24. März 2010, 12:33 Uhr

Deutschland, bräsig Vaterland

Die Union ist nach fünf Jahren Merkel in einen Dämmerzustand verfallen - das Wahlvolk straft sie dafür in der jüngsten stern-Umfrage ab. Erinnerungen werden wach - an Helmut Kohl. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

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Vollstreckerin der Langsamkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel©

Anfang der Woche hat die CDU ihren neuen Generalsekretär Hermann Gröhe mit 96,7 Prozent ins Amt gewählt. Doch, doch, das ist ein achtbares Ergebnis. Der groteske Beweis der inneren Geschlossenheit, war, nun ja, der Höhepunkt eines kleinen Parteitags, bei dem selbst die Gutwilligsten bereits nach einer halben Stunde gegen bleierne Müdigkeit ankämpfen mussten. Nicht wenige vergeblich. Andererseits: Das aufmerksame Zuhören hätte sich auch nicht gelohnt - kein innovativer Politikentwurf, nirgends.

Die CDU im Jahr fünf der Kanzlerschaft Angela Merkels ist in einen bizarren Dämmerzustand verfallen. Eine eigentümliche Mischung aus Angststarre und Einfallslosigkeit hat sie ergriffen; es ist, als ob die drohende Wahlniederlage im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen in Berlin zu einer ganz besonderen Bewegungslosigkeit geführt hat. Sehr weit vorn dran: Angela Merkel.

Miserable Umfrage-Werte

Die Kanzlerin wirkt derzeit so, als ob sie ihren Vor-Vorgänger Helmut Kohl kopieren wolle. Deutschland, bräsig Vaterland. Mit dem Unterschied allerdings, dass der Alte aus Oggersheim die Langsamkeit als Politikstil entdeckte, als er seine Herzensanliegen Deutsche Einheit und Euro weitgehend über die Bühne gebracht hatte. Merkel, irritierend genug, hat dieses Stadium schon früher erreicht.

Mittlerweile ist auch das Wahlvolk nicht mehr bereit, sich dies uneingeschränkt gelangweilt anzuschauen. Der Unmut wird sichtbar. Die Union ist im Sinkflug. Im neusten stern-RTL-Wahltrend fällt sie mit 32 Prozent auf den niedrigsten Wert seit der Bundestagswahl.

Zusammen mit der FDP erreicht die schwarz-gelbe Schlingerkoalition nur noch 40 Prozent der Stimmen - weniger gab es für Schwarz und Gelb zusammen zuletzt Anfang 2000. Damals - apropos Kohl - versenkte die CDU-Spendenaffäre die Union tief in der Wählerungunst.

Bleierne Jahre

Das sind deprimierende Werte. Die Frage ist, ob sie Angela Merkel auf Trab bringen. Das sollten sie - und nicht nur um der CDU willen. Nur noch 19 Prozent der Bundesbürger trauen nämlich laut Forsa der Union zu, mit den Problemen in Deutschland am besten fertig zu werden. Vier von fünf Befragten halten also nichts von der stärksten Regierungspartei, fast zwei Drittel (64 Prozent) trauen überhaupt keiner Partei in dieser Hinsicht etwas zu.

Setzt sich dieser Trend fort, dann kann das sogar ein die Demokratie gefährdendes Ausmaß einnehmen. Permanentes Aussitzen - das hat das Beispiel des späten Helmut Kohl gezeigt, ist keine Lösung.

Vielleicht sollte sich Angela Merkel ein Wort Joschka Fischers zu Herzen nehmen. Der hat mal gesagt: "Man kann dieses Land nicht regieren, wenn man Angst hat, Wahlen zu verlieren." Für NRW kommt dieser Hinweis womöglich zu spät. Danach aber wäre ein bisschen mehr Bewegung schon angesagt. Sonst drohen dreieinhalb bleierne Jahre.

