. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
27. August 2010, 12:40 Uhr

Was Roland Koch jetzt lernen muss

Zum Abschied wünscht er sich Songs von Udo Jürgens, Memoiren will er nicht schreiben. Im stern.de-Interview spricht Roland Koch über seine Zukunft und seinen größten politischen Fehler.

© Marius Becker/DPA "Ein Solitär in der CDU": Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch

Herr Koch, am Montag spielt das Bundeswehrorchester zu ihrem Abschied. Welche Songs haben Sie sich gewünscht?

Die Nationalhymne, das Hessenlied und ein bisschen was von Udo Jürgens.

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an?"

(Lacht) Nein, nein, andere Songs. Das Bundeswehrorchester wird ein bisschen herausgefordert sein, denn Udo Jürgens wird selbst da sein.

Oha.

Er ist ein guter Freund von mir.

Einen Tag später werden Sie, der geschworene Fan des TS-Royal mit Käse, als Generalbevollmächtigter bei McDonalds anfangen.

Nein. Denen reicht es, mich als Kunden zu haben. Diesen Absatzmarkt wollen sie sich erhalten.

Fast-Food ist das Essen für Menschen mit Zeitmangel. Sie haben ab Dienstag unendlich viel Zeit. Graust es Ihnen davor?

Im Gegenteil. Ich muss die Sorge meiner Frau zerstreuen, dass die freie Zeit schon wieder voll verplant sein wird. Mit Arbeit am Haus, Reisen und manch anderem. Und ich freue mich darauf, nicht mehr schon in aller Frühe die Nachrichtenagenturen nervös nach neuen politischen Problemen absuchen zu müssen.

Helmut Kohl kommt zu Ihrem Abschied nach Wiesbaden. Würden Sie ihn als Ihren politischen Ziehvater bezeichnen?

Wir sind uns politisch und persönlich nah, da ist über die Jahre eine Freundschaft gewachsen, auf die ich ein bisschen stolz bin.

Er hat in Ihnen einen kommenden Kanzler gesehen.

Er hat viele Nachwuchstalente im Auge gehabt.

Der Name Kohl steht auch für die Parteispendenaffäre. Sie wären beinahe zurückgetreten, als die schwarzen Kassen Ihrer Vorgänger in Hessen aufflogen. Hat Sie diese Erbschaft nicht auch manchmal wütend gemacht?

Was ich zu erdulden hatte, war eine hessische Herausforderung. Sie stand in keiner Verbindung zu Helmut Kohl.

Sie benutzen ganz bewusst das Wort "erdulden"?

Die Ursachen der hessischen Affäre liegen Anfang der 80er-Jahre. Da hatte ich aber natürlich noch keine politische Mitverantwortung auf der Landesebene. Auf dem Höhepunkt der Krise haben das leider viele hessische Bürger nicht mehr realisiert. So gesehen ist das Wort erdulden noch milde, denn wahrscheinlich glauben heute noch manche, ich als Überbringer manch bitterer Aufklärungsarbeit sei für diese Vorgänge verantwortlich.

Sie sind Jurist. Haben Sie Bauchschmerzen damit, dass Kohl die Spendernamen bis heute nicht genannt hat?

Ich habe es als Freund einfach akzeptiert.

Dirk Metz, Ihr Sprecher, rückte während der Parteispendenaffäre zu Ihrem wichtigsten Berater auf. Inzwischen hat man den Eindruck, er sei Ihr Alter Ego: Wie trennen Sie sich?

Es war eine kongeniale Zusammenarbeit, zudem mit viel Freude. Er weiß, was Medien wollen und bekommen müssen oder meinen, bekommen zu müssen. Ich selbst bin viel zu introvertiert, um es spannend zu finden, dauernd in der Zeitung zu stehen. Im Übrigen haben wir beide eine ungewöhnlich hohe Trefferquote beim Fortsetzen der Sätze des Anderen. Mit dem Aushändigen der offiziellen Entlassungsurkunden wird unsere Freundschaft nicht enden.

Ole von Beust hat gesagt, seine Familie haben ihn noch mehr geprägt als die CDU. In Ihrer Familie war der Vater CDU-Politiker, Sie sind mit 14 Jahren in die Partei eingestiegen. Sind Sie die Verkörperung dessen, was viele Parteifreunde fordern, nämlich "CDU pur"?

