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10. Juli 2010, 17:23 Uhr

Was nicht passt, wird passend gemacht

Der Koalitionsvertrag, den SPD und Grüne auf Parteitagen in NRW abgenickt haben, ist windelweich. Der Grund: Kraft und Löhrmann setzen auf wechselnde Mehrheiten - und spekulieren auf Neuwahlen. Ein Kommentar von Adrian Pickshaus

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Freuen sich wie Bolle über Rot-Grün in NRW: Hannelore Kraft und SPD-Generalsekretär Michael Groschek© Federico Gambarini/DPA

Neuss, Leverkusen, Köln. Drei Städte am Rhein, die sich an einem staufreien Samstag in einer dreiviertel Stunde abklappern lassen. An diesem Samstag hielten dort SPD, Grüne und Linke zeitgleich ihre Landesparteitage ab. Drei Events, selbstbezogen und spannungsarm wie das "kleine Finale" bei der Fußball WM in Südafrika.

SPD und Grüne winkten ihren Koalitionsvertrag durch. Es gab große Mehrheiten, wilde Aufstände gegen das mit heißer Nadel gestrickte Machwerk gab es nicht. Der Vertrag ist die Grundlage für die zukünftige rot-grüne Minderheitsregierung im Düsseldorfer Landtag, die am Mittwoch ins Amt gehievt werden soll. Hannelore Kraft will den abgewählten Arbeiterführer Jürgen Rüttgers beerben. Auf keinen Fall aber will sie zur Heide Simonis vom Rhein werden.

Erstes Sicherheitsnetz

Um ins Amt zu kommen, braucht die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit (die sie vermutlich nicht bekommen wird). Im zweiten Wahlgang braucht sie nur noch die einfache Mehrheit der Stimmen. Um diese zu erzielen, reicht es, wenn sich aus den anderen Fraktionen zwei Mitglieder enthalten. Da sich die Linken kollektiv enthalten wollen, wie sie an diesem Samstag beschlossen haben, ist die Spannung flöten. Der Auftakt des nordrhein-westfälischen Drahtseilakts ist gut abgesichert.

Kraft hat mit ihrer Grünen-Kollegin Sylvia Löhrmann ein dünnes Programm aufgelegt. Der 89-seitige Koalitionsvertrag bietet eine Menge Vages und Ungefähres: ein Schulreförmchen zum Beispiel, das zur Stressvermeidung in die Hand der Kommunen gelegt wird. Die Abschaffung der Studiengebühren, von der noch niemand weiß, wie sie bezahlt werden soll. Ein angekündigtes Klimaschutzgesetz, dessen Inhalte noch keiner kennt. Und schließlich ein verbales Rumgeiere um das rot-grüne Konfliktthema Kohle. Das alles lässt keine große Vision erkennen - und erst recht keinen "Green New Deal", wie ihn die Grünen gefordert haben. Aber das Zaudern hat wohl Methode.

Knalleffekt nur nach Neuwahlen

Denn Rot-Grün will sein Pulver trocken halten. Sollte die Minderheitsregierung nicht durchzuhalten sein, wird es Neuwahlen geben. Kraft und Löhrmann spekulieren darauf, dass sie dann, dank ihres Amtsbonus', bessere Chancen auf eine eigene Mehrheit haben. Sollte das Kalkül aufgehen, würde die rot-grüne Konfetti-Kanone frisch gestopft werden - und mit einem Knall eine echte Politikwende einläuten. Das sich Kraft und Löhrmann bis dahin zurückhalten wollen, belegt auch eine andere Tatsache: Rot-Grün will den Zuschnitt der Ministerien, die Schwarz-Gelb einst definiert hat, vorerst nicht verändern. Bildungsexpertin Löhrmann wird sich um die Schulen, nicht aber um die Universitäten kümmern. Die Powerfrau aus dem Pott gibt sich erstmal bescheiden, Superministerin wird sie vorerst nicht.

Dass der rot-grüne Koalitionsvertrag so windelweich ist, hat aber noch einen weiteren Grund: Kraft und Löhrmann setzen darauf, ihre Politik mit wechselnden Mehrheiten durchzubringen. Dafür brauchen sie Verhandlungsspielräume. Löhrmann zum Beispiel kann mit der CDU viel besser als mit der Linken, deren Programm sie gerne in "Absurdistan" verortet. Die so Geschmähten tun trotzdem so, als säßen sie schon längst an den Fleischtöpfen: Viel Großmut gegenüber Rot-Grün war in Leverkusen zu vernehmen, bereits im Vorfeld hatte Linkenchefin Gesine Lötzsch von "80 Prozent Übereinstimmung" mit den künftigen Machthabern gesprochen. Rot-Grün aber will sich darauf nicht verlassen. Selbst die Hoffnung auf eine stabile Ampel ist bei den neuen Partnern noch nicht gestorben.

