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10. Juni 2010, 07:29 Uhr

Merkel ruft Kollegen zur Räson

Die Kanzlerin soll den Spuk beenden: Die FDP verlangt in Sachen Steuererhöhungen ein Machtwort von Angela Merkel. Die jedoch hat zunächst einmal den ständigen Koalitionszank im Visier - und fordert ein schnelles Ende der Kakophonie. Es schade dem Ansehen der Politik.

Steuerpaket, Lammert, Kritik, Reiche, Spitzensteuersatz, Top-Verdiener, lauk

Kann sie den schwarz-gelben Chaosladen zusammenhalten? Die FDP erwartet ein Machtwort von Kanzlerin Angela Merkel© Tobias Schwarz/Reuters

Angesichts des neuen Steuerstreits in der schwarz-gelben Koalition und gegenseitiger Beschimpfungen hat die FDP ihre Forderung nach einem Machtwort von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigt. Die Bundeskanzlerin müsse "in ihrem Laden für Ordnung sorgen", sagte Generalsekretär Christian Lindner der "Rheinischen Post". Lindner wies Forderungen vor allem aus der CDU nach höheren Steuern für Besserverdienende zurück. "In der Wirtschaftskrise würden Steuererhöhungen das Wachstum abwürgen", sagte der FDP-Generalsekretär. Sollte die CDU einen höheren Spitzensteuersatz fordern, stelle sie sich eindeutig gegen den Koalitionsvertrag von Union und FDP.

Das Machtwort folgte prompt, fiel aber anders aus als von Lindner gefordert: Die Kanzlerin sagte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sie sei "nicht bereit zu akzeptieren", wie FDP und CSU gegenwärtig übereinander redeten. Zuletzt waren diverse Schimpfwörter zwischen den beiden Parteien ausgetauscht worden, auch im Streit um die Kopfpauschale im Gesundheitswesen. Der Streit stelle zwar keine Gefahr für die schwarz-gelbe Koalition dar. Wer aber "in dieser Form übereinander redet, muss sich nicht wundern, dass der Respekt vor der Politik insgesamt weiter abnimmt".

Derzeit zanken beide Parteien über Änderungen am vorgelegten Sparpaket der Regierung. Kernfrage ist, ob die geplanten Einsparungen über 80 Milliarden Euro ausreichen, um die Vorgaben der Schuldenbremse zu erfüllen. Während die FDP vor einer neuen Debatte über Steuererhöhungen warnt, wurden in der CDU Rufe nach einer Anhebung der verminderten Mehrwertsteuer- und der Einkommenssteuersätze laut.

Kubicki bricht FDP-Tabu

Die Anhebung des Spitzensteuersatzes von derzeit 45 Prozent hat etwa der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, gefordert. Dass Spitzenverdiener stärker für die Sanierung des Bundeshaushalts herangezogen werden, verlangten aber auch andere CDU-Politiker wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, Saarlands Ministerpräsident Peter Müller und Vertreter des Arbeitnehmerflügels der Partei.

Müller bekräftigte am Donnerstag seine Kritik, dass das Paket die Schwachen der Gesellschaft überproportional belaste. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", sagte er im Deutschlandfunk. Müller sagte mit Blick auf die FDP, er frage sich, "warum das Thema Steuererhöhungen bei Besserverdienenden tabuisiert wird". Neben dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit gebe es auch den Grundsatz der Belastungsgerechtigkeit. Den Spitzensteuersatz anzuheben, "würde ein respektables Sparpaket abrunden", erklärte der Länderchef.

Izwischen kommen selbst aus der FDP Rufe nach einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes: Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki bezeichnete in der "Leipziger Volkszeitung" eine Anhebung des Satzes für besonders hohe Einkommen von derzeit 45 auf 47,5 Prozent als "zumutbar und sehr vernünftig" - ein Tabubruch für die selbsterklärte Steuersenkungspartei FDP.

Wirtschaft ist alarmiert

Die deutschen Wirtschaftsverbände warnten vor einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Eine entsprechende gemeinsame Erklärung verfassten nach Informationen der "Passauer Neuen Presse" die Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

"Höhere Einkommensteuer bedeutet weniger Geld für Investitionen, Innovationen und nicht zuletzt weniger Arbeits- und Ausbildungsplätze", warnt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Es sei "völlig unverständlich, dass sich nun ausgerechnet Teile der Union und ihr nahestehende Organisationen für die Anhebung des Spitzensteuersatzes aussprechen". Dies würde vor allem Mittelständler treffen, weil die meisten von ihnen Personenunternehmen seien und damit Einkommensteuer zahlen.

