Das Scheitern des Egomanen

16. Mai 2012, 20:06 Uhr

Norbert Röttgen hat auf seinem Weg nach oben so viele Kollateralschäden produziert, dass er nach dem NRW-Debakel nicht mehr zu halten war. Die Kanzlerin musste handeln. Eine Analyse von Hans Peter Schütz

Man muss nicht lange nach belastbaren Gründen für Norbert Röttgens Aus als Bundesumweltminister suchen: Der Mann war nicht mehr zu halten, nicht etwa wegen intellektueller oder strategischer Überforderung im Amt. Sondern wegen seiner zahlreichen menschlichen Makel, seinem totalen Mangel an parteipolitischer Solidarität, seiner egomanischen Aufstiegssucht, die sich nur mit dem Wort Karrierismus beschreiben lässt.

Das ist das klägliche Ende eines der hervorragendsten politischen Talente der deutschen Politik. Bei seiner charakterlichen Bewertung muss man zeitlich ein Stück weit zurückgehen. Erst ließ er sich als Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) engagieren, um dann schnell aus der Verpflichtung wieder auszusteigen, weil er sein Bundestagmandat hätte niederlegen müssen. Dann intrigierte er gegen seinen Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder, ausgerechnet gegen jenen Mann, der ihm nach seinem BDI-Abenteuer eine Chance geschenkt hatte, erneut im politischen Geschäft wieder Fuß zu fassen. Das waren bereits zwei Fälle skandalösen Umgangs mit Partnern, die auf seine Loyalität und Fairness gebaut hatten.

Noch weniger entsprach sein Umgang mit seinen Jugendfreunden Andreas Krautscheid und Arnim Laschet, mit denen er als Student zusammen gewohnt und in der Jungen Union zusammen gearbeitet hatte, den Regeln der Fairness. Beide hat er um ihre Karrieren in Nordrhein-Westfalen gebracht, wobei er besonders bösartig gegen Laschet operierte, der im Prinzip der Anwärter auf die Nachfolge von Jürgen Rüttgers als CDU-Chef in diesem Bundesland gewesen wäre.

Laschet hatte erhebliche landespolitische Meriten, Röttgen trickste ihn schamlos aus, weil er glaubte, sich bei dieser Landtagswahl endgültig als potentieller Nachfolger von Angela Merkel profilieren zu können. Als alles schief lief und er sich zu schade war, in diesem wichtigen Bundesland den Oppositionsführer zu geben, versuchte er auch noch, die Kanzlerin persönlich haftbar zu machen für seine verfehlte Wahlkampfstrategie. Damit war er auch für die Kanzlerin politisch erledigt, und wurde in die lange Reihe der von ihr politisch ausrangierten männlichen CDU-Spitzenpolitiker einsortiert.

Ein Akt der Selbstverteidigung

Die schlichte Wahrheit an seinem Rücktritt ist: Merkel musste ihn feuern, weil mit diesem Mann an der ohnehin schwierigen Front der neuen Energiepolitik nichts mehr zu gewinnen war. Selbst hier hat Röttgen pausenlos getrickst und eine egomanische Rolle gespielt - als ein Mann, der alles besser weiß und sich vor allem einem Horst Seehofer haushoch überlegen fühlte.

Röttgen hatte sich und seinen Charakter dem politischen Spiel ausgeliefert. Nun bezahlt er mit einem Totalschaden.

Angela Merkel hat konsequent gehandelt. Mit diesem Mann in ihrem Kabinett wäre sie auf einem ihrer wichtigsten Politikfelder, wo sie ohnehin bisher nicht sehr glaubwürdig agiert hat, angreifbar gewesen. Sein Rausschmiss war für sie auch ein Akt der Selbstverteidigung und der Bewahrung ihrer Glaubwürdigkeit. Denn dieser Mann hat auch sie menschlich beschädigt. Röttgens Verbleiben hätte der CDU den Rest an Seriosität im kommenden Bundestagswahlkampf gekostet. Wenn ihm jetzt jemand nachtrauert, dann allenfalls die SPD, denn damit fehlt ihr nun der Mann über den sie sehr scharf auf die Person der Kanzlerin selbst hätte schießen können. Schließlich war er jahrelang "Muttis Liebling".

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