als Prämie. Bei langen Gesprächen und psychologischer Beurteilung. Nach dem Schwimmen am Farbfernseher. Nicht schwarz/weiß.
DonFuego (09.03.2009, 11:02 Uhr)
Mädels...
Mädels, selbst wenn sie Millionen aufm Konto haben, bleiben doch Mädels und sind mit den gleichen billigen Tricks rumzukriegen. Respekt für Ihren Mut, Frau Klatten, hoffentlich danken es Ihnen Ihre Geschlechtsgenossinnen!
Den Kasper in den Knast! Mal'n bisschen Wasser und Brot schadet so einem bestimmt nicht!!
Sternchen2020 (09.03.2009, 10:43 Uhr)
Letzlich gehören aber immer zwei dazu.
Einer, der anmacht und jene(r), der zugreift.
.
Wieso lässt eine Frau wie Klatten einen Lover nicht kurz durchchecken? An den Finanzen konnte es doch nicht scheitern.
verdad (09.03.2009, 10:38 Uhr)
SCHWINDEL ,TÄUSCHUNG, BETRUG
Verbrecher!soll man ihn nicht mehr frei lassen
H.P. (09.03.2009, 09:02 Uhr)
Betrug ist Betrug
Betrug ist Betrug egal wer betrogen wurde!
Ob eine Milliardären wie Frau Klatten oder eine arme Witwe!
Moralisch gesehen, darüber möchte ich nicht urteilen, was dabei herauskommt ist schon schlimm genug für alle Beteiligten.
Anemone (09.03.2009, 08:29 Uhr)
Wegsperren!
Ach, nun kommen wieder die Neider zu Wort! Susanne Klatten ist in erster Linie Frau! Betrogen, belogen, erpresst, öffentlich und privat bloßgestellt! Verletzt!
Ganz zu schweigen von den anderen Frauen, die bisher nicht den Mut hatten, zu ihrem Fehler zu stehen.
Dieses kleine miese Männchen sollte jahrelang weggesperrt werden!
Malt (09.03.2009, 08:20 Uhr)
Und....
....wettten, das DER nicht mit einer Bewährungsstrafe davon kommt?
.
Denn wenn's eine Milliardärin juckt, und sie aus lauter Geilheit den Verstand ausschaltet und jemanden 7 Millionen in einem Koffer gibt - was sind dagegen schon z.B. 112 Milliarden vom Steuerzahler, die verbrand wurden? Damüssen die Verantwortlichen erst mal nch dringend vom Steuerzahler für belohnt werden.
susiwolf (09.03.2009, 08:11 Uhr)
Fünfseitiger Armorist ...
Welch ein Stern am Playboy-Himmel ...
Welch ein 5-seitiger 'Stern' -Bericht ...
Welch ein Fressen für den Normalbürger ...
Welch ein (Gerichts-) aufwand ...
Welch eine Rufschädigung für die 'obere Kaste' ...
Ich bin einfach nur geschockt ...
Dagegen sind Hungersnöte, Boris' Besenkammer und der wirtschaftliche Weltabschwung nur unwesentliche Nebenthemen, die keinen interessieren.
5 Seiten - habe sie in 5 Sekunden überflogen...und bin in der Realität gelandet.
Bruchlandung !
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