. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
16. Februar 2012, 17:37 Uhr

Der deutsch-griechische Shitstorm

Zwischen Athen und den Euro-Partnern entbrennt ein Krieg der Worte. Die Geldgeber sagen den Griechen mittlerweile unverblümt die Meinung. Die Politiker in dem hochverschuldeten Land fühlen sich entmündigt - und reagieren beleidigt. Von Kai Beller

Griechenland, Finanzminister, Brüssel, Euro-Gruppe, Schuldenkrise, Euro-Retter, Athen, Deutschland

Nicht nur in der griechischen Bevölkerung ist Deutschland derzeit unbeliebt, auch Politiker fühlen sich bevormundet© Orestis Panagiotou/DPA

Die Diplomatie macht gerade Pause in der Debatte um ein zweites Hilfspaket für das vom Bankrott bedrohte Griechenland. Zumindest auf rhetorischer Ebene geht es seit einigen Tagen hoch her zwischen Athen und den Euro-Partnern. Vor allem Deutschland wird in Griechenland zum Buhmann - längst nicht mehr nur für die Demonstranten.

Jüngster Stein des Anstoßes ist Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der die Zuverlässigkeit der griechischen Sparzusagen bezweifelte und eine Verschiebung der im April geplanten Parlamentswahl empfahl. "Ich kann nicht hinnehmen, dass Herr Schäuble mein Land beleidigt", polterte Staatspräsident Papoulias. "Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt? Wer sind die Niederländer? Wer sind die Finnen?", fragte er sichtlich erregt.

Beide Länder gelten als Verbündete der Bundesregierung in der Debatte um weitere Finanzspritzen für das hochverschuldete Land. Schäuble forderte Garantien, dass sich auch eine neugewählte Regierung in Athen an die Sparzusagen hält. "Denn das ist eine ganz unerlässliche Bedingung", sagte er in einem Interview des SWR. Dahinter steckt die Befürchtung, dass das Wahlergebnis radikale Kräfte von rechts und links stärkt. Sie lehnen die Sparpolitik der jetzigen Regierung ab.

Athen fühlt sich bevormundet

Schäubles niederländischer Kollege Jan Kees de Jager sprach sich dafür aus, das zweite Rettungspaket zu verschieben. Es sei vorgeschlagen worden, "bis nach der Wahl zu warten, weil man dann die Verpflichtungen mit der neuen Regierung ausmachen kann", sagte er. Allerdings braucht Griechenland schon im März frisches Geld, sonst droht der Zahlungsausfall.

In Athen wurde der Vorschlag Schäubles als Bevormundung empfunden. "Es hilft nicht, es hilft uns Griechen nicht, wenn Herr Schäuble uns sagt, was für eine Regierung wir haben sollen. Es hilft wirklich nicht unter Partnern", sagte die frühere Außenministerin Dora Bayokannis im Deutschlandfunk. Die Chefin einer kleinen liberalen Gruppe im Parlament unterstützt den Sparkurs der Regierung von Ministerpräsident Lucas Papademos. Ratschläge aus Deutschland und anderen Euro-Ländern hält sie für kontraproduktiv. Aussagen, die Griechenland beleidigten, "die helfen nur den Kommunisten und den Ultrarechten und bestimmt nicht uns".

"Wir strengen uns sehr an"

Die Geldgeber haben die Rücksichtnahme auf griechische Befindlichkeiten aber aufgegeben. Die Regierungen der Euro-Länder sind zunehmend genervt von dem schier endlosen Politiktheater in Athen, das zunehmend vom Wahlkampf geprägt ist. Neu ist, dass sie das auch offen zeigen.

Auch Schäuble machte deutlich, dass seine Geduld begrenzt ist. "Wir setzen alles daran, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten", sagte er zum wiederholten Male. Allerdings könne man kein zusätzliches Geld in "ein Fass ohne Boden" schütten. Damit weist der CDU-Politiker den Griechen die Verantwortung für das Gelingen der Rettungsaktion zu. Geht die Sache schief, lag es an der Regierung in Athen und nicht etwa an einer falsch konzipierten und von den Geldgebern verordneten Sparpolitik.

Die Griechen wollen das nicht auf sich sitzen lassen. "Kritiker überall in Europa werfen uns vor, Griechenland führe keine Reformen durch. Das ist nicht wahr", sagte Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis in Frankfurt. "Wir strengen uns sehr an, das Land zu verändern, zu reformieren, zu erneuern." Er bestritt, dass es eine antideutsche Stimmung in seinem Land gebe.

