Zum Abschied wünscht er sich Songs von Udo Jürgens, Memoiren will er nicht schreiben. Im stern.de-Interview spricht Roland Koch über seine Zukunft und seinen größten politischen Fehler.
Die Nationalhymne, das Hessenlied und ein bisschen was von Udo Jürgens.
(Lacht) Nein, nein, andere Songs. Das Bundeswehrorchester wird ein bisschen herausgefordert sein, denn Udo Jürgens wird selbst da sein.
Er ist ein guter Freund von mir.
Nein. Denen reicht es, mich als Kunden zu haben. Diesen Absatzmarkt wollen sie sich erhalten.
Im Gegenteil. Ich muss die Sorge meiner Frau zerstreuen, dass die freie Zeit schon wieder voll verplant sein wird. Mit Arbeit am Haus, Reisen und manch anderem. Und ich freue mich darauf, nicht mehr schon in aller Frühe die Nachrichtenagenturen nervös nach neuen politischen Problemen absuchen zu müssen.
Wir sind uns politisch und persönlich nah, da ist über die Jahre eine Freundschaft gewachsen, auf die ich ein bisschen stolz bin.
Er hat viele Nachwuchstalente im Auge gehabt.
Was ich zu erdulden hatte, war eine hessische Herausforderung. Sie stand in keiner Verbindung zu Helmut Kohl.
Die Ursachen der hessischen Affäre liegen Anfang der 80er-Jahre. Da hatte ich aber natürlich noch keine politische Mitverantwortung auf der Landesebene. Auf dem Höhepunkt der Krise haben das leider viele hessische Bürger nicht mehr realisiert. So gesehen ist das Wort erdulden noch milde, denn wahrscheinlich glauben heute noch manche, ich als Überbringer manch bitterer Aufklärungsarbeit sei für diese Vorgänge verantwortlich.
Ich habe es als Freund einfach akzeptiert.
Es war eine kongeniale Zusammenarbeit, zudem mit viel Freude. Er weiß, was Medien wollen und bekommen müssen oder meinen, bekommen zu müssen. Ich selbst bin viel zu introvertiert, um es spannend zu finden, dauernd in der Zeitung zu stehen. Im Übrigen haben wir beide eine ungewöhnlich hohe Trefferquote beim Fortsetzen der Sätze des Anderen. Mit dem Aushändigen der offiziellen Entlassungsurkunden wird unsere Freundschaft nicht enden.
In einer Volkspartei gibt es dieses "pur" nicht. Die CDU ist ein Gesamtkunstwerk - aus einzelnen Personen mit ihren Geschichten und Vorstellungen, die ein gemeinsames Interesse an einem verbindenden Band haben. So gesehen bin ich in der CDU gewiss einer dieser Solitäre gewesen, für eine gewisse Zeit.
Das ist eine Kategorie, in der ich nicht denke. Und die Freundschaftskreise - davon gibt es in der CDU sehr viele. Das Geraune um "Tankstelle" und "Andenpakt" hat meine Person in den Medien mythologisiert. Dieser Effekt war größer als der realpolitische.
Kontrolle über die Entscheidungsprozesse zu haben, um für die Ergebnisse dann auch Verantwortung übernehmen zu können - ja, das schon.
Roland Koch, 52 ... galt lange als konservativer Kronprinz der Union. Mit 14 Jahren trat er in die hessische CDU ein, sein Vater war Justizminister in Hessen. Berühmt wie berüchtigt wurde der Eschborner durch seine anfängliche Opposition zu Angela Merkel und seine grenzwertigen Wahlkampagnen. Überraschend erklärte Koch am Tag nach Pfingsten 2010 nach mehr als elf Jahren als hessischer Ministerpräsident seinen Rücktritt vom Amt. Er will künftig in der Wirtschaft arbeiten. Am kommenden Montag wird er offiziell verabschiedet, Helmut Kohl und Angela Merkel werden zu Gast sein. Koch ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.