In einer Volkspartei gibt es dieses "pur" nicht. Die CDU ist ein Gesamtkunstwerk - aus einzelnen Personen mit ihren Geschichten und Vorstellungen, die ein gemeinsames Interesse an einem verbindenden Band haben. So gesehen bin ich in der CDU gewiss einer dieser Solitäre gewesen, für eine gewisse Zeit.

Ihr Aufstieg war eng verbunden mit zwei politischen Männerseilschaften: der hessischen "Tankstelle" und dem bundesweiten "Andenpakt". Hat Angela Merkel allein deswegen, weil sie eine Frau ist, Ihre ursprüngliche Vorstellung vom politischen Geschäft irritiert?

Das ist eine Kategorie, in der ich nicht denke. Und die Freundschaftskreise - davon gibt es in der CDU sehr viele. Das Geraune um "Tankstelle" und "Andenpakt" hat meine Person in den Medien mythologisiert. Dieser Effekt war größer als der realpolitische.

Sie gelten als cäsarischer Machtmensch. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat mal gesagt: "Ohne Koch geht nichts in Hessen." Wie wichtig ist Ihnen Kontrolle?

Kontrolle über die Entscheidungsprozesse zu haben, um für die Ergebnisse dann auch Verantwortung übernehmen zu können - ja, das schon.

Roland Koch, 52 ... galt lange als konservativer Kronprinz der Union. Mit 14 Jahren trat er in die hessische CDU ein, sein Vater war Justizminister in Hessen. Berühmt wie berüchtigt wurde der Eschborner durch seine anfängliche Opposition zu Angela Merkel und seine grenzwertigen Wahlkampagnen. Überraschend erklärte Koch am Tag nach Pfingsten 2010 nach mehr als elf Jahren als hessischer Ministerpräsident seinen Rücktritt vom Amt. Er will künftig in der Wirtschaft arbeiten. Am kommenden Montag wird er offiziell verabschiedet, Helmut Kohl und Angela Merkel werden zu Gast sein. Koch ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Seite 1: Was Roland Koch jetzt lernen muss
Seite 2: Wie erotisch ist die Macht?
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Gerüchte um Job für Roland Koch Roland, der Baumeister?

"Bild" meldet exklusiv: Hessens Ministerpräsident Roland Koch wird Chef des Baukonzerns Bilfinger + Berger. Der Konzern und Koch dementieren. Es darf munter spekuliert werden. mehr...

Roland Kochs Abgang Brutalstmöglich sympathisch

Roland Koch war demonstrativ souverän, entspannt, gelassen. In Wiesbaden hat die CDU-Reizfigur verkündet, warum sie künftig ohne politische Machtspiele leben will. Fraglich nur, ob die Story stimmt. mehr...

Roland Koch bestätigt Rückzug "Politik ist nicht mein Leben"

Paukenschlag in der CDU: Hessens Ministerpräsident Roland Koch zieht sich aus der Politik zurück, wie er am Mittag bestätigte. Schon kursieren erste Namen für seine Nachfolge. mehr...

Bouffier wird Ministerpräsident Hessischer "Prinz Charles" wird Thronfolger-Image los

Ein klassischer Neuanfang sieht sicher anders aus: Wenn Roland Koch am Samstag als Vorsitzender der hessischen CDU abtritt, rückt für ihn sein sechs Jahre älterer langjähriger Weggefährte Volker Bouffier an die Spitze des Landesverbandes. mehr...

Kritik an Merkel wächst Union sehnt sich nach dem Wir-Gefühl

Seehofer wertet Wulffs Wackel-Wahl als Warnschuss, Rüttger erinnert an Kohls seelige Zeiten und andere Unionsgrößen rufen laut nach Roland Koch - der parteiintere Druck auf Bundeskanzlerin Merkel wächst. mehr...

Rücktritt von Roland Koch Der lange Schatten der Spendenaffäre

Roland Koch hat seine schwindende Gestaltungsmacht als Grund für seinen Rückzug aus der Politik genannt. In einem Interview übt der hessische Ministerpräsident außerdem Kritik an seiner Partei zu Zeiten der CDU-Spendenaffäre. mehr...

Roland Kochs Rückzug Wie Merkel die CDU entmannt

Mit Roland Koch tritt einer der letzten großen Charismatiker der CDU ab. Schuld ist Angela Merkel, die eigenwillige Leute systematisch ausbremst. Die Christdemokraten werden zusehends konturloser. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe