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3. November 2010, 15:25 Uhr

John Boehner - Obamas mächtigster Gegner

Er ist jetzt der wichtigste Gegenspieler von Barack Obama: Der Republikaner John Boehner dürfte neuer Präsident des US-Repräsentantenhauses werden. Er ist ein Mann, der Emotionen zeigt, was Amerikaner lieben. Aber: Ein großer Charismatiker ist er nicht.

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Nah am Wasser gebaut: John Boehner

Der Republikaner John Boehner ist bekannt dafür, nah am Wasser gebaut zu haben. Daher kam es nicht überraschend, als der designierte Präsident des Repräsentantenhauses - und damit der mächtigste Gegenspieler von Präsident Barack Obama - bei seiner Siegesrede am Dienstag um Fassung rang. "Ich habe mein ganzes Leben lang dem Amerikanischen Traum nachgejagt", rief der Republikaner aus Ohio mit zitternder Stimme. Er sprach davon, wie er Böden geschrubbt, "jeden miesen Job den es gab" und "jede Nachtschicht, die ich finden konnte" angenommen habe, um seine Ausbildung zu finanzieren. Als er stockt, springen ihm seine Anhänger mit "USA, USA"-Rufen zu Hilfe, verschaffen ihm Zeit.

Boehner ist ein Kleinunternehmer. Er habe "sein Herz und seine Seele" in sein Geschäft eingebracht, bevor er gesehen habe, wie sehr die Politiker in Washington den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hätten, sagt er. Der Werdegang des 60-Jährigen stößt entsprechend bei der amerikanischen Wirtschaft auf Begeisterung. "Die Wall Street durstet danach, jemanden mit praktischer Erfahrung in Washington zu haben", sagt der Analyst Chris Krueger von Capital Concept. Boehner passe da genau ins Bild. Auch dessen Plan, Obamas Reform des Finanzmarkts rückgängig zu machen oder zumindest so weit wie möglich abzuschwächen, gefällt in diesen Kreisen: Sein Wahlkampf wurde von amerikanischen Konzernen massiv unterstützt. Gegner werfen ihm vor, der Wirtschaft schlicht hörig zu sein.

Was Boehner nicht ist: Ein begabter Redner, jemand, der die Leute begeistern kann. Amerikanische Komiker spotten über seine permanente "orange" Bräune. Allerdings gilt er als geschickter Politiker mit der Fähigkeit, Gesetze durchzubringen. Er wurde zuerst 1990 ins Repräsentantenhaus gewählt und arbeitete sich dort hoch, wenn auch mit Rückschlägen. Seit 2007 führt er die Republikaner an, bislang in der Opposition. Die Präsidentschaft der Kammer gilt ihm nun als sicher. Nach dem Präsidenten und Vize-Präsidenten ist es das dritthöchste Amt der USA.

Obama hat sich schon auf Boehner eingeschossen. Er sei viel zu eng mit der Wirtschaft verbandelt und habe eine Politik unterstützt, die unter Präsident George W. Bush das Land in die Rezession getrieben habe, sagte der Demokrat. Boehner seinerseits machte Obama für Maßnahmen verantwortlich, die zu der mit knapp zehn Prozent vergleichweise hohen Arbeitslosigkeit geführt hätten. Er werde alles tun, um die Gesundheitsreform rückgängig zu machen, hat Boehner erklärt - "damit meine ich alles". Finanzmarkt- und Gesundheitsreformen sind die beiden wichtigsten Projekte aus Obamas bisheriger Amtszeit.

Ob die beiden Männer überhaupt zusammenarbeiten können, blieb zunächst unklar. Nach der Wahl rief Obama Boehner an, um ihm zum Sieg zu gratulieren. "Sie haben darüber gesprochen, sich gemeinsam auf die Prioritäten des amerikanischen Volkes konzentrieren zu wollen", sagte ein Mitarbeiter der Republikaner zu dem Gespräch. Für Boehner sei das die Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Kürzung der Ausgaben. Boehner haben dem Präsidenten gesagt: "Das ist das, was man von uns erwartet."

Reuters
 
 
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