6. November 2008, 12:33 Uhr

Die wahren Geografie-Lücken der Sarah Palin

Intellektuell wirkt sie bisweilen unbeholfen, und auch sonst weist Sarah Palin, bis gestern Vizepräsidentschaftskandidatin von John McCain, manche Wissenslücke auf. Wie wenig sie wirklich über die Welt weiß, wurde erst jetzt bekannt.

US Wahl, John McCain, Republikaner, Vizekandidatin

War scheinbar überfordert: McCains Berater plauderten in den Medien über Sarah Palins Wissenslücken©

Die Wahl ist verloren, die Stunden der Wahrheit sind angebrochen. Im Wahlkampfteam des unterlegenen John McCain werden nun die Messer gezückt - und Wahrheiten verkündet, deren vorheriges Bekanntwerden tunlichst verhindert wurde. Und so gibt es neue Erkenntnisse, die vor allem McCains Vizekandidatin Sarah Palin betreffen. Die Gouverneurin von Alaska sei von Anfang an eine riskante Wahl gewesen, heißt es. Schon vor dem Parteitag der Republikaner hätten einige McCain-Berater Palins Eignung für das Amt der Nummer zwei im Staate angezweifelt, berichtet der konservative US-Sender "Fox News".

Stück für Stück habe sich bestätigt, dass die Gouverneurin Alaskas der Aufgabe nicht gewachsen sei. Ihre Wissenslücken hätten McCains Berater zur Verzweiflung gebracht. So wusste Palin offenbar nicht, welche Staaten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) unterzeichnet hatten, berichtete ein Reporter von "Fox News". Peinlich, denn die drei Länder sollte sie eigentlich kennen: Es sind die USA, Mexiko und Kanada. Geografische Kenntnisse über ihren Heimatkontinent scheint sie auch nicht zu haben. Sie habe Probleme gehabt, alle Länder Nordamerikas aufzählen zu können, wird laut "Fox News" behauptet.

Sobald sich die geografischen Kenntnisse auf Gebiete außerhalb Amerikas erstreckten, sei Palin ohnehin verloren gewesen. Was ist eigentlich Afrika? So genau wusste Palin das offenbar nicht. Ihr habe erklärt werden müssen, dass Afrika ein Kontinent ist und kein eigenständiges Land.

Aber nicht nur die weißen Flecken auf Palins innerer Landkarte verstörten die Umgebung der eigenwilligen Vizekandidaten, auch andere Aktionen riefen Stirnrunzeln hervor. Eines Tages, als man sie von ihrem Hotel abholen wollte, kam Palin geradewegs aus der Dusche und stand im Bademantel vor den überraschten Gästen. McCain Berater beschwerten sich zudem über den Kaufrausch der Nummer zwei. Diese sei gerne auf große Shoppingtour gegangen: Dabei habe sie doch schon genug passende Kleidung gehabt, hieß es.

Anekdoten aus dem Wahlkampf 2008, die eines klar belegen: Es passte nicht zwischen Palin und ihrem Team. Vielleicht war es deshalb auch ein wenig Trotz, der Palin dazu brachte, jede Vorbereitung für ein TV-Interview mit dem US-Sender CBS abzulehnen. Was folgte, war ein Desaster für McCain und reichlich Futter für amerikanische Comedy-Shows. Mit ihrem Blödsinn über Russland, das man von Alaska aus sehen könne, und den immer gleichen Wahlkampfparolen, machte sie sich an nur einem Abend zu einer Karikatur einer Vizekandidatin.

Wutanfall nach TV-Patzer

Das Gelächter war groß, doch Palin selbst fand die Sache gar nicht komisch. Ihren ganzen Frust über den TV-Patzer habe sie anschließend an ihren Mitarbeitern ausgelassen. Als sie morgens die Zeitungen aufschlug und die Häme und Kritik über ihren TV-Auftritt las, habe sie einen Wutanfall bekommen, so "Fox News". Das Verhältnis zu ihrem Beraterstab war nun endgültig zerrüttet. Palin sei danach so gehässig zu ihren Mitarbeitern gewesen, dass einige Mitarbeiter oftmals in Tränen ausgebrochen seien.

Palins Eskapaden führten offenbar zu Streitereien innerhalb des McCain-Lagers. Ein außenpolitischer Berater von McCain wurde sogar gefeuert, weil er die internen Angriffe auf Palin und das Lästern hinter ihrem Rücken öffentlich machte.

Palin selbst zeigte am Wahlabend ein wenig Reue. "Falls ich John McCain Stimmen gekostet haben sollte, dann tut es mir Leid. Ich glaube John McCain ist ein amerikanischer Held." Obamas Wahlsieg könnte ein doppelter Segen für Amerika sein: Ein Hoffnungsträger übernimmt das Präsidentenamt, und eine Dilettantin muss die Rückreise antreten. In die politische Provinz nach Alaska. Doch wer weiß, vielleicht kommt sie in vier Jahren wieder zurück. Zumindest ihre Fans glauben daran. Begeistert riefen Anhänger "2012! 2012!", als Palin auf dem Flughafen von Anchorage das Flugzeug verließ.

