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25. Juni 2010, 15:53 Uhr

Merkel, die Königin ohne Land

NRW ist verloren, Jürgen Rüttgers geht. Damit ist CDU-Chefin Angela Merkel einen weiteren Konkurrenten los. Die Neubesetzung der personalpolitischen Lücken wäre Merkels Chance - hätte sie die Leute dafür. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Koch weg, Rüttgers weg, Wulff weg: CDU-Parteichefin Angela Merkel in Phase 2.0© Markus Schreiber/AP

Schon wieder einer weg. Schon wieder ein potentieller Konkurrent weniger. Nach Roland Koch und Christian Wulff - sollte er am Mittwoch zum Bundespräsidenten gewählt werden - darf Angela Merkel jetzt auch Jürgen Rüttgers zum Abschied nachwinken. Von den vier gewählten Stellvertretern der CDU-Vorsitzenden bleibt alsbald nur noch Annette Schavan. Und die wollte noch nie Konkurrentin Merkels sein, ihr genügt die Rolle der engen Vertrauten.

Auf dem nächsten Bundesparteitag der CDU Ende November in Karlsruhe kann die personelle Misere der Partei breitflächig besichtigt werden. Als Ersatz für den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Wulff hält sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bereit. Sie darf den Posten auch als Trostpflästerchen für die enttäuschte Hoffnung aufs Präsidentenamt beanspruchen.

Röttgen und Schavan

Danach wird es bereits schwierig. Wer rückt für Jürgen Rüttgers auf, der im Mai nächsten Jahres seinen endgültigen politischen Abschied nimmt? Umweltminister Norbert Röttgen, auch Nordrhein-Westfale, käme vom Format her natürlich in Frage. Er wäre auch gerne CDU-Chef in NRW. Aber das versuchen die Merkel-Vertrauten Peter Hintze und Ronald Pofalla zu verhindern, die den von ihnen wenig geschätzten Röttgen nicht an der Spitze des mitgliederstärksten CDU-Landesverbandes sehen wollen. Und zweitens müsste Röttgen bereit sein, in NRW - sollte es zu Neuwahlen kommen - für den Posten des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Aufgrund der schlechten Verfassung der CDU an Rhein und Ruhr müsste er aber damit rechnen, als Oppositionsführer in Düsseldorf zu landen. Röttgen jedoch will den CDU-Vorsitz in NRW nur, um in Berlin mächtiger zu werden. Düsseldorf lockt ihn nicht.

Als Ersatz für ihren dritten Stellvertreter Roland Koch ist bundesweit kein vergleichbar qualifizierter Kandidat in Sicht. Dessen Nachfolger Volker Bouffier ist ein Politiker von ausgeprägt provinziellem Zuschnitt. Deutlich mehr politische Potenz brächte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus mit in die CDU-Führung. Doch er muss erst einmal seine Landtagswahl im nächsten Frühjahr gewinnen. Zudem sitzt für seinen Landesverband schon Annette Schavan in der CDU-Führung. Die will er nicht verdrängen.

Große Koalition durch die Hintertür

Dass Angela Merkel inzwischen alle potentiellen Konkurrenten abserviert hat, sichert ihre Machtposition zunächst einmal. Außerdem hat sie die Chance, mit einer parteiinternen Beförderung von Röttgen und von der Leyen ihren Kurs der programmatischen Modernisierung der CDU an der Spitze verankern zu können. Und zudem dürfte sie der mit der rot-grünen Minderheitsregierung in NRW verbundene Verlust der schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat nicht dramatisch beunruhigen. Die Bundespolitik kehrt damit quasi in der Länderkammer zu großkoalitionären Mehrheitsverhältnissen zurück. Die SPD kann wieder kräftig mitmischen. Unter dieser Voraussetzung hat die Kanzlerin stets ganz gerne Politik gemacht. Die nächtlichen Kungelrunden liegen ihr.

Aber die jetzt schon enorme Unruhe in der eigenen Partei wird wachsen. Der Wirtschaftsflügel ist sauer, der Sozialflügel fühlt sich vernachlässigt, die Konservativen sehen sich missachtet. Die Seele der CDU ist krank, sie leidet unter Depression. Brauchbarer personeller Nachwuchs mit starker Verankerung an der Basis ist kaum erkennbar. Mit NRW hat die Partei das wählerwichtigste Land verloren. Sechs Landtage werden im nächsten Jahr neu gewählt. Nirgendwo zeichnet sich für die CDU eine Verbesserung ihrer Position im Bundesrat ab. Die konservativen Ministerpräsidenten im Saarland und in Schleswig-Holstein sitzen auf wackeligen Stühlen. Wichtige personelle Leerstellen kann Merkel nicht überzeugend neu besetzen.