CSU fühlt sich von FDP erpresst

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt betonte, dass er trotz der anderen Differenzen im Streit um eine höhere Spitzensteuer auf der Seite der FDP stehe: "Das Sparpaket ist sozial ausgewogen. Im Sozialetat wird deutlich weniger gekürzt als in den anderen Ressorts", sagte Dobrindtim ZDF. Die CSU sei gegen Erhöhungen bei Einkommen- oder Mehrwertsteuer. "Der Spitzensteuersatz greift heute ab einem Einkommen von 52.000 Euro. Wer hier zulangt, belastet auch die Mittelschicht." Dobrindt, der die FDP jüngst als "Gurkentruppe" tituliert hatte, zeigte sich aber unnachgiebig in der Frage einer einkommensunabhängigen Gesundheitsprämie, wie sie die FDP will: "Die Kopfpauschale ist tot".

Angesichts der Konfliktfelder Sparpaket, Steuern, Opel und Gesundheit droht die Bundespräsidenten-Wahl am 30. Juni zu einer Zitterpartie für Schwarz-Gelb zu werden. Dobrindt warnte die FDP, die Zustimmung zum Unions-Kandidaten für das Bundespräsidentenamt, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), von einem Verzicht auf Steuererhöhungen abhängig zu machen. "Das ist ein starkes Stück", sagte Dobrindt der "Passauer Neuen Presse". Dies verstoße gegen die "guten Sitten in der Politik und gegen die Würde des Amtes". "Für einen solchen Kuhhandel stehen wir nicht zur Verfügung." Er erwarte, dass sich die FDP geschlossen hinter Wulff stelle. "Die FDP darf hier nicht wackeln."

Reuters/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 64)
 
gutesfeechen (12.06.2010, 19:02 Uhr)
Was kann man da nur sagen...
...wenn dieses "Puppentheater" nicht so kostspielig und ärgerlich wäre...dann wäre es Filmreif...in Richtung Komödie.

Leider ist es unsere Regierung und es stellt sich heraus, das unserer Kanzlerin die Führungskraft fehlt.

4 Jahre hatte sie ein leichtes Spiel in der großen Koalition mit Münte, da kam sie im Volke gut an und man dachte sie hätte diese Führungskraft.

Wenn ich mit überlege, diese unmögliche Regierung noch 3,5 Jahre aushalten muss, schimmer noch, was kann diese Regierung beschließen an "Unmöglichem"?

Hätten diese an der Spitze stehenden Personen nur einen Hauch von Charakter, nur einen Hauch von Verantwortung.und das Gefühl für die Büger dieses Landes, dann würden Abgeordnete entweder ein Mißtrauensvotum im Bundestag und daraus bedingt Neuwahlen erzwingen.




Administrator (11.06.2010, 15:46 Uhr)
@ sebale1
wir haben Ihre Kommentare mehrmals löschen müssen. Bitte bleiben Sie sachlich.
Papayu (11.06.2010, 02:56 Uhr)
Einkommen
Es soll vorkommen, dass die Nachkommen mit dem Einkommen der Vorkommen nicht auskommen und Umkommen, soll vorkommen.
Was hat eine Erhoehung der Einkommenssteuer mit Investionen zu tun.
Wenn dem "Ackermann" sein Boni nicht versteuert wird, richtet er dann eine Filiale mit mehreren Beschaeftigten ein? Oder?

Der Binnenmarkt wuerde sich verschlechtern, denn die Luxusbuden wuerden weniger Kundschaft verbuchen.

Buerger, bringt euren Sparpfennig- aeh cent
in Sicherheit, aber ja nicht bei irgendwelchen
12-16% Verzinsungen, verschiebt den Kauf eines neuen Autos, kauft ein gebrauchtes,
TV ebenfalls und Waschmaschine.
Also, mein TV ist ein Jahr alt und gibt nach der Garantie den Geist auf. Niemand repariert ihn, genau wie andere Eletrogeraete.
Meine Mutter kaufte sich 1935- kein Druckfehler- einen Telefunken, den erbte ich und hatte ihn bis 1965. Es gab keine Ersatzteile(Roehren) mehr.
Zur Zeit fahre ich einen Toyota Carolla, Bj 95
und wenn er Macken bekommt, kommt er in Reparatur. Wie war damals die Reklame:
und laeuft und laeuft....

