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20. Mai 2010, 10:39 Uhr

Obama spricht von "Akt der Aggression"

Könnte der Untergang einer südkoreanischen Korvette einen Krieg auslösen? Die Drohungen zwischen Nord- und Südkorea werden lauter, die Angst in der Region wächst. China mahnt zur Besonnenheit.

Nordkorea, Südkorea, versenktes Kriegsschiff, gesunkenes Kriegsschiff, Korvette

Demonstration gegen nordkoreanische Aggression am Bahnhof Suwon, südlich von Südkoreas Hauptstadt Seoul© Jo Yong-Hak/Reuters

US-Präsident Barack Obama hat Nordkorea für den Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes vor acht Wochen verantwortlich gemacht und dem kommunistischen Land "inakzeptables Verhalten" vorgeworfen. Wie ein Sprecher des Weißen Hauses am Donnerstag in Washington mitteilte, habe Obama den "Akt der Aggression", der zum Untergang der südkoreanischen Korvette "Cheonan" im Gelben Meer geführt habe, "scharf verurteilt". Dem südkoreanischen Präsidenten sprach der US-Präsident seine Anteilnahme am Tod der 46 Seeleute aus.

Ein am Donnerstag von einem internationalen Expertenteam in Seoul vorgelegter Bericht zum Untergang des 1200 Tonnen schweren Schiffes war zu dem Schluss gekommen, dass die "Cheonan" nahezu zweifelsfrei von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. Der Angriff nahe der innerkoreanischen Seegrenze stelle eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit dar und sei ein klarer Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen, hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses. Nordkorea müsse verstehen, "das Kriegslust gegenüber seinen Nachbarn und die Herausforderung der internationalen Gemeinschaft Zeichen der Schwäche sind" und nur die eigene Isolation verschärfen. Den Untersuchungsbericht des Expertenteams nannte die US-Regierung eine "objektive und wissenschaftliche Bewertung der Beweise".

China fordert Zurückhaltung ein

Unterdessen hat China die beiden koreanischen Staaten am Donnerstag zu Zurückhaltung aufgefordert. Die chinesische Regierung werde eine Bewertung des südkoreanischen Berichts vornehmen, der von einem nordkoreanischen Torpedo-Angriff auf ein Schiff des Landes ausgehe, kündigte das Außenministerium in Peking an. Südkoreas Regierung erklärte in Seoul, sie sehe es nach einer Untersuchung als erwiesen an, dass die Korvette "Cheonan" von einem nordkoreanischen U-Boot versenkt worden sei, und kündigte Sanktionen gegen ihren kommunistischen Nachbarn an. Nordkorea drohte daraufhin mit "totalem Krieg". Die westlichen Staaten hoffen auf einen positiven Einfluss Chinas, das der einzige wichtige Verbündete Nordkoreas ist.

Durch den Vorfall im Gelben Meer vor acht Wochen haben sich die ohnehin großen Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea weiter zugespitzt. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak warf Nordkorea "militärische Provokation" vor und kündigte resolute Schritte gegen das kommunistische Nachbarland an, worauf das Regime in Pjöngjang mit der Krieg und Vergeltung für den Fall drohte, dass gegen das Land Sanktionen erlassen würden.

"Überwältigende Beweise" für Schuld Nordkoreas

Das zivil-militärische Ermittlerteam hatte in seinem Bericht festgestellt, es gebe "überwältigende Beweise für den Schluss", dass ein U-Boot aus Nordkorea den Torpedo abgefeuert habe. "Es gibt keine andere glaubwürdige Erklärung." Zu dem Ergebnis seien sie durch die Analyse der Bruchstellen am Wrack der "Cheonan" und der am Unglücksort vor der Westküste Südkoreas gesammelten Trümmerteile gekommen.

