Die Aufarbeitung der Sponsoring-Affäre wirft ein Schlaglicht auf Jürgen Rüttgers: Mit harter Hand, jungen Leuten und linken Themen hat er in der einstigen "Schlangengrube" aufgeräumt. Rächt sich diese Linie nun? Von Lenz Jacobsen

Regiert die CDU mit harter Hand: Jürgen Rüttgers in NRW© Clemens Bilan/DDP
Jürgen Rüttgers hat keine Zeit zu verlieren. Kaum vier Tage ist der Sponsoring-Skandal nun alt, da will ihn der Ministerpräsident schon zu den Akten legen. Bereits am Montag hatte er seinen Generalsekretär Hendrik Wüst geopfert, keine 28 Stunden später präsentierte er einen Nachfolger, den bisherigen Europaminister Andreas Krautscheid. Und jetzt: Mund abwischen, weitermachen, auf zum Wahlsieg am 9. Mai.
Doch ist die Sache damit wirklich erledigt? Was sagen die dubiosen Rent-a-Rüttgers-Angebote, die nicht nur Bundestagspräsident Norbert Lammert "selten dämlich" findet, über den Politikstil der NRW-CDU aus? Und wie tickt dieser Ministerpräsident, der den größten Landesverband aus dem Skandal zum Wahlsieg führen soll?
Um zu verstehen, was Jürgen Rüttgers für die NRW-CDU bedeutet, reicht ein Blick in die Geschichte des Landesverbandes: Knapp 40 Jahre hat die CDU in der Opposition geschmort, im Schatten der scheinbar unbesiegbaren SPD. NRW war die rote Hochburg, die Machtzentrale des Feindes.
Und die CDU hatte dem nicht viel entgegenzusetzen: Jahrzehntelang machten sie vor allem als Chaoshaufen auf sich aufmerksam, zerstritten zwischen Rhein und Ruhr, und eher eine Belastung als eine Stütze für die Bundespolitik. Kurt Biedenkopf flüchtete einst entnervt Richtung Sachsen, nachdem ihm die eigene Partei ein Rücktritts-Ultimatum gestellt hatte. "Die sind doch alle verrückt geworden", schimpfte CDU-Generalsekretär Heiner Geißler damals über die Streithähne im größten Landesverband. Nach Biedenkopf vegetierte die CDU unter der Führung des in Berlin als Arbeitsminister gut beschäftigten Norbert Blüm zwölf Jahre vor sich hin, bis 1999 Jürgen Rüttgers kam - und mit ihm die Wende.
Erfolgreich inszenierte er sich als überparteilicher Landesvater, als Erbe des beliebten SPD-Granden Johannes Rau. Als "Vorsitzender der Arbeiterpartei in NRW" - zu dem er sich 2005 selbst kürte - setzt Rüttgers seitdem auf soziale Themen, kritisiert mal Hartz IV, propagiert einen in CDU-Kreisen gefürchteten Mindestlohn, fordert höhere Renten. Er gilt, hinter der Kanzlerin, als Nummer zwei der Union - und ist in seinem eigenen Landesverband absolut unumstritten.
"Die NRW-CDU war vor Rüttgers ein ganz heikler und zerstrittener Landesverband, eine Schlangengrube schlechthin", konstatiert der Bonner Politologe Volker Kronenberg, der die erste politische Biographie über Rüttgers geschrieben hat. "Er musste da erstmal aufräumen, alte Zöpfe abschlagen."