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Der Mann, der Donald Trump auf die Dreckspur führte

Wenn jemand weiß, wie man Niedertracht erfolgreich einsetzt, dann Roger Stone. Der Berater treibt schon seit 40 Jahren sein Unwesen in Washington - und hat in Donald Trump einen seiner gelehrigsten Schüler gefunden.

Von Niels Kruse

Stone Donald Trump

Roger Stone hat viele Regeln parat, etwa über Anzüge und Martinis, und einen für Donald Trump: Angriff, Angriff, Angriff - niemals verteidigen

Bei CNN verzichtet man seit Dienstag auf die Dienste von Roger Stone. Der Politikberater, der sich selbst "Erzähler" nennt, hatte in einer Sendung ein Massaker an Muslimen vor vielen Jahren auf den Philippinen verharmlost. Noch übler stießen den TV-Machern seine "Erzählungen" auf Twitter auf, wo er Moderatoren "Diva-Schlampe", "zurückgebliebener Schwachkopf" und "dummer, fetter Neger" nannte. Stone nahm seinen Rauswurf gelassen hin, er ist Gegenwind gewöhnt. Man könnte sogar sagen, Gegenwind ist sein Beruf, auch wenn er ihn üblicherweise selbst verursacht. Ihm verdanken die Amerikaner den hasserfüllten Sound des aktuellen Wahlkampfs. Roger Stone ist der Vater von Donald Trumps Präsidentschaftskampagne.



Stone brachte Trump eine Regel bei....

"Angriff, Angriff, Angriff - keine Verteidigung. Gib nichts zu, streite alles ab, geh' zum Gegenangriff über." So lautet eine von Roger Stones berüchtigten Regeln für die politische Auseinandersetzung, und einer seiner gelehrigsten Schüler ist Donald Trump. Angesichts dessen aggressiver Attacken auf jeden erdenklichen Gegner, scheint es auch die einzige Regel zu sein, die der Immobilienmogul beherzigt. Vor wenigen Wochen noch sah es so aus, als würde er sich damit als Präsidentschaftskandidat unmöglich machen. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Trump kann hetzen und beleidigen, wie es ihm gefällt, in nahezu allen Umfragen liegt er vorne, drei von vier Vorwahlen der Republikaner hat er gewonnen

Stone und Trump allerdings sind kein Team mehr. Zumindest offiziell. Die beiden verbindet eine lange und gute Freundschaft. Schon Ende der 80er Jahre hatte Stone versucht, seinen Kumpel, den schillernden New Yorker Geschäftsmann, als Präsidentschaftskandidaten ins Rennen zu schicken. Als Trump dann im Juni 2015 tatsächlich seine Kandidatur für die Republikaner bekannt gab, war Stone sein Chefwahlkämpfer, wenn auch nur für zwei Monate. Nachdem der Milliardär der Fox-Moderatorin Megyn Kelly vor laufenden Kameras indirekt Menstruationsprobleme unterstellt hatte, trennten sich die beiden. Wobei unklar ist, wer von wem. Trump sagt, er habe Stone gefeuert, Stone sagt, er habe gekündigt.

Politischer Ziehvater von Donald Trump

Sicher ist: Ohne Roger Stone wäre Donald Trump nicht dort, wo er ist. All die Unflätigkeiten, die Ausfälle, die persönlichen Angriffe, der Rassismus und Sexismus, die Trumps Reden und Auftritte begleiten, tragen die Handschrift des Ziehvaters. Einige Beobachter vermuten sogar, dass das Wahlkämpferpaar nur deswegen auseinander gegangen ist, weil Roger Stones mieser Ruf selbst einem Donald Trump irgendwann auf die Füße fallen könnte. Im Hintergrund aber würden die beiden noch ganz prima zusammenarbeiten. Das würde zu Stones Taktik passen, denn ihm scheint jedes Mittel Recht zu sein. Das US-Magazin "Politico" nannte Stone einmal unverblümt einen dreckigen Schwindler, wobei es Dreckschleuder wohl besser trifft. 