Unter anderem hieß es, dass geborgene Teile eines Torpedos einem vor Jahren gefundenen Torpedo-Irrläufer aus Nordkorea glichen. Auch gebe es Hinweise dafür, dass sich kleine nordkoreanische U-Boote zum Zeitpunkt des Unglücks in der Nähe der Untergangsstelle aufgehalten hätten. An den Ermittlungen waren neben Südkoreanern auch Experten aus den USA, Australien, Großbritannien und Schweden beteiligt.

Südkorea will UN-Sicherheitsrat anrufen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich höchst beunruhigt über die Untersuchungsergebnisse und die Drohgebährden der beiden koreanischen Staaten. Seoul hatte angedeutet, den Fall um die "Cheonan" vor den Weltsicherheitsrat bringen zu wollen. Für eine Verurteilung oder weitere Sanktionen gegen Pjöngjang durch den Rat wäre es laut Beobachtern wichtig, China von der Schuld Nordkoreas an dem Untergang zu überzeugen.

Durch internationale Zusammenarbeit wolle Südkorea das Regime in Pjöngjang dazu bringen, "seine Missetaten einzugestehen" und in verantwortlicher Weise in die internationale Gemeinschaft zurückzukehren, sagte Staatspräsident Lee in einem Telefonat mit dem australischen Regierungschef Kevin Rudd. Lee wolle am Freitag in Seoul den Nationalen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen und kündigte "resolute Gegenmaßnahmen" an. Einen militärischen Gegenschlag erwägt die Regierung in Seoul aber offenbar nicht, sondern sie könnte den UN-Sicherheitsrat wegen schärferen Sanktionen gegen Nordkorea anrufen.

Nordkorea wies dagegen jede Verwicklung von sich. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf nordkoreanische Medien meldete, warnte Pjöngjang "vor einem Krieg im großen Stil", sollte es neue Sanktionen gegen das Land geben. Der Untersuchungsbericht sei eine "Fälschung". Nordkorea verlangte, die Ergebnisse von eigenen Ermittlern überprüfen zu lassen - was Südkorea umgehend ablehnte.

Nordkorea: Untersuchungsergebnisse fingiert

Nordkorea bestritt erneut, das Schiff versenkt zu haben. Ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission - das mächtigste Gremium des Landes - unterstellte Seoul, die Untersuchungsbefunde fingiert zu haben. Zugleich habe die Kommission im staatlichen Fernsehen angeboten, ein eigenes Ermittlungsteam zu schicken, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

An der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer ist es bereits wiederholt zu Gefechten zwischen Schiffen beider Länder gekommen. Beide koreanischen Staaten befinden sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch kein Friedensvertrag geschlossen worden ist.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
LaoLu (21.05.2010, 02:17 Uhr)
Na gut, der nächste Herr, dieselbe Dame: Johann bitte!
Ich versuche absolut nicht, China zu einem "lupenreinen demokratischen Staat"
(Btw: was das denn???) zu machen.
China ist ein ehemals kommunistischer Staat, der sich durch geschickte Ausnutzung der mehr und mehr globalisierten Weltwirtschaft (und aller ihrer Exzesse) zu einem global player entwickelt hat. H A T.
Bei insgesamt halbwegs vertretbarer Ausbeutung seiner Menschen (man vergleiche das mal mit dem anderen Riesen in dieser Region, Indien!)
Und für mich ist logisch, warum die Regierungsarbeit der Herren in Beijing so effizient ist: weil ein Hu Jintao nicht einen großen Teil seiner Energie auf Imagepflege zwecks Wiederwahl nach bereits 4 Jahren verschwenden muß.
Und weil China nicht plötzlich (durch Koalitionserfordernisse) Knallchargen auf wichtigen Positionen wie dem Außenamt verkraften muß.

Aber wir waren ja eigentlich bei Nordkorea. Die PRC hat traditionell enge Beziehungen zu diesem Staat, man denke nur mal an den Koreokrieg vor langer, langer Zeit.
Heute nutzt China diese Beziehungen, um bei Bedarf mäßigend auf Kim &Co einzuwirken.
Etwas, wofür wir eigentlich dankbar sein sollten, oder?

