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"Bannon bereitet seine Rache vor" - wenn es sein muss, soll auch Trump dran glauben

Stephen Bannon ist zurück bei "Breitbart". Der ehemalige Chefstratege von Donald Trump soll die Redaktion der rechtspopulistischen Internetseite auf einen Rachefeldzug durch das Weiße Haus eingeschworen haben.

"Bannon bereitet seine Rache vor" - wenn es sein muss, soll auch Trump dran glauben

Der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Stephen Bannon (v. l.), soll einen Rachefeldzug planen

Sein Abgang war alles andere als rühmlich. Dabei habe Stephen Bannon gemeinsam mit Stabschef John F. Kelly bereits im Juli über einen "gegenseitig gütlichen Ausstieg" im August beraten, wie die "New York Times" berichtet. Es war eigentlich alles vorbereitet, sogar US-Präsident habe seinen Segen gegeben.

Und dann passierte .

Der Rest ist Geschichte. Nur scheint der ehemalige und umstrittene Chefstratege von Donald Trump - im Gegensatz zu seinen geschassten Leidensgenossen - das Weiße Haus nicht wirklich zu verlassen. Bereits am Freitagabend, also wenige Stunden nachdem die Nachricht von Bannons Abschied an die Öffentlichkeit gelangt war, leitete dieser schon wieder die Redaktionskonferenz der rechtspopulistischen US-Internetseite "Breitbart". Jenes Medium, das den Wahlkampf von Donald Trump befeuert hatte. Und, so die fast schon offizielle Lesart, den Politik-Neuling ins Amt beförderte. "Wir sind in einer Bar und feiern die Rückkehr unseres Captains!", soll der "Breitbart"-Chef der Redaktion in Washington, Matt Boyle, laut "Vanity Fair" gejubelt haben. Bannon selbst fand für seine Rückkehr andere Worte: "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen.", sagte Bannon in einem Interview. "Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump in den Krieg gegen seine Gegner."

Das ist, zugegeben, kein ungewöhnliches Wording für Trumps ehemaligen Chefstrategen - bedient sich häufig der Kriegsrhetorik. Dennoch gibt diese Kampfansage zu bedenken. Denn offenbar hat der "Breitbart"-Chef nicht unbedingt Trumps Widersacher im Visier, sondern seine eigenen Feinde. Die "Vanity Fair" titelt unmissverständlich: "Steve Bannon bereitet seine Rache vor."

Ideologische und persönliche Feinde im Visier

Ivanka Trump, ihr Mann und Berater Gary Cohn - Bannon habe die liberalere Gefolgschaft von Donald Trump im Visier. "Er will ihre Ideen zerschlagen", sagt "Breitbart"-Chefredakteur Alex Marlow dem US-Magazin. "Steve hat eine Menge Sachen in seinem Ärmel."

Einerseits hat die Abrechnung offenbar ideologische Gründe. In einem Interview mit der konservativen US-Nachrichtenseite "The Weekly Standard" sagte Bannon: "Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft haben, und die wir gewonnen haben, ist vorbei." So distanzierte sich etwa Ivanka Trump, im Gegensatz zu ihrem Vater, deutlich von den Ausschreitungen in Charlottesville. Kushner habe sogar bereits mehrere Schlachten gegen Bannon geschlagen - und in der Regel gewonnen. Etwa, als es um die Verlegung der US-Botschaft von Israel nach Jerusalem ging.

Andererseits hat Bannons Rachefeldzug persönliche Gründe. Wie die "New York Times" berichtet, hat "Fox News"-Chef Rupert Murdoch dem US-Präsidenten bei einem privaten Dinner geraten, Bannon zu feuern. Auch Bannons unliebsamer Widersacher Kushner soll bei dem Essen dabei gewesen sein. Vertraute von Bannon vermuten, dass auch dieser für seine Entlassung geworben haben soll.   

Keine Scheu vor Amtsenthebung von Donald Trump?

So scheinen auch die Pläne von Bannon nicht weit hergeholt. Er wolle mit "Fox News" von "rechts konkurrieren", berichtet "Vanity Fair". "Fernsehen ist definitiv eine Option", so ein Berater zu dem US-Magazin. Die Milliarden von Hedgefonds-Manager Robert Mercer sollen es möglich machen. 

Für Donald Trump bedeutet die vermeintliche Kampfansage allerdings auch Grund zur Sorge. Sollte seine Politik zunehmend die Handschrift seines gemäßigteren Flügels tragen, berichtet "Vanity Fair", könnte "Breitbart" auf an der Absetzung von Donald Trump selbst arbeiten. "Wir sind bereit, Paul Ryan (Sprecher des Repräsentantenhauses, Anm. d. Red.) die Stimmen für eine Amtsenthebung zu beschaffen", zitiert das Magazin einen hochrangigen "Breitbart"-Mitarbeiter.

fs

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