Malisch-französische Truppen rücken nach Timbuktu vor

27. Januar 2013, 12:58 Uhr

Islamistische Rebellen auf dem Rückzug: Nach der Eroberung der wichtigen Stadt Gao nehmen französischen Truppen jetzt Timbuktu ins Visier. Deutschland will derweil Ausrüstung bereitstellen.

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Kampfpause in Diabaly: Malische Soldaten ruhen sich auf einem Pickup aus©

Die Offensive der malischen und französischen Truppen gegen die islamischen Extremisten im Norden von Mali kommt immer weiter voran. Nach der Eroberung der Islamisten-Hauptstadt Gao haben französische Truppen am Sonntag Luftangriffe auf die Stadt Kidal im Norden Malis begonnen. Nächstes Ziel der Offensive könnte Timbuktu sein.

Islamische Extremisten sollen sich laut malischer Medienberichte aus der legendären Wüstenstadt zurückzuziehen. Bereits seit Ende vergangener Woche sollen malisch-französische Truppen einen Angriff auf Timbuktu vorbereitet haben. "Wir wollen bei der Rückeroberung der besetzten Gebiete keine Minute Zeit verlieren", sagte Armeesprecher Diarran Kone am Telefon. Er fügte hinzu, seine Truppen hätten beim Vormarsch im Norden große Erfolge erzielt. Nur knapp zwei Wochen nach Beginn der gemeinsamen Militäraktion gegen die Islamisten waren die malisch-französischen Einheiten am Samstag in Gao im Norden des Wüstenstaats einmarschiert. Das Verteidigungsministerium in Paris teilte mit, die Soldaten hätten die strategisch wichtige Wabary-Brücke über den Niger und den Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht. Die Stadt war im April 2012 zunächst in die Hände von Tuareg-Kämpfern gefallen und wurde seit Juni von islamistischen Rebellen beherrscht.

Deutschland will Ecowas-Truppen ausrüsten

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas beschloss unterdessen, ihr Truppenkontingent zur Unterstützung der malischen Armee deutlich aufzustocken. Statt der ursprünglich vereinbarten 3300 Mann starken Eingreiftruppe sollen nunmehr bis zu 7700 Soldaten die malische Regierungsarmee unterstützen, beschlossen die führenden Militärs der Ecowas bei einem Treffen in Abidjan in der Elfenbeinküste am Samstagabend. "Wir haben auch schon festgelegt, wie diese Einheiten vor Ort eingesetzt werden", sagte der ivorische Stabschef Soumaila Bakayo der afrikanischen Agentur APA.

Deutschland will die Truppen der Ecowas dabei offenbar mit Ausrüstung unterstützen. Wie der "Spiegel" berichtete, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dies vergangene Woche dem französischen Präsidenten François Hollande zu. Allerdings gehe es dabei nicht um Waffen, sondern um Lastwagen, Stiefel sowie Uniformen für die Soldaten. Bevor Waffen geliefert werden könnten, müssten die afrikanischen Soldaten erst entsprechend ausgebildet sein, hieß es laut "Spiegel" von Seiten der Bundesregierung.

Frankreich hatte Deutschland zudem um Hilfe bei der Luftbetankung seiner Kampfflugzeuge gebeten. Diese Aufgabe wird jedoch nun offensichtlich von den USA wahrgenommen. Das US-Verteidigungsministerium habe beschlossen, französische Flugzeuge, die derzeit in Mali im Einsatz seien, zu betanken, sagte ein Ministeriumssprecher in Washington. Deutschland hatte eine Hilfestellung geprüft, zugleich aber Bedenken geäußert, weil die Luftwaffe über kein System verfüge, das für die Luftbetankung französischer Flugzeuge zertifiziert sei, hieß es in Berlin.

Afrikanische Union berät Truppenentsendung

Die Lage in Mali ist auch wichtigstes Thema beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union, die am Sonntag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zusammenkamen. Der Einsatz afrikanischer Truppen im Rahmen der Internationale Unterstützungsmission für Mali (MISMA) kommt nur langsam voran. Am Freitag hatte der Friedens- und Sicherheitsrat der AU die 54 Mitgliedstaaten aufgefordert, "innerhalb einer Woche" über ihre Pläne zur Truppenentsendung informieren. Die Truppenstärke müsse deutlich erhöht werden.

AU-Kommissionspräsidentin Nkosazana Dlamini-Zuma sagte zu Beginn des zweitägigen Gipfeltreffens, es müsse noch viel getan werden, um alte und neue Konflikte in verschiedenen Ländern zu lösen. Die Bedeutung von Frieden und Sicherheit könne nicht genug betont werden. "Ohne Frieden und Sicherheit kann kein Land und keine Region auf Wohlstand für alle Bürger hoffen", sagte Dlamini-Zuma. Die AU müsse ihre Möglichkeiten, demokratisch gewählte Regierungen zu verteidigen, verbessern.

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