Deshalb gilt für das dynamische Frauenduo die Devise: Was nicht passt, wird passend gemacht. Da sind Kraft und Löhrmann sehr pragmatisch. Aufregend ist das nicht, kühl taktiert schon eher. Es gibt in Düsseldorf keinen Aufbruch, wie ihn das junge DFB-Team gerade am Kap erleben durfte. Rot-Grün spielt in NRW auf Sicherheit, gerade weil sie keine Mehrheit haben.

Ein Kommentar von Adrian Pickshaus
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Countryjoe (12.07.2010, 08:01 Uhr)
Taktieren und Trcksen
Taktieren und Trcksen auf Kosten der Bevölkerung. Das traurige Schauspiel in NRW zeigt, daß es unseren Politikern nur noch um die Macht und schon lange nicht mehr um das Wohl der Bevölkerung geht. Da stellt sich doch die Frage wozu man derartige Politiker eigentlich noch braucht.
paolodom (12.07.2010, 00:34 Uhr)
warum muessen einzelne nuch schoen gruen rot drumherumreden
sorry Francois

Ihr geschwafel ist doch schnee von vorgestern. Ich fuer meinen part bin froh, dass die kommunstisch,sozialistisch grune sonnenblumenrethorik nun endlich mal sich beweisen muss.
Also los, ich werde aufpassen und sie erinneren. Ich brauche nichts schoen zu reden, ausser umverteilen haben die nichts anzubieten, wetten. Vlt. war es denen auch gar nicht so wichtig, hauptsahce es kommen pensionsansprueche heraus. Vlt. sollte man den iq in nrw beim waehler mal empirisch untersuchen lassen
schoenen sonntag
Francois (11.07.2010, 22:33 Uhr)
Das rot-rote Gespenst...
...das von CDU/CSU und FDP einst aus wahltaktischem Kalkül aus der Taufe gehoben wurde und mit dem der Wähler seitdem für dumm verkauft wird, wurde all die Jahre sorgfältig vom rechten Journalismus mitgepflegt.

Schon mit dem Tod des Dr. Uwe Barschel wurde deutlich, dass journalistische Diffamierung Methode und System hat - und das Journalisten weniger die Anwälte der Demokratie sind, als die sie sich gerne sehen, sondern die Helfershelfer der jeweiligen Machthaber oder aber, wo dies nicht zutrifft, alles, wirklich alles für eine "gute" Titelstory tun. Sie sind - um ein für NRW gepflegtes Jargon zu verwenden - Steigbügelhalter für Machtstreben jeder Art.

