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21. Dezember 2011, 07:37 Uhr

Jeder vierte Freiwillige bricht Dienst vorzeitig ab

Die Bundeswehr ist für viele Freiwillige offenbar nicht attraktiv genug. Mehr als ein Viertel von ihnen bricht den Dienst in der Truppe vorzeitig ab. Verteidigungsminister Thomas de Mazière, gerade auf Truppenbesuch in Afghanistan, sieht dennoch keine Rekrutierungsschwierigkeiten.

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Mit Blattwerk und Gras getarnte Rekruten bei der Grundausbildung. Zahlreiche Freiwillige quittieren ihren Dienst bei der Truppe© Frank May/DPA

Nach Aussetzung der Wehrpflicht hat die Bundeswehr Schwierigkeiten, ihre Freiwilligen tatsächlich für den Dienst in den Streitkräften zu begeistern. Mehr als ein Viertel der Freiwilligen, die zum 1. Juli ihren Dienst angetreten haben, sind inzwischen nicht mehr bei der Truppe. 27,7 Prozent der Freiwilligen hätten von ihrem Recht Gebrauch gemacht, in den ersten sechs Monaten des Engagements bei der Bundeswehr ohne Angaben von Gründen ihren Dienst zu quittieren, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) der "Berliner Zeitung" (Mittwoch).

"Die Zahlen sind hoch", räumte er ein. Sie entsprächen aber den Erfahrungen der privaten Wirtschaft, wo die Quote der Jobabbrecher zwischen 20 und 25 Prozent liege. Zu den Gründen gehörte laut de Maizière vor allem ein anderes Jobangebot. Viele Abiturienten hätten nach ihrem Eintritt in die Bundeswehr im Juli drei Monate später doch einen Studienplatz angeboten bekommen.

Andere hätten private Gründe für ihren Rückzug angegeben. "Nur wenige sagten, dass der Ton in der Truppe sie abgeschreckt habe oder dass sie sich über- oder unterfordert fühlten." Ein Fünftel der Abbrecher habe die Bundeswehr nach Hause geschickt, weil sie den körperlichen Anforderungen nicht entsprochen hätten.

Bundeswehr sieht sich voll im Plan

Dennoch sieht de Maizière keine Rekrutierungsschwierigkeiten auf die Truppe zukommen. Zum 1. Januar 2012 werde die Bundeswehr 2650 Männer und 170 Frauen als Freiwillige begrüßen. "Damit liegen wir voll im Plan." Die Bundeswehr stellt alle drei Monate Freiwillige ein.

Die Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee ist Teil einer umfassenden Reform, die auch Standorte und Strukturen umfasst. Nach den Vorstellungen von de Maizière sollen der Bundeswehr künftig 5000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleistende angehören. Die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten soll bei etwa 170 000 liegen. Die Soll-Stärke der Bundeswehr vor der laufenden Reform lag bei 250.000 Soldaten, davon mehr als 50.000 Wehrpflichtige.

De Mazière in Afghanistan eingetroffen

Unterdessen ist der Verteidigungsministerzu einem überraschenden Besuch in Afghanistan eingetroffen. Er landete am Mittwochmorgen in Kundus, wo er mit deutschen Soldaten sprechen wollte. Die Reise war - wie üblich - aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten worden. Es ist bereits die vierte Afghanistan-Reise von De Maizière als Verteidigungsminister, der bei diesem Besuch von den Obleuten des Verteidigungsausschusses im Bundestag begleitet wird.

Vor einer Woche hatte das Bundeskabinett ein neues Mandat für den Afghanistan-Einsatz beschlossen. Damit wird der Abzug der Truppen eingeleitet. Mit Beginn des neuen Mandates Anfang Februar sollen nur noch 4900 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert sein, bisher waren es bis zu 5350. Bis Anfang 2013 soll die Truppe sogar bis auf 4400 Soldaten verkleinert werden. Am 26. Januar will der Bundestag über das Mandat abstimmen.

Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr dauert nun rund zehn Jahre. Die gefährlichsten Mission der Bundeswehr kostete bisher 52 Soldaten das Leben. Bislang stellt Deutschland hinter den USA und Großbritannien das drittgrößte Kontingent in der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf.

Ende 2014 werden nach jetziger Planung gar keine deutschen Kampftruppen mehr in Afghanistan sein. Allerdings wird sich die Bundeswehr voraussichtlich weiterhin an der Ausbildung afghanischer Soldaten beteiligen.

kng/DPA/AFP
 
 
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