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22. Juni 2008, 10:40 Uhr

"Irgendwann bricht eine Revolte aus"

Er ist der älteste Sohn des Pastors und Bürgerrechtlers, der für seinen Kampf um die Gleichberechtigung der Schwarzen vor 40 Jahren ermordet wurde. Für Martin Luther King III. spielt Hautfarbe auch heute noch eine große Rolle im Leben Amerikas. Auch bei den Wahlen im November.

Er setzt die Arbeit seines Vaters fort und kümmert sich vor allem um Arme in Amerika: Martin Luther King III.© Dan Kitwood/Getty Images

Mr. King, herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter Yolanda..

Vielen Dank.

Das erste Enkelkind Ihres Vaters, wäre er noch am Leben.

Ich bin mir sicher, dass er vom Himmel mit einem Strahlen auf uns blickt. Ich stelle mir vor, wie er heute wohl wäre - als weißhaariger Großvater, fast 80 Jahre alt.

Und, wie wäre er?

Sehr stolz. Sehr liebevoll. Er war ein wunderbarer Vater in den wenigen Jahren, die wir mit ihm hatten.

Erinnern Sie sich noch an jene Todesnacht vor 40 Jahren?

Ja, als wäre es gestern. Meine Geschwister und ich schauten Fernsehen zu Hause in Atlanta, als die Meldung eintraf: Auf Dr. Martin Luther King Junior wurde geschossen. Wir rannten zu unserer Mutter ins Schlafzimmer. Mutter setzte sich zu uns ans Bett und sagte, Daddy sei nun bei Gott, eines Tages würden wir ihn wiedersehen.

Haben Sie damals als Zehnjähriger begriffen, welche Tragweite sein Tod hatte?

Nein, für uns war er nur Daddy. Aber dann besuchten uns alle: Richard Nixon, Bobby Kennedy, Jackie Kennedy, Bill Cosby, Marlon Brando, Aretha Franklin. Da begriff ich: Mein Vater muss ein sehr wichtiger Mann gewesen sein.

Sie tragen seinen Namen.

Ja, und das ist eine ungeheure Herausforderung. Er war eine alles überragende Persönlichkeit. Meine Mutter erzog uns nach der Devise: "Du musst nicht wie Vater sein. Du musst die Bürgerrechtsbewegung nicht anführen. Sei einfach der beste Martin, der du sein kannst." Ich versuche heute, mit meiner Arbeit seinen Traum von einer gerechten Welt zu verwirklichen.

Was würde Ihr Vater von dieser Welt halten?

Er wäre sehr enttäuscht von Amerika. Enttäuscht, dass eine Nation, die so viel zu bieten hat, sich in einem solch traurigen, ja tragischen Zustand befindet. Mein Vater sprach immer davon, die drei großen Übel zu überwinden: Armut, Militarismus, Rassismus. Schauen Sie, wo wir heute stehen.

"Ich habe einen Traum." Martin Luther King bei seiner berühmtesten Rede im August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington© AP

Wo stehen wir?

Die Armut hat zugenommen. Zu seiner Zeit lebten 22 Millionen Amerikaner in Armut, heute sind es 37 Millionen. Ich war gerade auf einer Tour zu 20 sozialen Brennpunkten, in Miami, Detroit, East St. Louis, Oakland. Überall das gleiche Bild: schlechte Schulen, keine Krankenversicherung, keine Jobs, hohe Kriminalität. Ein Teufelskreis. Irgendwann bricht eine Revolte aus.

Eine Revolte? Ist das Ihr Ernst?

Ja, ich weiß nicht, wie nah wir davorstehen, aber die Lebensmittelpreise steigen, die Gallone Benzin kostet vier Dollar und könnte auf sechs Dollar steigen, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Hätten wir nur die Hälfte der Irak-Kriegskosten in unser eigenes Land investiert, hätten wir Amerika fit machen können fürs 21. Jahrhundert. Unter Bush hat der Militarismus seinen Höhepunkt erreicht. Seine Haltung ist: Wir haben die größte Knarre von allen - und das zeigen wir auch. Auge um Auge, Zahn um Zahn, bis alle Zähne draußen sind.

Aber zumindest das dritte Übel, der Rassismus, ist heute doch weniger ausgeprägt als vor 40 Jahren.

Wir haben große Fortschritte gemacht, aber noch einen weiten Weg vor uns. In New York wurden gerade drei Polizisten freigesprochen, die einen Schwarzen mit 50 Schüssen niedergestreckt hatten. Hier in Atlanta wurde eine 80 Jahre alte schwarze Frau während einer Drogenrazzia erschossen, von 30 Kugeln durchsiebt. In Philadelphia haben Polizisten vor wenigen Wochen Afroamerikaner aus einem Auto gezerrt und misshandelt. In weißen Gegenden passiert so was nicht.

Aber ist mit dem Aufstieg Barack Obamas zum Präsidentschaftskandidaten nicht der Traum Ihres Vaters Realität geworden?

Ein Schwarzer im Weißen Haus ist nicht die Erfüllung seines Traums. Vielleicht ein Teil davon. Sein Traum wird erst wahr, wenn alle Amerikaner eine Krankenversicherung haben, alle den gleichen Zugang zu guten Schulen, zu Jobs, zu bezahlbaren Wohnungen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 25/2008

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Is2a3bella (24.06.2008, 20:33 Uhr)
@ MamfredBuchholz
Langweilig!?
Eher passend Herr "MamfredBuchholz".
MamfredBuchholz (24.06.2008, 11:29 Uhr)
@isabell
ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Sie immer das Gleiche zu den verschiedensten Themen posten? Finden Sie das nicht langweilig?
Is2a3bella (24.06.2008, 10:16 Uhr)
"Das Land droht
im Chaos zu versinken. Räuberbanden tyrannisieren Reisende und Kaufleute, Adel und Klerus bereichern sich ungestört auf Kosten des hungernden Volkes. Doch König Enrique ist zu schwach, um die Ordnung wieder herzustellen. Als seinen Feinden ein Mordanschlag gelingt, entbrennt ein Krieg um die Erbfolge. Enriques Schwester Isabella setzt sich durch und wird zur Legende der spanischen Geschichte. Mit eisernem Willen und bestechendem Intellekt macht sie Spanien an der Seite ihres Mannes zur Großmacht. Das bewegte Leben der Frau, die Columbus auf die Reise schickte und die Mauren in die Flucht schlug."
Quelle
Ich, die Königin
ISBN-10: 3404156714
ISBN-13: 978-3404156719
J.Stahl (23.06.2008, 16:43 Uhr)
ich hoffe
das mit der wahl von obama endlich ein neues kapitel in der geschichte der usa aufgeschlagen wird.
MamfredBuchholz (23.06.2008, 14:55 Uhr)
@loki
ach was. In den USA hätten Sie gerne mehr davon und hier in Deutschland greifen Ihre Freunde gerne schon mal zum Basdeballschläger, wenn Sie auf Schwarze treffen...Komisch ;-)
sotospeak (23.06.2008, 02:02 Uhr)
Der Nazisender Fox...
... und sein Propagandaminister Bill O'Reilly werden alles dafür tun, Obama in die Terroristenecke zu schieben (Obama - Osama !!!). Man muss nur mal auf YouTube suchen (Stichworte: obama fox news). Würde mich auch nicht wundern, wenn einer von Fox' psychopathischen Zuschauern letztlich die Hetze in Taten umsetzt.
Loki-Asgard (22.06.2008, 20:03 Uhr)
Schade
Es ist schade das Amiland nicht mehr Männer wie King hat.
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