Dieser Kommentar des Herr Pickshaus dokumentiert die wahren Absichten des Journalismus einmal mehr.
Nemesis666 (11.07.2010, 14:48 Uhr)
Das Albtraumduo will die Politikwende
Und spekuliert auf Neuwahlen.
Bis dahin passiert NICHTS. Gaz-Gerd läßt grüßen.
enneos (11.07.2010, 10:11 Uhr)
Noch mal nachdenken!
Soso Herr Pickshaus, statt JETZT mit dem Korrekturfaktor LINKE vermuten Sie den "Knalleffekt" einer "echten Politikwende" ausgerechnet nach Neuwahlen mit einem Ergebnis Rot-Grün.
Wenn Sie wissen wollen, wie so ein Politikwechsel aussieht, schauen Sie sich Rot-Grüne Politik seit Schröder an.
Und nun erklären Sie uns, worin dann wohl der Wechsel verglichen mit Rüttgers' Politik bestehen würde - bei einer Seeheimer-nahen Kraft und den Grünen, die nach Ihren eigenen Worten "mit der CDU besser können als mit der LINKEn"!
Aber SIe haben schon klar gemacht, wo Sie Rot-Grün korrekterweise verorten, indem Sie die 80 Prozent Übereinstimmung zwischen Rot-Rot-Grün bezweifelten und auf rechte Merhheiten von Fall zu Fall setzten.
Dazu kann es auch kommen - nur ob Sie, oder Rot-Grün, solche Entscheidungen dann als "Politikwechsel" verkaufen können, wenn man sich bei der CDU Stimmen holt, da dürften doch wohl deutliche Zweifel angebracht sein.
Bienban (11.07.2010, 09:32 Uhr)
Ein Lichtblick...
Der Autor bringt seine vorgefasste CDU/FDP Meinung deplatziert unter. Nun gibt es aber Menschen, dazu gehöre ich und ganz viele in der Republik, denen hat man seit fünf Jahren ein völlig fehlbesetztes Kanzleramt vorgestzt und nun auch noch mit hängen und würgen gegen den Willen des Volkes von der "Staatsratsvorsitzenden" Merkel den "bequemen" Bundespräsidenten, glattgeleckt, biegsam, unproblematisch verordnet bekommen. So wie es einst in der ehemaligen DDR üblich war. Nun stehen da zwei Frauen auf und nehmen das Ruder gegen diesen Politsumpf in der Republik in die Hand und wollen verändern und das im besten Sinn für die Menschen. Was passiert in der öffentlichen Wahrnehmung, man diffamiert, beleidigt bis tief unter die Gürtellinie. Ich bin froh, das eine berechtigte Hoffnung auf ein baldiges schwarz-gelbes Ende möglich geworden ist und ganz viele Menschen in Deutschland werden sich diese Hoffnung nicht mehr von der Journaille und sonstigen Speichelleckern nehmen lassen!
Terrypol (11.07.2010, 08:44 Uhr)
der Kommentar...ein Kommentar des Pickhaus!
Es ist und bleibt ein Kommentar eines Schreibers, der außer Vermutungen nichts Neues erklärt.

Eben...ein Kommentar eines freien Pressevertreters, dem man sich anschließen kann oder nicht!

Ich habe jedenfalls mehr Hoffnung in NRW, dass Vieles anders und hoffentlich auch besser wird und der selbsternannte und selbsterhöhte "Arbeiterführer" RÜTTGERS
in der Versenkung verschwindet und dass ohne Dienstwagen, ohne Büro, ohne Personal, dass von uns, dem Steuerzahler zur Verfügung gestellt wird!
CDU und f d p hatten es doch in der Hand, eine Koalition mit der SPD und den Grünen zu bilden.
Das Geschreie jetzt gegen die angeblich Rot, Rot-Grüne-Koaltions Absicht ist doch mehr als durchschaubar!
echtzeit (10.07.2010, 23:17 Uhr)
Ausstieg aus der Kohle? Wohl nicht...
Wieviel Prozent der Stimmen brauchen eigentlich die Grünen, um neue Kohlekraftwerke in NRW (oder sonstwo) zu verhindern? 51 %??? Wenn man den K-Vertrag in NRW liest und die politische bzw. juristische Wirkung untersucht, dann haben wir in NRW den Fall Hamburg-Moorburg 2.0! Schande über Frau Löhrmann und ihre postengeilen Parteifreunde und A...... in der Hose! Abgesehen von der ohnehin unverschämten Neuverschuldung, die von Rot-Grün(-Rot) durchgedrückt werden wird, ist das ein weiterer Grund, warum diese Koalition nicht meine Wunschkonstellation ist.
awaler (10.07.2010, 23:06 Uhr)
Mehr Niveau bitte.
Zitat aus dem Artikel:
" das mit heißer Nadel gestrickte Machwerk "
" Sollte das Kalkül aufgehen, würde die rot-grüne Konfetti-Kanone frisch gestopft werden - und mit einem Knall eine echte Politikwende einläuten. "

Und so weiter.
Mit seriösem politischen Kommentar hat das nichts zu tun.
Dem Herrn Pickshaus gefällt das Wahlergebnis nicht, womit er sicher nicht allein ist. Das kann aber Verbalinjurien wie "Machwerk" oder "Konfetti-Kanone" nicht entschuldigen, geschweige denn rechtfertigen.
Probatus (10.07.2010, 19:53 Uhr)
Wette machen?
dass Kraft Löhrmann nach Neuwahlen voll, mit Verlaub gesagt, auf die Schnauze fallen!

Ich jedenfalls wollte rot, grün, rot und wer trotz möglicher Koalitionsmöglichkeit solch ein Rumgeeiere veranstaltet, kann mit meiner Stimme nicht rechnen. Auch mit Amtsbonus nicht. Gerade dann nicht!
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