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18. August 2006, 15:42 Uhr

"Nazi-Hotel" lockt Kauf-Interessenten

Die lauten Proteste gegen den Kauf des Delmenhorster "Hotel am Stadtpark" durch den Neonazi Jürgen Rieger haben offenbar weitere Interessenten angelockt. Beim Noch-Besitzer haben sich nun mehrere Investoren gemeldet.

Protestplakate am "Hotel am Stadtpark":© Roland Magunia/DDP

Wohl selten hat eine Mittelklasseunterkunft in der norddeutschen Provinz für soviel Aufregung gesorgt wie das "Hotel am Stadtpark" in Delmenhorst. Seitdem bekannt geworden ist, dass der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger die Immobilie kaufen will, um darin ein rechtes Schulungszentrum zu errichten, hagelt es Proteste der Bewohner. Jetzt hat sich sogar die niedersächsische Landesregierung eingeschaltet. Freilich nur, um kundzutun, dass sie keine Absichten hege, sich am Kauf den seit 14 Monaten leer stehenden Haus zu beteiligen.

Niedersachsen werde "keine Gelder direkt hierfür zur Verfügung stellen", sagte der Innenminister Uwe Schünemann. Im Bemühen, eine Übergabe an Rieger abzuwehren, dürften sich Staat und Land nicht erpressbar machen.

Delmenhorster haben 790.000 Euro gespendet

Um dem Angebot von Neonazi Rieger zuvorzukommen haben die Delmenhorster mittlerweile 790.000 Euro gespendet. Die Stadtverwaltung, die das Vorkaufsrecht für das Objekt besitzt, hat zudem ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den so genannten Verkehrswert des Hotels zu ermitteln. Diese sich daraus ergebene Summe würde Delmenhorst ausgeben wollen. Eine eventuelle Differenz zum geforderten Kaufpreis in Höhe von 3,4 Millionen Euro könne mit den Spendengeldern aufgefüllt werden, so die Überlegung der Rieger-Gegner "Für Delmenhorst".

Allerdings haben sich jetzt überraschenderweise weitere Interessenten für das Hotel gemeldet, wie Noch-Besitzer Günter Mergel der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sagte. Ein Hotelier habe ihn bereits angerufen, ein Treffen mit einem Vertreter eines Fonds sei geplant, so Mergel. In der kommenden Woche werde er eventuell Gespräche mit einer britischen Gesellschaft führen, die das gescheiterte Bremer Freizeitzentrum "Space Park" wiederbeleben wolle und das leer stehende Hotel vielleicht für Gäste nutzen könne, sagte Mergel weiter.

Das Nazi-Schulungszentrum in Delmenhorst wäre nicht das erste, das Jürgen Rieger finanziert. Verwundert allerdings hat den Verfassungsschutz, woher Rieger das Geld hat. Nun will der Geheimdienst herausgefunden haben, dass das "Hotel am Stadtpark" zum großen Teil aus dem Erbe verstorbener Nationalsozialisten finanziert werde. Das Vermögen beruhe offenbar zum Teil aus Nachlässen aus der rechten Szene, sagte die Sprecherin des niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Maren Brandenburger. Dies habe Rieger auch öffentlich erklärt. Konkrete Erkenntnisse zu seinem Vermögen habe der Verfassungsschutz jedoch nicht.

"Details zu Riegers Finanzierung nicht bekannt"

"Als Verfassungsschutzbehörde in Niedersachsen sind uns Details zu Riegers Finanzierung nicht bekannt", sagt Brandenburger weiter. Ermittlungen wie Beobachtungen von Kontobewegungen gehörten nicht zu den nachrichtendienstlichen Befugnissen, sondern seien Aufgabe von Strafverfolgungsbehörden wie der Polizei. Rieger berühre gelegentlich die Grenzen des Strafrechts und sei mehrfach in Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung aufgefallen. "Aber wenn ein Rechtsextremist Immobilien kauft, ist dies strafrechtlich nicht relevant."

nk mit DPA
 
 
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