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KOMMENTARE (10 von 46)
 
Nemesis666 (25.03.2010, 23:38 Uhr)
Abgewirtschaftet?
we war das noch mal. als Rot-Grün anno 1998 an die Macht kam?
Danach herrschte jahrelang 'Rot-Grünes' Chaos.
Gaz-Gerd hat sein Scherflein ins trockene gebracht, und auch Joschka (Plasterstein) Fischer.
kinderhort (25.03.2010, 16:55 Uhr)
Noch zuviel
Wenn man nur gegen den Bürger ,aber für die Industrie, für die Banken und jeden
windigen gegen den Staat arbeiteten
Unternehmer Politik betreibt sind über 30%
noch zuviel.
Gisella (25.03.2010, 12:00 Uhr)
und nochwas:
was Fischer sagt und gesagt hat- völlig unwichtig. Wohlgenährt und hoffentlich voller schuldgefühle Deutschland gegenüber- tourt er durch die Medien. Ekelhaft.....
Papayu (25.03.2010, 09:08 Uhr)
Mutti Merkel
Also, bei der letzten Wahl, da trat sie ja auch kaum in Erscheinung, nur ein riesiges Foto und trotzdem schaffte sie es.Die SPD wollte keiner mehr, denn
der Kandidat war zu blass und hatte wohl auch keine Lust.
Dafuer wurde er bestraft.Nur noch 22 %. Und nun lass Mutti man machen. Vielleicht geht es ganz anders aus als alle erwarten.
Der Waehler scheint mehr aufs Aussere zu schauen, als auf die inneren Werte.Sie von und zu.
Fuer mich ist es unverstaendlich, dass sowas Nassforsches und
Wendehals (Kundus) noch immer der beliebteste und noch vor Mutti.Das gab es noch nie.
winn111 (24.03.2010, 19:03 Uhr)
@seppmaier
"Mietmäuler", den Ausdruck habe ich noch nie gehört, finde ich aber gut, denn er beschreibt ein Berufsbild kurz und bündig, was man allgemein als Politiker bezeichnet. Nur das lästige ist, wer mehr Miete bezahlt, bekommt auch was dafür. Normale Arbeitnehmer oder auch Arbeitslose können sich sowas nicht leisten. Das ist ja wie Leiharbeit auf höherem Niveau !!! Mövenpick hat ja jetzt auch gelbe Speisekarten.
mupfeline (24.03.2010, 18:00 Uhr)
Bräsig? Was ist bräsig?
Add ganzbaf

Wollen Sie drei Eimerchen ganz kleine Streusteine die ich heute vom Pflaster aufgekehrt habe - wir wissen nicht wohin damit. Ich schenke sie Ihnen, Sie müssen sie nur selbst abholen dann dürfen Sie damit eine Berrikade bauen oder auch schmeißen!
auwei (24.03.2010, 17:14 Uhr)
@Nadeera
Abgesehen vom sehr verbreiteten Pippi-Langstumpf-Effekt: Wer ein klares Bild will, muss schon mehr als ein Insitut bemühen. Forsa ist ein Extrem, Allensbach ein anders - aber zusammen geben sie in etwa das Gesamtbild wieder.
XenaWilloughby (24.03.2010, 17:06 Uhr)
ach was...
Mama braucht keine Angst zu haben.
Die Wähler sind dumme Lämmer, sie vergessen schnell wieder. Wetten, daß Mama noch eine Periode auf dem Sessel hockt?
Solange sie nichts tut macht sie auch nichts verkehrt, das ist seit 5 Jahren ihre Devise, ihr großes Vorbild Kohl hat es ihr genauso beigebracht!
Also regt Euch alle mal nicht auf, Mama wird schon wieder schaukeln. Und mit Deutschland geht es weiter bergab!
Nadeera (24.03.2010, 17:00 Uhr)
@auwei
Genau, die Umfragen geben ein klares Bild wieder. Zum allerersten Mal! Denn als schwarz/gelb monatelang vorne lag, da war der Güllner gekauft und die Umfrage gefaked....
auwei (24.03.2010, 16:54 Uhr)
@Nadeera
Müßig! Die Umfragen geben ein klares Bild wieder. Und ganz gleich, was SPD oder Linke machen, sagen und wollen - Schwarz-Geld wollen immer weniger Wähler. Aus die Maus.
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