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22. Juni 2010, 15:44 Uhr

Standing Ovations für Gauck

Für das Publikum im Deutschen Theater von Berlin ist der Fall klar: Joachim Gauck muss der neue Bundespräsident werden. Mit einer nachdenklichen Grundsatzrede hat der Kandidat von Grünen und SPD die Leute von den Stühlen gerissen. Selbst ein prominentes CDU-Mitglied stimmte in die Standing Ovations ein.

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Begeisterte das Publikum mit seiner Rede im Deutschen Theater in Berlin: Joachim Gauck, Kandidat der Grünen und der SPD für das Amt des Bundespräsidenten© Thomas Peter/Reuters

In einer umjubelten Grundsatzrede hat der Kandidat von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, Wirtschaft, Politik und Parteien gegen wachsende Kritik verteidigt. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler warnte am Dienstag im Deutschen Theater in Berlin davor, die Grundlagen von Freiheit und Demokratie in Zeiten der Krise in Frage zu stellen. Stehenden Beifall erhielt Gauck für seine Ausführungen auch vom ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU), der sich für eine Freigabe der Abstimmung am 30. Juni in der Bundesversammlung ausgesprochen hat.

An der von einem Unterstützerkreis für Gauck aus der Netzwelt organisierten Veranstaltung nahmen auch die Partei- und Fraktionsspitzen von SPD und Grüne teil.

Biedenkopf riss es von seinem Sitz

Der ehemalige Leiter der Stasi-Akten-Behörde sagte in seiner Rede, jetzt sei Tatkraft gefragt: "Wir haben den vorhandenen Sachverstand und unseren - freilich dürren - Mut zusammenzubringen, um den aktuell nächsten Schritt zu tun!" Die Zuschauer des überfüllten Theaters quittierten seine Ausführungen mit minutenlangem Beifall. Biedenkopf erhob sich mit den anderen Zuhörern von seinem Sitz, um Gauck zu applaudieren und zu gratulieren.

SPD-Chef Sigmar Gabriel wertete das Kommen des CDU-Politikers als "großartiges Signal". "Joachim Gauck hat eine reale Chance, es sei denn, Union und FDP machen aus der Bundesversammlung eine Delegiertenversammlung", sagte Gabriel nach der Veranstaltung. Der Koalition warf er vor, kritische Geister systematisch auszugrenzen. "Da zeigt der Parteienstaat noch einmal die Fratze, die die Leute ohnehin vermuten."

Die Schriftstellerin Monika Maron warf den Parteien in ihrer Eingangsrede eine "Selbstermächtigung" vor, weil sie die Wahl des Staatsoberhauptes der Parteidisziplin unterwerfen wollten. Gauck grenzte sich davon jedoch ab. "Wir brauchen unsere Parteien, weil wir ohne sie noch langsamer, ineffizienter wären", betonte er. Zugleich warnte er davor, als Konsequenz aus der Krise die Freiheit der Wirtschaft einzuschränken. Wer das wolle, werde "immer mehr verlieren als gewinnen". Nötig seien stattdessen feste Regeln.

Linke erwägen Stimme für Gauck im dritten Wahlgang

Indirekt ging Gauck auf Distanz zur Linkspartei: "Wenn ich also die höre, die den Systemwechsel nahelegen, und gleichzeitig diese unglaublichen Vorstellungen über die Versorgung der Schwachen höre, frage ich mich doch, wie soll das gehen, wenn wir keine Wirtschaft haben, die diese ungeheuren Summen erbringt."

Gleichwohl gibt es auch innerhalb der Linken Stimmen für eine Wahl Gaucks zumindest bei einem dritten Wahlgang in der Bundesversammlung. Der von der Linkspartei als Delegierter benannte Jenaer Universitätsprofessor Klaus Dörre stellte dies in der "Rheinischen Post" in Aussicht und bezeichnete Gauck als "respektable Persönlichkeit". Sollte der von SPD und Grünen benannte Kandidat ein Signal der Kritik an der sozialen Schieflage im Land senden und Stimmen von links tatsächlich haben wollen, könne er sich "sehr gut vorstellen, ihm in einem dritten Wahlgang meine Stimme zu geben", wird Dörre zitiert.

Auch der thüringische Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow ließ Sympathien für Gauck erkennen und sagte der Zeitung, dass es "nach dem zweiten Wahlgang spannend" werde. Im ersten Wahlgang will die Linke mit der Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, Luc Jochimsen, gegen Gauck und den Kandidaten von CDU/CSU und FDP, Christian Wulff, antreten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
jomimo (24.06.2010, 00:32 Uhr)
Wer denn es gut und gerecht findet ..
daß jemand nach maximal 10 Jahren im Amt mit also 61 Lebensjahren mit 250.000 pA alimentiert wird auf Lebenszeit, möge sich Herrn Wulff wünschen.