Venizelos stichelt gegen europäische Partner

Besonnene Worte sind jedoch selten. Finanzminister Evangelos Venizelos interpretierte die Äußerungen der Partner als Rausschmissdrohung. "In der Euro-Zone gibt es manche, die uns nicht mehr haben wollen", sagte er ohne Namen zu nennen. Einige im Ausland und im Inland spielten mit dem Feuer. "Einige spielen mit Fackeln und andere mit Streichhölzern", sagte Venizelos, der sich Hoffnungen machen kann, als Spitzenkandidat der Sozialisten in den Wahlkampf zu ziehen. Angesichts der dramatischen Umfragewerte für seine Partei kann ihm eigentlich nicht an einem frühen Wahltermin gelegen sein.

Parteifreund Chrysochoidis sprach das offen aus. "Griechenland braucht jetzt vor allem Stabilität", sagte er. Regierungschef Papademos solle bis Ende 2013 im Amt bleiben. Insofern fand Schäubles Vorschlag dann doch Gehör.

Übernommen aus ... FTD FTD
mehr

Von Kai Beller
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
EU-Schuldenkrise Griechischer Staatspräsident wettert gegen Schäuble

In der Schuldenkrise verschärft sich der Ton zwischen Griechenland und den übrigen Euro-Ländern stündlich. Während eines Mittagessens mit seinem Verteidigungsminister und führenden Militärs platzte nun dem griechischen Staatspräsidenten der Kragen. mehr...

Spitzentreffen abgesagt Eurogruppe verschiebt Beratungen über Griechenland

Das Treffen der Eurogruppe, um über Griechenland zu beraten wurde kurzfristig abgesagt. Wichtige Forderungen wurden noch nicht erfüllt, weswegen es nur eine Telefonkonferenz der Finanzminister der Eurozone geben wird. mehr...

Proteste in Griechenland Angst vor einem Bürgerkrieg

Auf den Straßen Athens tobt der Widerstand. Die Wut der Griechen gegen die von der EU verordnete Sparpolitik entlädt sich in Gewalt. Droht ein Bürgerkrieg? mehr...

Trotz Einigung in Griechenland Moody's senkt Daumen für sechs Euro-Länder

Nach Standard & Poor's und Fitch stuft nun auch die dritte große Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von Eurostaaten herab. Einen Schuss vor den Bug gab es auch für Großbritannien. mehr...

Wochenmarkt - die Wirtschaftskolumne Griechen brauchen blühende Landschaften

Griechenland steht am Abgrund, das neue Sparpaket treibt die Menschen auf die Straße. Doch statt mit neuen Hilfsmilliarden sollte die EU dem Land ganz anders unter die Arme greifen. mehr...

Schuldenkrise in Griechenland Regierung billigt Sparpaket

Die Regierung bröckelt, Minister treten zurück, dennoch billigt die griechische Regierung das umstrittene Spargesetz. Auf den Straßen kommt es erneut zu Protesten. mehr...

Schuldenkrise in Griechenland Euro-Retter stellen Athen neues Ultimatum

Die Euro-Kassenhüter setzen Griechenland weiter unter Druck: Der Schuldenstaat bekommt das zweite Hilfsprogramm - wenn das griechische Parlament den Bedingungen der Geldgeber bis Mittwoch zustimmt. mehr...

Finanzministertreffen in Brüssel Nagelprobe für den griechischen Sparplan

Das griechische Sparpaket ist beschlossene Sache. Doch Schäuble, Juncker und Co sind noch nicht restlos überzeugt. Die Euro-Finanzminister wollen erst Taten sehen, bevor weiteres Geld fließt. mehr...

Griechenland-Rettung Athen einigt sich auf Sparplan

Nach tagelangen zähen Verhandlungen einigt sich Griechenlands Regierung auf ein Sparpaket. Nun ist Eile geboten, um die dringend benötigten Hilfsgelder bis Mitte März freizugeben. mehr...

Krise in Griechenland Ein Leben in den Miesen

In der deutschen evangelischen Gemeinde in Athen kann man ermessen, welche Härten der Sparkurs den Menschen aufbürdet. Mittendrin: Sozialarbeiterin Birgit Lewer. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe