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16. April 2010, 08:46 Uhr

Wenn Brown und Cameron sich streiten ...

Es war die erste Fernsehdebatte der Parteiführer in der Geschichte des britischen Wahlkampfes. Sieger wurde ein Kandidat, der niemals Premierminister werden kann. Von Cornelia Fuchs, London

 
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Die britischen Parteiführer Nick Clegg, David Cameron und Gordon Brown (v.l.n.r.) bei ihrer Debatte im britischen Fernsehen© Ken McKay/EPA/DPA

Monatelang hatten die Kommunikationsspezialisten der Parteien um das Format der Sendung gefeilscht. Es wurden Regeln aufgestellt für die Fragen aus dem Publikum und die Zeit, die jedem der drei Premierminister-Kandidaten zur Verfügung steht, auf die Sekunde genau abgepasst.

Die Frage war, ob Oppositionsführer und Herausforderer David Cameron im Zweikampf mit Premierminister Gordon Brown den Anschein des Milchbubis loswerden kann, der ihm schon so lange anhaftet. Eine Poster-Kampagne mit einem auf Babypopo-Glätte retuschierten Cameron-Gesicht hatte die Konservativen erheblichen Rückhalt gekostet. Cameron, das war klar, musste in dieser Debatte als klarer Anführer erscheinen. Als Politiker, der nicht nur seinen Kindern Müsli reicht, wie in seinem Podcast zu sehen war, sondern auch einmal rhetorisch zulangt, wenn es die Situation erfordert.

Gala-Auftritt des unscheinbaren Dritten

Gordon Brown dagegen musste im Duell gegen Cameron vor allem sich selbst besiegen: Seine Aufgabe war es, endlich einmal natürlich rüberzukommen, und nicht wie ein Bürokrat, der immer nur mit den gleichen Zahlen jongliert. Es würde helfen, da waren sich die Analysten einig, wenn Brown es schaffen könnte, sein Lächeln zu zügeln, das auf Fotos häufig gefährlich an die sadistische Puppe aus einem bekannten Horrorfilm erinnerte.

Doch es kam anders. In den 90 Minuten wurde den Zuschauern am Donnerstagabend kein Zweikampf präsentiert - es war der Gala-Auftritt des Dritten im Bunde, des Parteichefs der Liberalen, Nick Clegg. Clegg sagte, was sich die anderen nicht trauten. Er war persönlich, wo seine Gegner formelhaft blieben, offen, wo sie abwiegelten. Er wirkte intelligent, ohne überheblich zu sein.

Während Brown in Bürokraten-Formeln wie "Netto-Immigrationszahlen" und "double dip recession" (Rezession mit zwei Talsohlen) versank, führte Clegg aus, wo er sich die Milliarden herholen werde, die der Staat für die Schuldentilgung brauche: von den Bankern und durch die Abschaffung des 100-Milliarden-Pfund teuren Atomwaffenabwehrsystems Trident. Cameron verhedderte sich in langatmigen Anekdoten, die ihm Bürger über Einbrüche in ihrem Haus oder Probleme mit der staatlichen Gesundheitsvorsorge erzählt haben wollen. Clegg wandte sich dagegen direkt an die Fragesteller im Publikum und versuchte - ganz gegen der vorher so sorgsam aufgestellten Regeln - einen Dialog mit den Wählern, die direkt vor ihm saßen.

Einzig wahre Opposition zum Establishment

Es wird für viele Briten das erste Mal sein, dass sie den Parteiführer der Liberalen so persönlich erlebt haben. Und er wirkt sympathisch, weltgewandt. Als Sohn eines englisch-russischen Vaters und einer niederländischen Mutter, spricht er Holländisch und Englisch perfekt. Und Spanisch ebenfalls. Er ist mit der Spanierin Miriam González Durántez verheiratet, mit der er drei Kinder hat.

Clegg wusste im Fernsehen zu nutzen, was diesen Wahlkampf in Großbritannien bestimmt: die fatalistische Abneigung, die ein Großteil der Briten nach Irak-Krieg, Wirtschaftsrezession und mehreren Spesen-Skandalen gegen ihre Politiker hegen. Im Gegensatz zu den beiden großen Parteien sind die Liberalen bei Problemen von Spesen bis Parteispenden glimpflich davongekommen. Und sie haben als einzige Partei gegen den Irak-Krieg gestimmt.

Auf dem Fernsehbildschirm wandelte sich Clegg vom Außenseiter zur einzig wahren Opposition im Land. Das ließ David Cameron alt aussehen - den eigentlichen Herausforderer von Premier Gordon Brown. Und es machte deutlich, wie abgewirtschaftet Brown aussehen kann, während er leere Schlagworte wie "faire Zukunft für alle" abspulte.

Wahlsystem sieht Koalitionen nicht vor

Doch so viele Stimmen Nick Clegg an diesem Fernsehabend auch auf sich vereinen kann: Die Macht gewinnen wird er nicht. Das Wahlsystem in Großbritannien sieht Koalitionen nicht vor. Und auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines neuen Parlamentes ohne eindeutige Mehrheiten groß ist, werden Nick Clegg und seine Liberalen allenfalls eine Minderheitenregierung tolerieren. An der Macht beteiligt werden sie nicht. Mehr als ein Stachel in der Seite der beiden großen Parteien werden Nick Clegg und seine Liberalen niemals sein. Auch das ist ein Grund für die Politikmüdigkeit vieler Briten.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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