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16. Januar 2007, 14:57 Uhr

Brüssel stellt schwarze Liste ins Netz

Die Europäische Union will ernsthaft und mit Nachdruck gegen so genannten "Killerspiele" vorgehen. Jetzt haben die Europäer beschlossen, eine schwarze Liste anzufertigen und diese ins Internet zu stellen. In Deutschland wird weiter über ein Verbot gestritten.

Es gibt zwar angeblich eine Menge "Killerspiele", aber kaum verwertbare Pressebilder dazu. Hier ist eines der wenigen. Es zeigt die Brille eines "Gamers", in der sich ein Schriftzug spiegelt© DPA

Nun will auch die EU gegen so genannten "Killerspiele" vorgehen. Im Internet solle künftig eine Liste jener Filme und Spiele veröffentlicht werden, die in den Mitgliedstaaten verboten seien, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zum Abschluss des Treffens der europäischen Innen- und Justizminister am Dienstag in Dresden. Ein EU-weites Verbot Gewalt verherrlichender Produktionen ist allerdings nicht geplant. "Jeder EU-Staat muss selbst entscheiden, welche Videos er verbietet. Das ist keine Entscheidung, die in Brüssel fallen kann", sagte EU-Innenkommissar Franco Frattini. Bayerns Innenminister Günther Beckstein forderte erneut ein Verbot von Killerspielen in Deutschland.

Homepage namens "InSafe"

Die Liste solle auf der EU-Hompage "InSafe" veröffentlicht werden, die Eltern und Lehrern Hilfestellung für den Jugendschutz im Internet gibt, sagte Zypries. Außerdem würden die Regelungen der EU-Staaten im Umgang mit Gewaltvideos verglichen. Die nationale Zuständigkeit für das Thema solle zwar erhalten bleiben, der europäische Austausch sei aber nötig. Zudem wolle die EU im Laufe des Jahres den Dialog mit den Herstellern von Video- und Computerspielen sowie Internetprovidern suchen. "Der Schutz der Kinder darf keine Grenzen kennen", sagte Frattini. Sein Ziel bleibe die Harmonisierung des Jugendschutzes in Europa. Konkret geht es ihm dabei um eine einheitliche Bestrafung von Händlern, die Gewaltvideos an Minderjährige verkaufen. "Gewalt sollte nicht glorifiziert, sondern reduziert und bekämpft werden", sagte der Kommissar. Zugleich müssten die Kontrollen verstärkt werden, um die Identität der jugendlichen Käufer dieser Videos und Spiele zu klären. Die Homepage "InSafe" solle dazu dienen, dass Internetnutzer die Polizei rasch über Gewalt verherrlichende oder gefährliche Inhalte des weltweiten Computernetzes informieren könnten.

Zypries kritisiert Beckstein Zypries wies Forderungen Becksteins nach einem Verbot von Gewaltspielen im Internet scharf zurück. "Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man im Internet irgendetwas verbieten könnte (...). Das ist, als ob man das Regnen verbieten wollte", sagte sie. Eine in Deutschland verbotene Internetseite könne schon am nächsten Tag auf dem Umweg über die USA oder die Karibik wieder im Netz auftauchen. Im übrigen seien Gewalt verherrlichende Videos in Deutschland verboten. Außerdem gebe es die Freiwillige Selbstkontrolle, um Filme altersgerecht einzustufen. Beckstein hatte am Rande des Treffens ein Verbot von Killerspielen in Deutschland gefordert. Menschenverachtende Spiele, in denen es eindeutig um das Einüben des Tötens gehe, müssten aus dem Verkehr gezogen werden, sagte er. Dies gelte besonders mit Blick auf Taten wie im Mecklenburg-Vorpommerschen Tessin, wo zwei Jugendliche am Wochenende offenbar "exakt nach Drehbuch" eines solchen Spiels ein Ehepaar getötet hätten. Zugleich bekräftigte Beckstein seine Pläne, binnen zwei Monaten eine Bundesratsinitiative für ein strafbewehrtes Verbot der Spiele auf den Weg zu bringen.

Tessiner Tat an Spiel angelehnt?

In Tessin hatten zwei 17-Jährige ein Ehepaar erstochen. Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Jugendlichen hätten Computerspiele gespielt und sich am Tatabend mit ihren Spielnamen angeredet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es aber noch keine klaren Erkenntnisse, ob die beiden solche Computerspiele spielten. Vielleicht würden die Computer noch am Dienstag beschlagnahmt, erklärten die Ermittler.

Reuters
 
 
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