Seit Jahrzehnten schon treibt Roger Stone sein Unwesen in der Politik. Als Lehrmeister diente ihm niemand geringerer als US-Skandalpräsident Richard Nixon. Noch als Student heuerte er Leute an, um Nixons Konkurrenz auszuspionieren. Oder spendete als Kommunist getarnt Geld an einen Gegner, um ihn als Linken zu diskreditieren. Danach arbeitete er für Ronald Reagan, bis heute unangefochtener Held der Konservativen. Als umtriebiger Strippenzieher, Lobbyist und Spin-Doctor, schaffte es Stone immer wieder, "verlässlich die Grenze zwischen Achtbarkeit und Niedertracht zu überschreiten", wie der "New Yorker" einmal schrieb.

Die Bohème-Version von Stan Laurel

Seine Skrupellosigkeit versteckt Stone stets hinter etwas zu eleganten Seidenanzügen. Manchmal trägt er auch Fliege und zusammen mit den (früher) blondierten Haaren und seinem leicht verschmitztem Lächeln erinnert er dann an eine Bohème-Version des netten Stan Laurel. Aber auch das ist vermutlich Kalkül. Roger Stone liebt es, sich als Liebhaber des Schönen, Reinen und Guten zu inszenieren. In seinem Buch "Stone’s Rules for War, Politics, Food, Fashion and Living" erteilt er auch Ratschläge für die Wahl des richtigen Anzugs ("Keine Zweireiher zusammen mit einem Button-Down-Kragen") oder für den richtigen Martini ("Die Oliven in den Wermut einlegen"). Auf seinem Twitter-Profilbild posiert er mit seinem trainingsgestählten Rücken, auf dem das Konterfei von Richard Nixon tätowiert ist.

"Mit mir ist Politik kein Theater", sagte Stone einmal, "sondern Performance-Kunst. Manchmal auch um ihrer selbst willen". Das klingt ehrlich, ist aber natürlich ein Euphemismus für den Kampf um eine politische Agenda, die sich auch manchmal gegen die eigenen Leute richtet: Anlässlich der Kandidatur von Jeb Bush, Bruder von Präsident George W. und Sohn von Präsident George Sen., hat er das Buch "Jeb! and the Bush crime family" geschrieben, in dem er mit den "kriminellen Machenschaften" des Präsidentenclans abrechnet. Natürlich, wie immer bei Roger Stone, getarnt als Insider Story, anders gesagt: gespickt mit Gerüchten, Halbwahrheiten und Infamitäten. Das Rezept hat Stone bereits mehrmals angewandt. Wie etwa bei seinen anderen Lieblingsfeinden, den Kennedys. In seinem Erstlingswerk "Der Mann, der Kennedy getötet hat" behauptet Stone, das der spätere Präsident Lyndon B. Johnson hinter dem Mord stehe. Die "Washington Post" schrieb dazu nur: "Für Leser, die Fakten außer Acht lassen, ist es eine interessante Abenteuer-Geschichte."

Jetzt hat Stone Clinton im Visier

Seit seinem (offiziellen) Rauswurf als Trump-Chefstratege verschießt der Grandseigneur der Rufschädigung seine Giftpfeile in Richtung einer weiteren von ihm Gehassten: Hillary Clinton. Seit Oktober liegt das Buch "Clintons Krieg gegen die Frauen" vor, in dem er Ex-Präsident Bill Clinton mehrfache Vergewaltigungen vorwirft, die von seiner Frau Hillary angeblich gedeckt würden. Es war der Startschuss zur Torpedierung ihrer Kandidatur für die Demokraten. Weil ein Buch allein aber zu wenig ist, hat Stone auch noch ein "Political Action Committee" (PAC) gegründet, mit deren Hilfe in den USA Spenden gesammelt werden. Ursprünglich hieß es "Frauen gegen Hillary", seit Januar lautet der Name kurz Rape PAC - übersetzt: "Bildungsprojekt für Rechenschaftspflicht bei Vergewaltigungen". 

Unnötig zu erwähnen, dass Roger Stone ganz offenbar davon ausgeht, dass das Präsidentschaftsduell Clinton versus Trump lauten wird. Und dass er, zumindest über Twitter, weiter und fleißig die Trommel für Trump rührt.



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