Amerikaner lassen sich gern belauschen

11. Juni 2013, 13:58 Uhr

Millionen E-Mails, Fotos und Dateien wurden vom US-Geheimdienst NSA ausgewertet. Während die Entrüstung in Europa riesig ist, zeigt eine Studie: US-Bürger stören sich kaum an der Überwachung.

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Wer darf die Facebook-Posts sehen? Der Geheimdienst NSA ist auf jeden Fall immer mit unter den Lesern. Beim Anblick dieser Montage, das sich derzeit im Netz verbreitet, vergeht jedoch einigen das Lachen.©

Mit der Begründung "Kampf gegen Terrorismus" räumte die US-Regierung offenbar viele Bedenken ihrer Bürger aus. Denn 56 Prozent der Amerikaner akzeptieren die Überwachung ihrer Telefone durch den Geheimdienst NSA. Nur 41 Prozent lehnen laut einer Studie des Pew Research Center den Lauschangriff der NSA ab.

Das Pew Research Center befragte im Auftrag der "Washington Post" zwischen dem 6. und 9. Juni 1004 Amerikaner.

Aber bitte nicht meine E-Mails!

Geht es jedoch um Daten, Fotos und Videos, die per E-Mail verschickt werden, sind die Amerikaner weniger auskunftsfreudig. 52 Prozent wollen ihren Schriftverkehr nicht vom NSA überwacht wissen. Das sind fünf Prozent mehr als bei einer Umfrage im Juli 2002, also ein Dreivierteljahr nach den Anschlägen vom 11. September.

45 Prozent der Befragten gaben an, dass die Regierung in der Lage sein sollte, die Internetaktivitäten jedes Bürgers unter die Lupe zu nehmen. Die Enthüllungen der vergangenen Woche, wonach die Regierung mit dem "Prism"-Projekt gewaltig in die Privatsphäre der Bürger eindringt, nehmen die Amerikaner demnach mit einem Schulterzucken hin. Sie interessiert die Enthüllung nur wenig: 52 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Berichterstattung über "Prism" kaum oder gar nicht verfolgen.

Im Zweifel gegen die Privatsphäre

Allerdings: Je jünger die Befragten waren, desto ablehnender war ihre Haltung gegenüber der staatlichen Lauschaktion. 45 Prozent der 18- bis 29-Jährigen stellten ihre Privatsphäre über die Terrorismusbekämpfung. Bei den über 50-Jährigen sind es nur noch 27 Prozent. Aber auch die jüngeren Amerikaner würden die NSA eher am Telefon mithören lassen als sich in ihren E-Mail-Account und in ihre Netzaktivitäten schauen zu lassen.

Sorge um ihre Geheimnisse haben offenkundig die wenigsten - und sie geben dem von der US-Regierung propagierten Kampf gegen den Terrorismus den Vorzug. 62 Prozent der Befragten schränken ihre Privatsphäre gern ein, wenn es dadurch ihrer Regierung gelänge, Anschläge zu verhindern. Auch diese Zahlen haben sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert. Die Offenheit gegenüber Überwachung durch den Staat hängt nicht mit der Parteizugehörigkeit zusammen. 69 Prozent der Demokraten und 62 Prozenten der Republikaner stimmen der umfassenden Überwachung zu. Die Anhänger der Demokraten haben allerdings ihre Einstellung stark verändert. Das Überwachungsprogramm der Bush-Regierung lehnten sie deutlich stärker ab. 2006 hielten nur 34 Prozent der Demokraten-Wähler die Überwachung ihrer E-Mails und Telefonate für legitim.

WSP-User denken anders

Ganz anders reagieren hingegen die Leser der "Washington Post" in einer Umfrage, die die Zeitung auf ihrer Onlineseite gestartet hat. Hier sprechen sich 85 Prozent der Teilnehmer gegen eine Überwachung der Daten aus.

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