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30. September 2008, 19:30 Uhr

Der Sündenfall der Grünen

Die Hamburger Umweltsenatorin Anja Hajduk hat dem umstrittenen Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg die Genehmigung erteilt. Damit stellen die Grünen ihre Grundsätze zum Thema Klimaschutz infrage - und zahlen so oder so einen hohen Preis für ihr selbst verursachtes Dilemma. Ein Kommentar von Thomas Krause

Hat das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg mit Auflagen genehmigt: Hamburg Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL)© Marcus Brandt/DPA

Sie hat es tatsächlich getan: Die Hamburger Umweltsenatorin Anja Hajduk hat den Bau des Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg genehmigt. Doch es ging nicht nur um das Kraftwerk und den zu erwartenden CO₂-Ausstoß: Es ist auch eine Entscheidung für die schwarz-grüne Koalition in Hamburg und gegen die eigenen Grundsätze und Wahlkampfversprechen.

Denn mit Sprüchen wie "Kohle von Beust" hatten sie Bürgermeister Ole von Beust im Wahlkampf scharf angegriffen und Stimmung gegen den Bau des Kraftwerkes im Stadtteil Moorburg gemacht. Sie haben das Kraftwerk zu einem ihrer zentralen Wahlkampfthemen erklärt und einen Baustopp gefordert. Nun haben sie ihre eigenen Forderungen ad absurdum geführt. Es ist eine moralische Bankrott-Erklärung an einem Punkt, an dem Umweltschutz wirklich einmal konkret zum Tragen gekommen wäre, statt nur als politische Forderungen und abstrakten Zahlen zum CO₂-Ausstoß aufzutauchen. Damit geben die Grünen ihre eigenen Grundsätze preis.

Fehler wurden früher gemacht

Doch der Fehler ist nicht bei der Prüfung der Genehmigung für das Kraftwerk gemacht worden, sondern schon beim Ausarbeiten des Koalitionsvertrages: "Die zuständige Behörde entscheidet rechtlich über die Genehmigungs- und Erlaubnisanträge zum Bau eines Kohlekraftwerkes in Moorburg" heißt es in der Vereinbarung. Was die Einschätzung der juristischen Situation um die Genehmigung für das Kraftwerk angeht, muss man der Hamburger Grünen-Spitze Blauäugigkeit vorwerfen. Da hilft auch der Verweis von GAL-Politiker Willfried Maier wenig, die Genehmigung sei schon eine Entscheidung der vorherigen Hamburger Koalition gewesen. Ganz im Gegenteil: Das ist etwas, was die Grünen schon vor den Beratungen zum Koalitionsvertrag hätten wissen müssen.

Insofern war auch die Zwickmühle, in der Umweltsenatorin Hajduk steckte, von ihrer eigenen Partei verursacht. Nun gehen von ihrer Entscheidung gleich mehrere Signale aus. Erstens zeigt es, dass die Grünen schlecht vorbereitet in die Koalitionsverhandlungen mit der Union gegangen sind. Zweitens zeigt es, wie leicht die Grünen dazu zu bringen sind, zentrale Wahlversprechen und somit ihre Glaubwürdigkeit über Bord zu werfen. Und drittens zeigt es, wie sehr die Grünen bemüht sind, der Union ihre Koalitionsfähigkeit unter Beweis zu stellen - auch mit Blick auf die Bundestagswahl 2009.

Basis vor Dilemma

Doch das Dilemma aus Glaubwürdigkeit oder Koalitionsfähigkeit ist nicht verschwunden, es ist nur auf eine andere Ebene abgewälzt worden. Nun entscheidet die Parteibasis auf einem Sonderparteitag am 9. Oktober wohl über die Auflösung der schwarz-grünen Koalition in Hamburg. Rettet die Basis die Glaubwürdigkeit oder die Koalitionsfähigkeit ihrer Partei? Wie auch immer sie sich entscheidet, zwei Dinge stehen jetzt schon fest: Das Kohlekraftwerk in Moorburg wird gebaut. Und die Grünen haben schweren Schaden genommen.