Ob man Seemanöver mit alliierten Streitkräften in der unmittelbaren Nähe der nordkoreanischen Gewässer auch zu mäßigenden Maßnahmen zählen kann, wage ich zu bezweifeln.
LaoLu (21.05.2010, 01:08 Uhr)
OK, auwei, Ihre Vorwürfe
sind wenigstens halbwegs sortiert.
Fangen wir mal hinten an:

Einbetonierte Gerontokratie: wen von den derzeit Regierenden meinten Sie?
Hu? Wen? Den Außenminister?

Korruption: Großes Problem, besonders auf der mittleren und unteren (regionalen) Ebene. Wird bekämpft und nimmt m.E. ab, was man von westlichen Demokratien ja nun nicht gerade behaupten kann.

Unterdrückung von Minderheiten: Sie zielen dabei wahrscheinlich auf die Tibeter und die Uiguren ab - andere Minoritäten kennt der geneigte Chinakritiker kaum.
Beide Volksgruppen machen, freudig unterstützt aus dem Ausland, heftig Stress im Lande.
Die (Exil-)Tibeter haben den Chinesen (und ich schreibe hier ganz bewußt von den Chinesen) ihre schöne Olympiade kaputtgemacht.
Und die Uiguren machen halt von Zeit zu Zeit ein paar Hanchinesen breit.

Zensur: Gibt es. Hat aber auch wenig mit den uns Deutschen noch gut bekannten Abschottungsbemühungen der ExDDR zu tun.
China blockt z.B. im Netz Seiten, auf denen "antichinesische Propaganda" betrieben wird.
So ist die Seite der Deutschen Welle (DW-TV) nicht zu erreichen, alle anderen TV-Stationen aber ohne Probleme.

Verhaftung von Regimegegnern: Gibt's auch. Andererseits: Ai Weiwei läuft (und reist) frei rum.

And, last not least: Todesurteile.
Ja, China hat die Todesstrafe und setzt sie auch ein.
Gerne auch gegen so lächerliche Dellikte wie gepanschtes Milchpulver und Korruption.
Selten gegen Regimegegner.

S-achte (20.05.2010, 20:59 Uhr)
@joahann
'Der wirtschaftliche Aufschwung der VR China hat mit dem 'Geiz ist geil' Denken der Industriestaaten zu tun, der China einen vermeintlichen Wohlstand beschert damit man in Europa und Nordamerika billig Konsumware anbieten kann.'
Und wessen Problem ist das dann? Und wie ist die Idee, dieses Riesenreich in die Moderne zu führen? Hast Du irgendwas Produktives beiszusteuern?
Wir sehen uns dann bei ... ALDI ... Toys'r'us ... Skiklamotten einkaufen ... Media Markt ... Deichmann ... etc.. Oder läßt Du bei alteingesessenen Manufakturen arbeiten? Dann Chapeau!
Umit (20.05.2010, 19:46 Uhr)
...
@Johann 58
Zum Vergleichen mit Bevölkerungszahl sind die Todesurteile in China noch relativ geringfügig.
Umit (20.05.2010, 19:28 Uhr)
Eine gleiche Frage
@Johann 58
Der wirtschaftliche Aufschwung der Westen hat mit hoher Verschuldung zu tun.

Es wäre ja interessant zu erfahren wie viel Wirtschaftswachstum in Deutschland übrig bleibt wenn die Exporte wegfallen?

Es gibt kein anderes Land auf der Erde, in dem so viele Todesurteile verhaengt und vollstreckt werden wie in der Volksrepublik China.

Ja, aber bitte vegessen Sie auch nicht: China ist auch bevölkerungsreichste Nation der Welt (1.4 Milliarden).

