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27. Februar 2010, 12:58 Uhr

Sponsoring auf Sächsisch: Rent a Tillich!

Wird hier der nächste CDU-Ministerpräsident an Sponsoren vertickt? Laut einem Medienbericht hat auch die CDU in Sachsen Gespräche mit Landeschef Stanislaw Tillich zum Gegenstand von Sponsoring-Verträgen gemacht. Der sächsische CDU-Generalsekretär verbittet sich jeden Vergleich mit der Praxis in Nordrhein-Westfalen.

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Auch ein Mietobjekt? Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich© DPA/Peter Kneffel

Jürgen Rüttgers, Regierungschef in Nordrhein-Westfalen, hat ordentlich Prügel bezogen - dafür, dass seine Helfer Parteitags-Sponsoren Einzelgespräche mit ihm versprachen. Nun legt der "Spiegel" nahe, dass es ein ähnliches Gebaren auch in der CDU des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich gebe. Das Magazin berichtete über ein Schreiben an potenzielle Unterstützer der CDU-Veranstaltung "Denkfabrik Sachsen", die am Montag in Dresden stattfindet. Danach können interessierte Firmen vier "Präsentationsstufen" zum Preis von 500 bis 8.000 Euro wählen. Die Stufen drei und vier beinhalten dem Bericht zufolge ein "kurzes Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Stanislaw Tillich". Zusätzlich werde Sponsoren ab Präsentationsstufe drei, die 3.900 Euro kostet, die Erwähnung ihres Firmennamens in der Begrüßungsrede des sächsischen CDU-Generalsekretärs Michael Kretschmer in Aussicht gestellt. Für Sponsoren der Stufe vier (8.000 Euro) organisiere die CDU zudem noch "ein separates Fachgespräch im Rahmen der Veranstaltung".

"Wir verkaufen den Ministerpräsidenten nicht"

Ist es in der CDU also gang und gäbe, dass Gespräche mit Regierungschefs vertickt werden? Kretschmer wehrt sich gegenüber stern.de gegen den Vorwurf - und bestreitet eine Vergleichbarkeit des sächsischen Falls mit der Praxis in Nordrhein-Westfalen. Tillich würde mit keinem Sponsor Zwiegespräche führen, sondern sich lediglich mit ihnen vor den Augen und Ohren aller kurz unterhalten. Zudem sei die Gesprächsdauer nicht an einen gezahlten Betrag gekoppelt. "Die Länge des Gesprächs hängt nicht von der Höhe des Sponsoring-Betrags ab", sagte er. Bei den Stufen eins und zwei der "Präsentationsstufen" handele es sich um plakatartige Auftritte, sagte Kretschmer. Nur die Stufen drei und vier seien richtige Stände. Und da gehe der Ministerpräsident eben jeweils kurz vorbei. "Es ist eine Selbstverständlichkeit für mich, dass man da guten Tag sagt", so Kretschmer. "Das ist etwas anderes als das, was ich über die Praxis in Nordrhein-Westfalen gelesen habe".

Kritischer äußerte sich der sächsische SPD-Chef Martin Dulig. "Hier ist eine Grenze überschritten worden", sagte er stern.de. "Für eine konkrete politische Leistung wird Geld gezahlt." Dulig störte sich vor allem an der namentlichen Nennung von Sponsoren in Reden Kretschmers: "Wenn der CDU-Generalsekretär eine Firma begrüßt, dann adelt er den Sponsoren gleich zum Staatsunternehmen. Das ist moralisch problematisch", sagte Dulig. Rücktrittsforderungen wollte der SPD-Chef allerdings nicht erheben. Aber: "Wenn der Ministerpräsident das mit sich machen lässt, schadet das seinem Ansehen." Grundsätzlich verteidigte Dulig zudem das Parteitags-Sponsoring. Das sei zur Finanzierung der Veranstaltungen unerlässlich. In Sachsen regiert seit 2009 eine Koalition von CDU und FDP. Die nächsten Landtagswahlen stehen erst wieder 2014 an.

Wegen Sponsoring-Angeboten war am vergangenen Montag der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, Hendrik Wüst, zurückgetreten. Die CDU hatte Parteitags-Sponsoren Einzelgespräche mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers versprochen. Durch die Schreiben wurde Rüttgers mit dem Vorwurf der Käuflichkeit konfrontiert und geriet politisch unter Druck. Die Sponsorenaffäre um Rüttgers beschäftigt inzwischen auch die Bundestagsverwaltung. Die SPD bat Parlamentspräsident Norbert Lammert um eine genaue Prüfung des umstrittenen Vorgangs. Im Raum stehe der "Verdacht der verdeckten Parteienfinanzierung". Geklärt werden muss laut SPD, ob die Landes-CDU gegen das Parteiengesetz verstieß, weil sie in Briefen an Sponsoren gegen Geld exklusive Gesprächstermine mit Rüttgers oder den Ministern auf dem Landesparteitag im März anbot. Die Sozialdemokraten hoffen auf eine Klärung noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. Die SPD verlangt den Rücktritt von Rüttgers als CDU-Landeschef. Die "kommerzielle Vermarktung" von Ministerkontakten sei nicht statthaft. Rüttgers hatte die Vorwürfe, er sei käuflich, als "völligen Quatsch" zurückgewiesen und der Opposition bescheinigt, sie wolle "billigen Wahlkampf" machen.