Und die Ex - Präsidenten werden alt und offenbar mangelt es ihnen an nichts.

Eine Monarchie wäre glanzvoller und auch nicht teurer.
Bayernstammler (23.06.2010, 09:24 Uhr)
@ Tempelhofer
Wer liest denn Focus?

Das, mein lieber Schwarzer, ist doch d a s Blatt schlechthin, das einseitig und parteiisch berichtet. Sie sind nicht all zu wählerisch, wenn es um ihre Interessen geht, gell?
Bayernstammler (23.06.2010, 09:20 Uhr)
@ Atta Troll
Zitat:
"Könnte ich mit abstimmen - ich würde keinen der aufgestellten Kandidaten wählen und einen (ungültigen) Wahlzettel mit entsprechender Bemerkung abgeben. "

Und das wäre dann so richtig zielführend?
ganzbaf (23.06.2010, 09:02 Uhr)
"Wir brauchen unsere Parteien,
...weil wir ohne sie noch langsamer, ineffizienter wären", betonte er."
--------

Wir brauchen nur mehr Volksabstimmungen und weniger Parteiendiktatur.

DANN geht es schnell und effektiv :-)

kabelmann (23.06.2010, 08:18 Uhr)
päh
Niemand mag Gauck. Was genau denkt sich die Presse eigentlich aus?
tannebaum (23.06.2010, 08:09 Uhr)
schwarz-gelb...
...hatte keine 100 tage zeit, da wurden sie längst zerrissen. vielen medien passte es einfach nicht, was die bürger gewählt haben.

nun wird der gauck gefeiert, denn mit seiner wahl würde merkel fertig haben. daher weiss ich nun nicht, ob alle gauck wirklich wollen (er ist kritisch zur spd und noch kritischer zu der linken, was ihn eigentlich eher zu einem cdu-mann macht) oder ob er eine schachfigur sein soll, um ideologischen nährboden zu erhalten.

wulf ist ein langweiler. ein möchte-gern-lockerer-typ der mit einer ebenso langweiligen frau daherkommt. und beide spiesser verpassen den trend immer so um 3-5 jahre... ob tattoo, kleidung, etc.- alles zu spät.
wäre wulf einfach wulf und würde er nicht verkrampft albern jugendlich wirken wollen, so wäre er besser dran.

aber fakt ist: es geht gar nicht um den bundespräsidenten. es geht um merkel.
Dewerth (23.06.2010, 05:24 Uhr)
Wie der Gauck von den Medien ...
... hochgejazzt wird und entsprechend das Volk euphoristisch folgt, woraufhin der Kandidat als Präsident der Herzen ausgerufen wird, wirft ein bezeichnendes Bild auf die Macht der Medien, nicht auf die Qualität des Bewerbers. Ich mochte Gauck nie und lasse mir auch nix vorgauckeln. Das alles spricht dagegen, dass jemals der Präsident vom Volk direkt gewählt werden soll. Die Meinung des Volkes ist stets die Folge der Medienkampagnen. Sonst nix. Also doch Wulf!
jomimo (23.06.2010, 01:55 Uhr)
@ Zeitzeuge 2009
können Sie sich vorstellen, dass Larve Gauck doch besser ist für uns , das Volk, als ein von AM berufener , gerade passender Jungspund zu ihrem Machterhalt ?

Der Konstellation Merkel / Wulff ist tief zu misstrauen.
Skillet4 (23.06.2010, 01:47 Uhr)
Sagen wir mal so
Denke dieselbe.
Gestandener Mann vs. Ewiger Milchbubi.

Für wen würden Sie denn stimmen, wenn Sie die Wahl hätten?


Zeitzeuge_2009 (23.06.2010, 01:17 Uhr)
Lesen sie mal die Reden von R. v.Weizäcker oder Horst Köhler.

Dann merken sie in welchen tiefen Abgrund dieses Land mit Wulff oder Gauck (larve) und deren Befürwortern gefallen ist!

Ich fasse es nicht.

Was heute von Bundespräsidenten verlangt wird ist nur: ja sagen, Durchwinken und ganz besonders wichtig: Schönreden.

Dass der Bundespräsident vor allem moralische Instanz für Machtpolitiker sein soll ist total in Vergessenheit geraten.

Ich bin erschüttert und verzweifelt über unser Deutschland.
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