Johann58 (20.05.2010, 17:09 Uhr)
@LaoLu
machen Sie nicht aus einer, na sagen wir mal zweifelhaften Diktatur, ploetzliche einen lupenreinen demokratischen Staat. Es gibt kein anderes Land auf der Erde, in dem so viele Todesurteile verhaengt und vollstreckt werden wie in der Volksrepublik China.

Der wirtschaftliche Aufschwung der VR China hat mit dem 'Geiz ist geil' Denken der Industriestaaten zu tun, der China einen vermeintlichen Wohlstand beschert damit man in Europa und Nordamerika billig Konsumware anbieten kann.

Es waere ja interessant zu erfahren wie viel Wirtschaftswachstum in der VR China uebrig bleibt wenn die Exporte wegfallen.

Die VR China wird sich aus dem Konflikt Nord/Sued-Korea weitgehend raushalten, auch wenn China der letzte Verbuendete Nord Koreas ist, weiss die Fuehrung in Peking sehr wohl, dass ein Krieg mit Beteiligung Chinas, zumindest einer eindeutigen Parteinahme fuer Nord Korea wirtschaftlich unuebersehbare Folgen haben wird.

Ich glaube kaum, dass es ausser ein paar Scharmuetzeln aktuell zu groesseren Kampfhandlungen kommen wird, da der Idiot in Nord Korea letztendlich wohl schlau genug sein wird zu wissen, dass er dann ausgespielt hat.
Helmers (20.05.2010, 16:50 Uhr)
Aggression gegen den Euro kommt aus USA und GB
Anstatt endlich über das Verhalten unserer angloamerikanischen Verbündeten zu reden, die ihren Finanzsektor nicht regulieren wollen und von den Blutsaugern leben, sollten wir denen einmal erklären, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist und wir als erstes unsere Bundeswehreinheiten in unser Land zurückholen werden, da sparen wir wenigstens ca. 50 Milliarden vorläufig. Wir werden sowie so aus finanziellen Gründen nicht mehr länger den angeblichen Weltpolizisten Amerika unterstützen können. Der Bundestag müsste ein weiteres Mandat sofort zurückziehen, wenn gespart werden soll.
auwei (20.05.2010, 15:48 Uhr)
@LaoLu
Zitat: "ich beobachte derweil wohlwollend das "Regime" in Beijing bei seinen Bemühungen, dieses rückständige Riesenreich in die Moderne zu führen." Das ist - zugegeben - eine enorme Aufgabe. Ob dafür aber wirklich unzählige Todesurteile, Verhaftungen von Regiemegegnern, Zensur, Unterdrückung von Minderheiten, Korruption und eine einbetonierte Gerontokratie notwendig sind? Oder sind das wirklich alles Zeitungs(Peking-)Enten?
LaoLu (20.05.2010, 15:28 Uhr)
@knilch_59
Ich wollte Ihnen eigentlich antworten auf Ihr Posting von 13:50 -
habe mich aber entschlossen, das nicht zu tun, ich möchte die Masse Ihrer festgefügten Vorurteile auf keinen Fall ins Wanken bringen.
Gehen Sie ruhig weiter rote Sümpfe austrocknen, ich beobachte derweil wohlwollend das "Regime" in Beijing bei seinen Bemühungen, dieses rückständige Riesenreich in die Moderne zu führen.

Ach ja: das mit Indien meinten Sie nicht ernst, oder?
galahad610 (20.05.2010, 14:55 Uhr)
?
es geht nicht darum was ICH glaube,sondern waas SIE beweisen können..und die untersuchungen zeigten das es sich um ddr-teile handelte..wenn sie also bereit sind zu glauben das es sich um deutsche teile handelt müssen sich auch konsequent sein und zugestehen das es sich um alte teile handelt...ansonsten würde es nämlich nichts anderes bedeuten,als das sie sich die wharheit zurechtbiegen wie es gerade passt...der,der behauptungen aufstellt,muss sie halt auch beweisen(können)....
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