PS. Mein Corolla muss jedes Jahr zur Kontrolle, ASU.Benzin kostet ca. 1 Euro
Leider ist dies in D unmoeglich, denn
die Produktion der Autos sieht vor, dass jeder sich alle 1-2 Jahre ein Neuen kauft.

2PS Es hat mich gewundert, dass es soviele ueber 9 Jahre alte Autos gab.
3.PS. Kauft Kaemme, Leute, es kommen lausige Zeiten.
ganzbaf (10.06.2010, 23:14 Uhr)
Stimmt.

Nur die löbliche linksradikale Linkspartei kann uns jetzt noch retten ;-P
tannebaum (10.06.2010, 21:12 Uhr)
ich möchte....
das diese kanzlerin endlich arbeitet und führt! denn alles nach ihr wurde die lage nur verschlimmern.
Onzapintada (10.06.2010, 20:26 Uhr)
Kanzlerettenstaat: Auf eine Yogurette
Zwar ist man in Europa auch anderswo recht hell,
Allein, man hat noch keinen Weg gefunden
Für Sozialabbau und Billig-Arbeitsstunden
Nach dem teuton?schen Ideal-Modell.

Die Kraft hat man woanders nicht,
Der mächt?gen deutschen Oberschicht,
Politisch sehr bewusst
Und straff organisiert ?
Und ein gutgläubig treues Volk,
Das stets gehorchen musst.
Drum hält die hiesige Elite
Sich die famose Kanzlerette,
Die für sie regiert,
Das Steuergeld nach oben reicht,
Und Phrasen drischt in einem fort,
So herrlich leer und leicht.
ganzbaf (10.06.2010, 19:47 Uhr)
"Die Kanzlerin soll den Spuk beenden..."

Und zurücktreten!
HEUREKA, sehr löblich ;-P
Tempelhofer (10.06.2010, 18:21 Uhr)
@ schwabach
Bitte schreien Sie hier nicht so rum. Bitte drücken Sie Ihren Standpunkt in Zimmerlautstärke aus.
schwabach (10.06.2010, 17:28 Uhr)
Zur ""Räson"

Aber Hallo Fr.Merkel

ist mal wieder typisch für Sie

ERST alles ANHEIZEN

Andere AUFLAUFEN lassen --Intrigieren, das BEHERRSCHEN SIE ja aus dem ""FF

Und dann die anderen zur Räson rufen !!

SIE SIND WIRKLICH FERTIG !!

DAS VOLK will SIE NICHT MEHR !!
Stern007 (10.06.2010, 16:24 Uhr)
@ Johann58
Das Prinzip das Sie da aufzeigen ist doch auch Richtig! Ja, so leid es mir tut und so blöd es sich anhört. 10.000 Reiche die 1.000 ? zahlen bringen 10.000.000 ?! aber 20.000.000 die "nur" 10 ? Zahlen bringen 200.000.000 ?.! Das Prinzip der kleinen Zahl.

Aber dennoch, die Regierung macht einen schlechten Job! Okay, die Koalition wollte keine Steuersenkungen oder erhöhungen beschließen, sondern SPARMAßNAHMNEN beschließen!! Das heißt die Ausgabenseite reduzieren. Dagegen darf man als Bürger nichts haben! Und ja, Sozialleistungen machen einen Großteil des Haushalts aus!
Daher hätte ich persönlich auch keine Steuererhöhungen erwartet!
Aber ich hätte erwartet, dass die Subventionen abgebaut werden, Kohlepfennig, Abschreibungen, Unternehmensförderungen u.s.w. Grade die FDP müsste hier aktiv werden! Jeder Eingriff in die Wirtschaft ist verkehrt udn Spiegelt nicht den Markt wieder. UND: Hier kann man viel Geld noch einsparen!!!

Sollte das nicht reichen, dann kann man auch über die Steuererhöhung nachdenken!
Aber die FDP ist ZITAT: " eien Gurkentruppe" und Herr Westerwelle scheint mir ein wenig zickig zu sein,,, sidn bestimmt Östrogene!!! :)
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