Der enger werdende Kreis

Angela Merkel ist damit Königin ohne Land. Und eine Königin ohne gute Leute. Das bisschen klare Führung, das sie sich zuweilen erlaubt, wird daher vermutlich noch weniger spürbar sein. Mit dem immer enger werdenden Kreis um die Kanzlerin lässt sich die Kanzlerschaft auf Dauer nicht verteidigen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
mister-mister (26.06.2010, 11:36 Uhr)
Wann endlich..................
.............tritt diese inkompetente ............ (jede ehrliche Bezeichnung wäre berechtigter Anlass zur Löschung) endlich ab, bevor der angerichtete Schaden vollends irreparabel geworden ist.
.
Ab nach Hause mit ihr. Schnellstens.
smartdoc (26.06.2010, 09:07 Uhr)
@teresila
Merkel hat sich die Männer um sich, selbst ausgesucht!
smartdoc (26.06.2010, 09:05 Uhr)
die Mutti, die kann nichts
Alle die hier schreiben, haben die vergessen was der Schröder nach der verlorenen Wahl in der Elefantenrunde zu Merkel sagte:
"Das können sie gar nicht"!
Schröder hatte nicht immer recht, aber da hat er recht gehabt. Nur hat das keiner gemerkt? Warum wählt man so eine?
teresila (26.06.2010, 08:29 Uhr)
Arme Angie
Was kannst Du denn dafür,dass es um Dich herum keine wirklichen Männer gibt.!
jomimo (26.06.2010, 06:32 Uhr)
Ja, es scheint ....
dass beide Großparteien mit einem tollen KanzlerIn ihren Sundown eingeläutet haben.

Aber denken Sie, dass es diese Leute interessiert ? Nein !

Sie sind gut versorgt und machen sich lediglich Gedanken um die lieben Freunde aus dem Bundestag, welche noch bis September als Neulinge im BT sein müssen, um Versorgungsansprüche zu haben.

12 monate BT reichen und schon gehts aufwärts einer feinen Pension entgegen.

Pervers, oder ?
Johann58 (25.06.2010, 22:34 Uhr)
@rynaldo (25.06.2010, 20:35 Uhr)
die alte CDU gibts nicht mehr, schon lange nicht mehr. Die ist mit Kohl gestorben. Die alte CDU, das waren die Geislers, Biedenkopfs, Vogels und Bluehms, da hat Kohl schon nicht mehr wirklich dazu gehoert. Kohls Welt war die Pfalz, aehnlich wie bei Beck, kein Politiker von Format mit dem Bild fuer weltpolitische Zusammenhaenge. So ist es mit Merkel. Uckermark das ist es, was sie dan auch eher zu einer Gutsbesitzerin mach statt Koenigin.

Genau dieser Horizon wird sie an ihrem Stuhl kleben lassen, bis sie verjagt wird. Kohl war j ahier Beispiel genug.
rynaldo (25.06.2010, 20:35 Uhr)
@JoachimBuch
Ich denke freiwillig geht die nicht. sie sitzt festgeklebt auf ihrem Stuhl - die alte Helmut Kohl Schule eben. Dabei wird sie aber auch noch die gesamte Partei mit in den Abgrund reissen. Mich wundert, dass die alte CDU das Ganze, sehenden Auges, mitmacht man kann sich nur noch wundern.
JoachimBuch (25.06.2010, 20:19 Uhr)
Ich bin schon sehr gespannt
wer sie abserviert oder ob sie freiwillig geht. In zweiterem Fall wird sie verbrannte Erde zurücklassen, denn bis in dieser vermerkelten CDU wieder Pflänzchen wachsen, die nicht das "Ja Mutti" mit der Muttermilch aufgesogen haben, wird Zeit vergehen. Viel Zeit. Und bis dahin ist die CDU genau wie die SPD nur noch ein Schatten ihrer selbst, denn Muttis CDU wollen immer weniger.
Lazarus09 (25.06.2010, 20:15 Uhr)
Man koennte glauben er haette die Bundesregierung gemeint als Mark Twain sagte :
Kaum verloren wir das Ziel aus den Augen, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.

Aber ..nein... Das was wir jetzt erleben IST beinahe das Ziel es wurde rigoros verfolgt

Deutschland, so wie es heute beschaffen ist, ist in jedem Detail das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen.
Wir, die wir unsere eigenen Interessen nicht mehr selbst verteidigen, weil wir das Gewaltmonopol an den Staat abgetreten haben, erwarten, dass er dieses Gewaltmonopol nutzt, um Verbrecher, Betrüger, Schwindler, Wucherer, Spekulanten, Lügner, Brunnenvergifter und Irrlehrer unschädlich zu machen - statt sich, dem Weg des geringsten Widerstandes folgend ,lieber zu deren Sachwalter zu machen.Unsere Regierung hat sich zum Sachwalter der Gier gemacht
und scheut sich nicht, selbst di Gierigsten noch als "unsere Eliten" darzustellen.
tannebaum (25.06.2010, 19:00 Uhr)
es wird leer um miss beliebig...
...aber hat sie nicht alle selbst vertrieben?

schade, die hoffungen waren groß. ihre ansage auch mal. dann kam schwarz/rot, dann die ermüdung und heute hat sie keine kraft mehr für ein reförmchen... chance vertan.
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