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19. September 2011, 14:31 Uhr

Projekt 1(,)8 endlich geschafft!

Und nun zur Kreisklasse: Einst strebte Guido Westerwelle 18 Prozent an. Jetzt hat die FDP weniger Stimmen als die NPD - und liegt in manchen Bezirken hinter Tierschützern und Spaßparteien. Von Niels Kruse

Berlin, Wahl, FDP, Schlappe, Niederlage, Schmach, Kreuzberg, Kastanienallee, Zehlendorf, 1,8 Prozent, 18 Prozent

Stippvisite bei der direkten Konkurrenz: Martin Sonneborn schmäht die Liberalen© Robert Schlesinger/DPA

Zumindest im Wonnegauviertel, im Südwesten Berlins, ist die liberale Welt noch in Ordnung: Respektable 5,9 Prozent hat die FDP dort im Wahllokal Beskidenstraße erreicht. Es war eines ihrer besten Ergebnisse und reichte im wohlsituierten Bezirk Steglitz-Zehlendorf für einen vierten Platz hinter den Grünen, der SPD und der CDU. Aber ach, stadtweit hat es an diesem 18. September gerade einmal für 1,8 Prozent gereicht. Künftig wird die FDP hinter dem grauen "Sonstige"-Balken verschwinden, dort wo sich all die anderen Freak- und Ein-Themen-Gruppierungen versammeln.

Wie etwa die Tierschutzpartei, deren politische Ausrichtung sich immerhin deutlich aus ihrem Namen ableitet. Im Wahllokal "Freiwillige Feuerwehr", Hauptstr. 14 in Pankow, fanden die Wähler das klar umrissene Programm der Tierschützer zumindest attraktiver als das der inhaltlich wabernden Liberalen: 3,3 Prozent der Stimmen haben die Tierfreunde dort bekommen und damit nur unwesentlich weniger als die NPD mit 3,8 Prozent. Selbst solche dubiosen Vereinigungen wie die rechten Bauernfänger von "Pro Deutschland" (zwei Prozent) und "Die Freiheit" (2,4 Prozent) haben die FDP hinter sich gelassen. Traurige drei Stimmen oder 0,9 Prozent gab es für die Blau-Gelben und damit exakt so viel wie für die Spaßpartei "Die Partei" des Satirikers Martin Sonneborn.

Der Herr von der "Partei" ruft: "Endlich raus, endlich raus"

Nun war es absehbar, dass die Freie Demokratische Partei nicht viel reißen würde bei dieser Wahl zum Abgeordnetenhaus. In weiser Voraussicht hatten sich deshalb auch Vertreter eben jener "Partei" auf die Wahlparty der FDP eingeschlichen, um die niedergeschlagenen Liberalen mit einer Konfettiparade zu ärgern. "Endlich raus, endlich raus!" sangen die ungefähr 30 Abgesandten. Sonneborn selbst war mit einem "Die Partei"-Transparent auf die Bühne gestürmt und wollte die Verlierer schmähen.

So viel Häme wäre in einigen Ecken der Hauptstadt gar nicht nötig gewesen: In der Alexandrinenstraße, in unmittelbarer Nähe zum Axel-Springer-Hauptquartier etwa, erreichte die FDP klägliche 0,7 Prozent hieß. Ob die Piraten (13 Prozent), die NPD (1,6 Prozent), Pro Deutschland (vier Prozent), das linke Bündnis BIG (5,2 Prozent) oder "Die Freiheit" und eben die "Die Partei" mit 0,9 Prozent - alle lagen sie vor der Rösler-Lindner-Westerwelle-Partei.

Keine 30.000 Menschen wählten die FDP

Die Liste der erniedrigenden Schlappen ließe sich fortsetzen. Auf der Laufstegmeile Kastanienallee haben die Spaßvögel der "Partei" doppelt so viele Stimmen bekommen, das gleiche Bild in der Reinickendorfer Stargardtstraße, der Kreuzberger Otto-Wels-Grundschule und so weiter und so fort.

Berlinweit haben gerade einmal 26.916 Bürger für die Liberalen gestimmt. Selbst die rechtsextreme NPD hat mehr Wähler angelockt, sie kam auf insgesamt 2,1 Prozent.

Das ist nun also die Liga, in der die FDP fortan spielen wird: Kreisklasse. Mittendrin in den Niederungen hauptstädtischer Rumpelpolitik, auf Augenhöhe mit Nazis, obskuren Tierschützern, Spaßparteien und anderen Superspezialinteressensvertretern.

Guido Westerwelle hat einmal einen Wahlkampf mit dem Ziel 18 Prozent geführt. Er trug in einer Talkshow sogar Schuhe, auf deren Sohle er sich die Ziffern 1 und 8 hatte schreiben lassen. 1 und 8 - in Berlin hat die FDP dieses Ziel nun erreicht. Das Komma zwischen den beiden Ziffern war damals nicht geplant gewesen. Aber wer wird denn heute so kleinlich sein wollen?

Die Wahlergebnisse ... ... sind auf der offiziellen Berliner Wahlseite einsehbar.

Die "Berliner Morgenpost" hat die Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen in einer Karte aufgearbeitet.

Von Niels Kruse
 
 
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