20. November 2012, 17:51 Uhr

Ein Zampano für Steinbrück

Glamour im Willy-Brandt-Haus: Der Autor, Investor und Kunstmäzen Roman Maria Koidl soll Steinbrücks Online-Kampagne betreuen. Regierungskreise beginnen schon mit dem Koidl-Bashing. Von Lutz Kinkel und Hans Peter Schütz

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Ist beim Tanzen nicht politisch festgelegt: Roman Maria Koidl (links) auf dem Bundespresseball 2009 neben Grünen-Chefin Claudia Roth, Wiebke und Philipp Roesler (FDP) sowie Ebba Herfs-Röttgen dem damaligen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU)©

Es geht derzeit ein bisschen bunt zu im Willy-Brandt-Haus, der Berliner SPD-Zentrale zu. Der Sprecher von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist jedenfalls überrascht, dass über den Berater, der vergangene Woche hier eingecheckt hat, bereits geschrieben wird. Der Wahlkampf hat ja noch nicht begonnen, sagt er. Alles noch im Werden: Team, Strategien, Konzepte. Aber ja: Roman Maria Koidl ist an Bord. Er hat ein Büro bezogen, soll sich um Steinbrücks Online-Aktivitäten kümmern.

Koidl? Koidl. Der Österreicher ist bislang nicht als Politikberater aufgefallen. Eher als Zampano, der so ziemlich alle Kanäle bespielt, die sich ihm bieten. Er war mal Chef vom Dienst des Radiosenders "Antenne Bayern", gründete die Kette "Wold Coffee", übernahm die Confiserie "Most Schokolade", arbeitete für einen Hedgefonds, initiierte die "Kunsthalle Koidl" in Berlin. Der Öffentlichkeit ist er aber eher aufgrund seiner Bücher bekannt. Eines heißt "Scheißkerle", ein anderes "Blender". Darin zieht er über "Flitzpiepen", "Schlipswichser" und "Luftpumpen" her, die Karriere machen und Frauen übers Ohr hauen. Auf Twitter kursiert der Spott, dass sich Steinbrück ja einen echten "Frauenversteher" an seine Seite geholt habe.

Viel Platz für digitales Kandidaten-Alias

Frauenverstehen wird allerdings nicht Koidls oberste Priorität sein, obwohl Steinbrück auch in dieser Hinsicht einiges aufzuholen hat - seine Umfragewerte beim weiblichen Geschlecht sind schlecht. Nein, Koidl soll sich um den Online-Wahlkampf des Kandidaten kümmern. Und das wird schon schwierig genug: Steinbrück ist ja von Anmutung und Alter her eher Typ Schreibmaschine. Das weiß auch sein Umfeld, weshalb es für als nahezu unmöglich gehalten wird, dass sich Steinbrück selbst auf Twitter oder Facebook betätigen könnte. Also bleibt viel Platz für das digitale Kandidaten-Alias Koidl.

Die Regierungsparteien haben die Personalie aufmerksam registriert und reiben sich bereits die Hände. Koidl, sagt einer, der ziemlich weit oben in der Hierarchie steht, sei der jüngste "Fehlgriff" Steinbrücks. Der Mann sei nicht seriös. Natürlich fällt im Gespräch auch der Hinweis, dass Koidl offiziell in der Schweiz wohne, wo bekanntlich wenig Steuern bezahlt werden. Der Geschmähte selbst äußert sich dazu nicht. Alle Kontaktanfragen von stern.de an Koidl blieben unbeantwortet. Die "Welt" erlaubte sich bereits den sarkastischen Hinweis, dass "Koidl mit Steinbrück und der SPD einen ziemlich guten Fang" gemacht habe. Aber ist es auch umgekehrt so?

To be continued.

 
 
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