APN/fgüs
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
winn111 (02.03.2010, 07:44 Uhr)
wir haben
nicht nur einen schwarzen Sumpf aus Korruption (Sponsoring) in NRW und Sachsen und einige gelbe Volksverhetzer in der Regierung. Wird Zeit, dass endlich im Mai die Quittung in NRW präsentiert wird. Bin gespannt, was sonst noch alles gezielt an die Öffentlichkeit gebracht wird !!!
jps-mm (01.03.2010, 13:14 Uhr)
Vereinnahmung des öffentlichen Dienstes durch CDU
Es sei schließlich "nicht das erste Mal", dass die regierende CDU oder ihre führenden Repräsentanten in Sachsen "auftreten, als seien sie der Staat", sagte sie.

Wohl wahr. Denn Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich selber hat erst kürzlich den Eindruck erweckt, dass er die Interessen seiner Partei nicht recht von den Belangen des Staates unterscheiden kann. In einem Rundschreiben an einige tausend sächsische Landesbedienstete, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wünschte er kurz vor der Jahreswende nicht nur allen Mitarbeitern eine "frohe Weihnachtszeit".

Der Regierungschef sinnierte auch über seine erfolgreiche Wiederwahl bei der Abstimmung über die Zusammensetzung des sächsischen Landtags im August 2009. Entsprechend wandte er sich mit einem direkten Dankeschön an die Staatsdiener: "Wir haben die Wahlen auch deshalb gewonnen, weil Sie in der Verwaltung unsere politischen Ideen umsetzen", lobte Tillich die Landesmitarbeiter, und er fuhr fort: "Ich danke Ihnen ganz persönlich für Ihren Anteil am erfolgreichen Wahljahr 2009."

Nicht jeder Mitarbeiter fühlte sich von solcherart parteiischem Lob geehrt. In sächsischen Juristenkreisen löste der Brief, der bis heute nicht im vollen Wortlaut veröffentlicht wurde, erhebliche Unruhe aus.

So beschwerte sich der Chemnitzer Sozialrichter Udo Stampa in einem Antwortschreiben an den Ministerpräsidenten, er lasse sich nicht "zum Wahlkampfhelfer der CDU" abstempeln. Seine Urteile werde er weiterhin "im Namen des Volkes und nicht im Namen der Staatsregierung und der sie tragenden Parteien" sprechen.

Ein anderer Jurist aus der Landesverwaltung monierte, mit dem Brief würden "elementare Verfassungsgrundsätze wie die Trennung von Staat und Partei sowie die Pflicht der Beamten zur neutralen Führung ihrer Amtsgeschäfte" verletzt.

Auch der sächsische Beamtenbund und die Steuergewerkschaft wiesen darauf hin, dass Tillichs Formulierungen "den Eindruck einer parteipolitischen Vereinnahmung des öffentlichen Dienstes entstehen" ließen. Den sächsischen Ministerpräsidenten aber ficht das nicht an.

http://www.sueddeutsche.de/politik/406/504616/text/
DasBertl (28.02.2010, 17:29 Uhr)
Aha...
"Rüttgers hatte die Vorwürfe, er sei käuflich, als "völligen Quatsch" zurückgewiesen und der Opposition bescheinigt, sie wolle "billigen Wahlkampf" machen."

Ja mit billigem Wahlkampf kenn er sich aus der Herr "Kinder statt Inder"-"...kommen die Rumänen eben nicht morgens um 7 zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da, sondern sie kommen und gehen wann sie wollen und wissen nicht was sie tun"-"Und wenns sein muss dann treffen wir noch irgendwelche Chinesen... dann werden die auch noch gewürgt solange bis sie Duisburg schön finden"-Rüttgers
ganzbaf (28.02.2010, 09:21 Uhr)
"Denkfabrik" selten dämlicher Begriff

Auf Konservennaive gemünzt allerdings kaum mehr an Widersinn zu toppen... ;-Ä
Johann58 (27.02.2010, 20:30 Uhr)
alice_42
da haben Sie was missverstandet, den kennen sie zum schwaetzen mieten nicht zum schaffe@
alice_42 (27.02.2010, 17:48 Uhr)
Seh' ich das richtig?
Der Tillich ist ja im Vergleich zum Rüttgers ein echtes Schnäppchen, oder? Bei uns im Garten wäre so viel zu machen ... ob man da nicht zugreifen sollte?
znew (27.02.2010, 15:35 Uhr)
"Wir verkaufen den Ministerpräsidenten nicht"
Nee, der vermietet sich nur. Die Hure des Kapitals halt.
Fraggles (27.02.2010, 14:35 Uhr)
Ist doch nix
neues, das unsere Volksverräter ähm vertreter sich an diverse Lobbys verkaufen. Da ist es egal um welche Partei es sich handelt ALLE haben ihre Lobbys.

Fakt ist doch das wir schon lange von Großkonzernen und Banken regiert werden, eine Demokratie ist die BRD jedenfalls nicht mehr.
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