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Forscher wollen Mammut schon bald aufleben lassen

Schon in zwei Jahren könnte es soweit sein: Der haarige, ausgestorbene Vorfahre der Elefanten, dass Wollhaarmammut, könnte auf die Erde zurückkehren. Möglich wird dies, durch eine Revolution in der Gentechnik.

Mammut

Wenn es nach dem Wunsch einiger Wissenschaftler geht, soll das Wollhaarmammut schon bald zu neuem Leben erweckt werden (Symbolfoto)

Vor 4000 Jahren verschwand das letzte Wollhaarmammut vom Angesicht der Erde. Heute geht man davon aus, dass die haarigen Vertreter der Elefanten-Familie mit den markanten Stoßzähnen einer Kombination aus Klimaveränderungen sowie der verstärkten Jagd durch Menschen zum Opfer fielen. Doch nun sieht es tatsächlich danach aus, als ob das Wollhaarmammut wiedergeboren werden könnte. Zweifelsfrei wäre dies eine wissenschaftliche Sensation - und auch ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Schließlich hat nie zuvor eine Spezies eine andere wieder zum Leben erweckt.

Forscher an der Universität Harvard haben diese Woche beim Treffen der American Association for the Advancement of Science ihre konkreten Pläne vorgestellt, das durch Genmanipulation wiederauferstehen zu lassen - jedoch in abgeänderter Form. Nach dem Plan der Harvard-Forscher soll ein Hybrid-Embryo geschaffen werden, der sowohl Gene eines Asiatischen Elefanten als auch die des ausgestorbenen Wollhaarmammuts beinhaltet.

"Mammofant" mit kleine Ohren und zotteligem Fell 

Harvard-Wissenschaftler George Church erklärte die Pläne seines Teams laut britischem "Guardian" wie folgt: "Eigentlich wäre es (das Tier), eher ein Elefant mit einer Reihe an Mammut-Merkmalen. Wir sind noch nicht ganz da, aber in einer paar Jahren könnten wir es schaffen." Unter anderem würde der "Mammofant", wie er von einigen genannt wird, genau wie seine ausgestorbenen Verwandten über kleine Ohren und langes, zotteliges Fell verfügen.


In jüngster Zeit hat die Genforschung große Sprünge gemacht. Grund hierfür ist ein revolutionäres Verfahren namens Crispr. Es erlaubt Forschern bestimmte DNS-Fragmente präzise zu identifizieren und mit anderer DNS zu kombinieren. Das gilt für solche Fragmente, die seit Jahrtausenden im sibirischen Permafrost schlummerten und denen nun Proben entnommen wurden. Immer wieder kommt es vor, dass sehr gut erhaltenen Mammut-Kadaver im ewigen Eis entdeckt werden. Das konservierte Gewebe enthält eben auch ihr Erbmaterial, welches die Tiere Tausende Jahre nach ihrem Verschwinden zu neuem Leben erwecken könnte.

"Wie werden die Elefanten auf das Tier reagieren?"

Doch eine ausgestorbene Art durch Genmanipulation (zum Teil) wieder auferstehen zu lassen, ist auch unter Wissenschaftlern nicht unumstritten. Matthew Cobb, Professor für Zoologie an der University of Manchester sagte dem "Guardian", "die vorgeschlagene 'Wiederbelebung' von Mammuts birgt massive ethische Problematiken. Das Mammut war nicht einfach nur ein Set an Genen, es war ein soziales Wesen, genau wie der moderne Asiatische Elefant. (…) Wie werden die anderen Elefanten auf das Tier reagieren?"

Laut Wissenschaftler Church könne die Erschaffung eines Hybrid-Wesens auch helfen, den Fortbestand des bedrohten Asiatischen Elefanten in hybrider Form zu sichern. Nach Wunsch der Harvard-Wissenschaftler soll der Hybrid-Embryo in einer künstlichen Gebärmutter heranwachsen. "Es wäre unangemessen, bei einer bedrohten Tierart die weiblichen Fortpflanzungsfähigkeiten (einer Leihmutter) zu gefährden", so Church.

Mammut könnte gegen Klimawandel-Folgen helfen

Doch die Entwicklung einer passenden, künstlichen Gebärmutter könnte die Auferstehung des Mammut-Hybriden weiter verzögern. Es sei den Forschern bereits gelungen, Mäuse-Embryos über die Hälfte ihres Reifungsprozesses in einer künstlichen Gebärmutter heranzuzüchten.

Auch habe das Projekt der Harvard-Wissenschaftler einen zusätzlichen Nutzen: Das Mammut könne dabei helfen, die Folgen des Klimawandels zu reduzieren. Laut Forschern halfen die ausgestorbenen Tiere dabei, dass Schmelzen des Permafrosts und somit das Austreten von Treibhausgasen zu verhindern: "Weil sie Schneisen durch den Schnee zogen, konnte kühle Luft dafür sorgen, dass die Tundra nicht auftaut. (…) Im Sommer stießen sie Bäume um und halfen so dem Gras beim Wachsen", so Church. Am Ende werden wohl eher ethische und gesetzliche Hürden darüber entscheiden, ob das Mammut wieder durch die sibirische Tundra streifen wird. 


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