Ein Kommentar von Thomas Krause
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
gmathol (01.10.2008, 06:28 Uhr)
Der schlimmste Suendenfall der Gruenen?
Das war und bleibt die Zustimmung zu Militaereinsaetzen der Bundeswehr im Ausland u. a. Afghanistan.
Wer Gruen waehlt kann auch die: NPD, CSU, CDU oder SPD waehlen.
EspritCritique (01.10.2008, 05:36 Uhr)
DieLinke
trommelt mit den primitiven Methoden hier, die sie mir schon immer als SED unsympathisch gemacht hat...Hauptsache man schreit möglichst laut und alle anderen nieder, die man (noch nicht, aber bald dann wohl auch) in den Knast stecken kann. Ganzbaf-Schwätzer hat von der Propagandaabteilung offenbar nun einen neuen Namen als n8g8 verpasst bekommen. Na dann, Glückauf, ich freue mich auf den nächsten Blumenstrauß für dieLinke.
a2d2 (01.10.2008, 01:59 Uhr)
sie kleben wieder am Sessel...
die lieben Grünen, Exparteifreunde.
Früher hätte man solche Typen "Volksverräter" genannt. Ihre eigene Klientel haben sie heute schon verraten und schaden ihrer Gesamtpartei für die gesamte Zukunft.
Starenkästen an Moorburg aufhängen wäre auch nicht lächerlicher gewesen, als das was jetzt als (sorry) "Dünnschiß" dabei rauskam !!!
Besser Ihr geht auch gleich nach Bayern - und löst auch alle von selbst auf - es wäre ein Segen, allen voran Frau JASager, oder wie sie denn noch heißen möge, die Stehaufdame, die immer wieder auf die Beine fällt....
Macht besser das Licht aus für Eure verkorkste Partei.
n8g8 (30.09.2008, 22:37 Uhr)
Wie braun kann grüner Wähler OLIVGRÜN wählen?
@520i: Es geht mir darum, das olivgrüne Deckmäntelchen von den von früh bis spät arbeitenden Menschen abzureißen, die sich NICH WIRKLICH bewusst sind, dass zugunsten ihres Wohlstandes zuerst die Armen und DANN SIE gnadenlos geschröpft werden: Hartz IV!!! *puff-puff*
Ich "erlebe" olivgrüne Wähler jeden Tag, wenn ich arbeite. Die sind sich nicht einmal bewusst, dass sie für ne Assi- und Kriegs-Schose mit ihrem olivgrünen Pseudo-"Kreuzzug gegen den Kreuzzug" genau diesen KRIEG unterstützen, die wählen SO für ihre Kinder!!!
Ein Problem der Luxus-Gesellschaft? Mag sein. Aber Folgen hatte und HAT Hartz IV und Krieg - für ALLE!
Alternative: Die.Linke.
Sanjoaquin (30.09.2008, 22:31 Uhr)
lieber motzen als denken
Jetzt, wo manch ein Grüner/innen endlich einmal zur Realität zurückfindet, vulgo etwas klüger geworden ist, ist's auch nicht recht. Man kann nicht gegen Atom- und Kohlekraftwerke gleichzeitig sein, genausowenig, wie man gegen Auto- und Bahnfahren gleichzeitig sein kann. Mein Respekt gilt der Grünen Senatorin.
Mickell (30.09.2008, 22:02 Uhr)
Selbstauflösung!
Eigentlich müssten die "Grünen" sich jetzt selbst auflösen.
Sie haben sich eimal auch gegründet,
um Parteien wie sie es jetzt selbst sind, den Garaus zu machen!
520i (30.09.2008, 22:00 Uhr)
Bündnis 90/Die Olivgrünen
Jetzt mal ehrlich: Wem war das denn NICHT vorher klar?
n8g8 (30.09.2008, 21:58 Uhr)
Macht und ihre GRÜN-BRAUNE Existenzberechtigung
WARUM ist die BRAUN-Grüne GAL zu Ihrer Existenz berechtigt?1ß
Das Wahlergebnis oder ihre Basis kann Es – abgesehen vom Minderheitenschutz - ja wohl schlecht sein!
Die nähern sich doch der GALlengelben Guido-Partei an. Tja, es macht halt „vor Ort“ einen eher mäßigen Eindruck, wenn man sich an einer Anti-Nazi-Demo beteiligt, nach fünf Minuten die Fliege macht (SOBALD die Fotografen wech sind!) und dann (in einem anderen Landtag) einen schwarz-BRAUNEN Koalitionsvertrag unterschriebt, Hauptsache zugunsten des eigenen Kontos.
Die einzige Konstante seit der Schröder-Koalition: Tote sind den Oliv-Grünen ja relativ egal – die können eh nicht mehr wählen. -
Vielleicht können Lkw ja ENDLICH diese unverbesserlichen – gegen grüne Pseudo-Slogans resistente - Pazifisten und Ökofreaks abholen?
DasBertl (30.09.2008, 21:33 Uhr)
Macht korrumpiert
Da war den Grünen die Macht wohl wichtiger als Ihre Existenzberechtigung. Wundert mich nur, dass die CDU mit diesem "Wahlbetrug" des Partners leben kann... Hessen lässt grüßen. Die Grünen sind eben da angekommen wo SPD, CDU, CSU und FDP schon lange sind: eine stinknormale (in dem Fall stinkts sogar nach Rauch) Partei
n8g8 (30.09.2008, 21:03 Uhr)
@salz:
Das ist nicht der schwarze Ruf, sondern der schwarz-BRAUNE.
Grüße aus Bavaria! *wink*
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