tob
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Morgenlandfahrerin (07.11.2008, 10:36 Uhr)
Bauernopfer
Ich gebe Georges13437 ziemlich zu Anfang der Kommentarliste Recht. Das Wegtreten der Palin interessiert jetzt niemanden mehr. Was ich erschreckend finde, ist, dass es die amerikanische Pro-Obama Presse geschafft hat, Palin durch irgendwelche ominösen Geschichten zu verunglimpfen. Den Republikanern ist es Recht: Können Sie so doch eine Schuldige für das Wahldebakel ausmachen. Frau Palin wurde von Anfang an von den Republikanern instrumentalisiert und wird jetzt als Bauernopfer dargebracht. Das erinnert mich irgendwie an Lynchjustiz. Dass sich diese hier hier und heute manifestieren kann, spricht nicht für den menschlichen Charakter. Pfui Teufel. Ach ja... ich bin sehr froh über die Wahl Obamas!!
FwBo (07.11.2008, 04:34 Uhr)
Stammtischproleten
erschuetternd, was hier groesstenteils zu lesen ist
marihuhna (07.11.2008, 02:37 Uhr)
Liebe(r) tagora-sagittara
Bei Obama von "Links" zu reden zeugt einmal mehr von erschreckender deutscher Unkentniss amerikanischer Politik. Das meiste Wissen über mein Land besteht aus Vorurteilen oder Fehlinformationen. Am deutschen Parteispektrum gemessen wäre Obama irgendwo in der Mitte der CDU zu finden. Soetwas wie die Sozialdemokratie oder Sozialismus gibt es bei den Demokraten nicht! Also erst informieren und dann heiße Luft verbreiten. Danke!
tagora-sagittara (07.11.2008, 00:40 Uhr)
Also ich seh das erst mal positiv...
wenn Obama die ersten 6 Monate überlebt, kann man wirklich hoffen.
Wenn nicht ,... werden wir alle vieleicht noch ein amerikanisches Wunder erleben.
Hätte McCain gewonnen,... hätten die Waffenschmiede wieder alles im Griff gehabt.
So können wir auch auf ein "Change" bei der nächsten "deutschen Wahl" hoffen um diese Jammergestalt "W"erkel quit zu werden.
Unsere Zukunft ist genau wie bei den Amis LINKS... alles andere ist "Verderben auf Raten"!!
Georges13437 (06.11.2008, 23:30 Uhr)
Wen interessiert denn das noch ?
Die Wahl ist gelaufen und Sarah Palin geht nach Alaska zurück. Mich tangieren solche Nachtretereien nicht, denn sie verändern die Welt nicht und bringen den Menschen keinen Mehrwert.
Georges13437
lazarus06 (06.11.2008, 22:36 Uhr)
@tricky_dude .. Der Glaube allein versetzt Berge
Ich weiß..:-)
Und wenn dann der Aufschwung / Wandel nicht bei allen angekommen ist hat man halt nicht fest genug geglaubt .
Und das Bush ein Idiot ist,ja das ist doch seit Jahren ein offenes Geheimniss nur traut man sich erst jetzt von Medienseite es öffentlich zu bestätigen.
tricky_dude (06.11.2008, 22:19 Uhr)
@lazarus06
Vielleicht weil das amerikanische Volk die Schnauze gehörig voll hat. Aber man kann alles schlechtreden, typisch DEUTSCH.
lazarus06 (06.11.2008, 21:51 Uhr)
So sind'se halt die Stimmviehcher.. Rettungslos verblödet
Beweis:Sternumfrage Obama 75% glauben es wird sich was Bessern selbst bei uns..dank Obamas " Wandel "
BULLSHIT.. der Wandel riecht wie Merkels AUFSCHWUNG. Leute was glaubt ihr,wer hat den Wahlkampf Obamas bezahlt ? Doch nicht seine unemployed poor Black People ?! Wem wir er also in erster Linie verpflichtet sein..RICHTIG seinen GÖNNERN UND GELDGEBERN .. Na fällt der Groschen ?? WAS GLAUBT IHR ALSO KANN DER MANN WIRKLICH ÄNDERN UND WARUM ?
kikihei (06.11.2008, 21:50 Uhr)
Wenn man mal runterbricht...
...wieviel von den 700.000 Alaskabewohnern eigentlich wahlberechtigt sind, und wieviele davon letztendlich überhaupt wählen gegangen sind und mit welcher Prozentzahl Mrs. Palin gewählt wurde, dann waren das nicht wirklich viele, die für sie gestimmt haben, oder??
Ich bin froh, daß sie jetzt wieder verschwindet und das hoffentlich auf Nimmer Wiedersehen.
SethusCalvisius (06.11.2008, 21:01 Uhr)
Im Grunde ist es völlig egal,
was ein Präsident oder Kanzler oder wer auch immer weiß. Die Worthülsen, die im Normalfall abgesondert werden, hätte auch eine Frau Palin noch lernen können. Viel wichtiger ist die Umgebung eines Präsidenten. Das hat man bei Bush gesehen, das hat man auch bei VW-Mann Schröder gesehen. Also sollte man bei seiner Wahlentscheidung weniger auf das Gefasel in den Interviews achten, sondern darauf, wer ihm seine politischen Entscheidungen einflüstert.
Solche Pannen a la Palin kann man als Politiker übrigens leicht vermeiden, indem man einfach in seinen Reden jede Aussage vermeidet. Wer wissen will, wie das geht, hört sich einfach Steinmeiers Antrittsrede als Kanzlerkandidat an.
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